26.07.2010 - Flugtauglichkeit bei älteren Menschen - Economy-Class-Syndrom und Jet-Lag

Flugreisen und medizinische Probleme: Auf bestehende Risiken achten

Im Flugzeug können sich medizinische Probleme, bedingt durch das Economy-Class-Syndrom und den Jet-Lag ergeben
Im Flugzeug können sich medizinische Probleme, bedingt durch das "Economy-Class"-Syndrom und den "Jet-Lag" ergeben

Jet-Lag beziehungsweise Economy-Class-Syndrom: ältere Menschen nehmen heute zunehmend das Angebot an Fernreisen war. Beliebte Urlaubsziele sind hierbei insbesondere Thailand, Malaysia, Indonesien, Südafrika, Kenia, Brasilien, Dominikanische Republik sowie die USA. Die Flugdauer zu diesen Destinationen kann bis zu 11 Stunden betragen.

Hinzugerechnet werden müssen dabei zusätzlich noch die Anreise zum Flughafen, das Kofferabgabeprozedere, die Schlange bei der Einreise und Zollformalitäten sowie der Transport zur Ferienanlage. Dadurch kann die Gesamtdauer der Anreise, mit eventuellen Verspätungen, manchmal bis zu 20 Stunden betragen. Dem Reisenden sind diese Komplikationen bei der Buchung einer Reise und der dadurch verbundene Stress oftmals nicht vorhersehbar.

Im Flugzeug können sich medizinische Probleme, bedingt durch das "Economy-Class"-Syndrom  und den "Jet-Lag" ergeben. Auch können die unterschiedlichen klimatischen Gegebenheiten am Zielort, verbunden mit den Anstrengung der Flugreise zu unerwünschten Einschränkungen des Befindens führen. Bestehen beim Reisenden diverse medizinisch relevante Vorerkrankungen, gilt es für den Hausarzt den Patienten hinsichtlich der grundsätzlichen Durchführbarkeit einer Flugreise richtig zu beraten.

Jet-Lag

Dies reicht vom Abraten bis zur vorübergehenden Verschiebung der Reise wegen Fluguntauglichkeit. Auch sollte der Patient darauf hingewiesen werden, dass Reisekrankenversicherungen meist Leistungen für Erkrankungen bzw. akute Exazerbationen ablehnen, wenn diese bereits vor Antritt der Reise bestanden hatten.

Flugmedizin - Fliegen - Flugtauglichkeit

Verkehrsflugzeuge fliegen in Höhen von etwa 13.000 m. In der Kabine der modernen Verkehrsflugzeuge herrscht ein konstanter Luftdruck, der einer Höhe von 1.800 bis 2.400 m entspricht. In Ableitung der Gasgesetze bedeutet dies, dass sich bei abnehmendem Druck die Gasvolumina umgekehrt proportional des Umgebungsdruckes bei konstanter Temperatur und Luftfeuchte ausdehnen. Am besten lässt sich dies bei Prozessen mit Gasansammlung, zum Beispiel einem Zahnwurzelabszess, verdeutlichen, der während einer Flugreise oft erhebliche Beschwerden verursacht. 

Flugzeug - Flugreisen - Medizin - Flugtauglichkeit - Jet-Lag - Econoy-Class syndrom - Druckkabine

In der Flugreisehöhe ist der Sauerstoffpartialdruck erniedrigt, was einer Sättigung von 90% entspricht. Der gesunde Passagier verfügt über Kompensationsmechanismen, wohingegen dies bei Kranken unter Umständen nicht möglich ist. Im Flugzeug ist die Luft erheblich trockener und erreicht nur etwa 12% relative Feuchte. Dies bedingt eine Austrocknung der Schleimhäute, Augenbrennen und vermehrtes Durstgefühl. Nichtraucherflüge werden von den meisten Flugpassagieren wegen der besseren Luftqualität als angenehmer empfunden.

Die Temperatur in der Druckkabine ist regulierbar; trotzdem sollte ein warmes Kleidungsstück an Bord mitgeführt werden. Die während einer Flugreise auftretenden Vibrationen oder Turbulenzen lösen bei manchen Passagieren Flugangst oder Kinetosen aus. In diesen Fällen sollten Plätze im Mittelteil des Flugzeuges, wo diese Erscheinungen am wenigsten stören, gebucht werden. Bei ausgeprägter Flugangst sind Antiemetika in Form entsprechender Kaugummis oder eines transdermalen therapeutischen Systems angeraten.

Thrombose - Gefahr durch Blutgerinnsel - mediXtra die medizinische Enzyklopädie - Medizin und Gesundheit im Internet - Infografik - Medical Illustration
Venenklappen - mediXtra die medizinische Enzyklopädie - Medizin und Gesundheit im Internet - Infografik - Medical Illustration

Durch das beschränkte Raumangebot an Bord kann es zum "Economy-Class"-Syndrom kommen. Die vielstündige Immobilität in abgewinkelter Körperhaltung verbunden mit übermäßiger Flüssigkeitszufuhr führt zur Ödementwicklung der unteren Extremität. Zugleich tritt eine Strömungsverlangsamung des Blutflusses vorwiegend auf dem venösen Sektor ein. Die Zirkulationsstörungen sind mit der Gefahr von Beinvenenthrombosen, die auch zur Embolie führen können, verbunden. Risikofaktoren sind dabei eine Varikosis und Adipositas. Diskutiert wird derzeit die Anwendung von niedermolekularen Heparinen als Thromboseprophylaxe.

Flugreisen durch Zeitzonen führen zur Desynchronisation der zirkadianen Körperrhythmen. Dies bedingt eine Reihe von Funktionsstörungen, wie des Schlaf-/Wachbedürfnisses, Temperatur-, Blutdruckregulation, Hunger, Durst und Darmregulation (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).

© Medizinische Enzyklopädie 2010