In Zukunft könnte die Frage beim Einkaufen nicht mehr lauten "Was möchte ich essen?" sondern "Was möchte ich durch die Mahlzeit erreichen?". Der Trend der funktionellen Lebensmitteln ist aus den USA und Japan zu uns herübergeschwappt. Statt einem allgemeinen gesundheitlichen Nutzen ist das Functional Food unserer Zeit eine Lösung für spezielle Probleme.
Der Begriff "Functional Food" beschreibt Lebensmittel, die einen gesundheitlichen Zusatznutzen haben. Zum Beispiel gibt es Margarine und Milchprodukte, die den Cholesterinspiegel senken sollen. Zugesetzte Phytosterine sind für diesen Zusatznutzen verantwortlich.
Der Kundenstamm dieser Produkte wächst stetig, denn die Theorie ist rosig: Seien es nun Wechseljahrsbeschwerden oder erhöhte Blutfettwerte, einfach das Lebensmittel mit dem entsprechenden Zusatznutzen verzehren und mit der Gesundheit ist wieder alles "in Butter". Doch in der Praxis zeigen sich Probleme.
Es gilt zu klären, ab wann ein Lebensmittel als funktionell anzusehen ist. Beispiel Lachs: Von Natur aus reich an ungesättigten Fettsäuren, die positiv auf das Herz-Kreislaufsystem wirken. Ist er bereits als Functional Food zu werten oder erst wenn er durch spezielle Fütterung einen erhöhten Fettsäuregehalt hat? Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie hoch die gesundheitsförderlichen Substanzen zu dosieren sind.
Beispiel Vitamin A: Das fettlösliche Vitamin kann in zu hohen Mengen negative Wirkungen haben. Sind die verschiedensten Lebensmittel angereichert, verliert der Kunde schnell den Überblick darüber, wie viel er tatsächlich konsumiert. Zudem hat die Wissenschaft in den letzten Jahren gezeigt, dass auch sekundäre Pflanzenstoffe wie die Phytosterine positive Wirkungen auf die Gesundheit haben. Schädliche Dosierungen und der Tagesbedarf sind in vielen Fällen jedoch noch nicht bekannt.
Menschen, die sich ausgewogen und vielseitig ernähren, sollten in der Regel ausreichend mit den lebensnotwendigen Stoffen versorgt sein. Da es jedoch viele Menschen gibt, die sich nicht nach den aktuellen Ernährungsempfehlungen richten oder einen veränderten Nährstoffbedarf haben - beispielsweise aufgrund von Erkrankungen, Medikamenteneinnahme oder bestimmten Lebenssituationen - macht Functional Food sicherlich Sinn. Es sollte jedoch mit Bedacht überlegt werden, wo genau der Zusatz von gesundheitsförderlichen Substanzen in welchen Mengen sinnvoll ist, statt wahllos die verschiedensten Produkte auf den Markt zu werfen. (Daniela Rösler, Diplom Oecotrophologin)
© Medizinische Enzyklopädie 2010