05.10.2004 - Infektions-Schutzfaktor Handschuh: Doppelt behandschuht schützt besser

Infektionsgefahr für Operateur als auch den Patienten +++ mehr Sicherheit durch doppelte Handschuhe mit Perforations-Indikatorsystem - Handschuh bei Operation perforiert

Handschuh bei Operation perforiert
Infektionsgefahr für Operateur als auch den Patienten

Zu Schlagzeilen und negativem Image für eine Klinik kam es in den letzten Jahren wiederholt, wenn sich retrospektiv herausstellte, dass Patienten durch einen Operateur mit Hepatitis B oder Hepatitis C infiziert wurden. In der Literatur finden sich an die 1.000 dokumentierte Fälle, in denen Patienten von Chirurgen und anderen infektiösen medizinischen Mitarbeitern mit Hepatitis B, Hepatitis C oder HIV infiziert wurden.

Ansteckungsquelle für den Patienten war dabei oftmals Blut des Operateurs, dass nach einer Verletzung des Arztes durch den perforierten Handschuh in das Operationsfeld tropfte. Gefahrenquelle für den Arzt können  spitze und scharfe Instrumente, wie Drähte, Nadeln o.ä. sowie Knochentrümmer sein. 

Handschuhe gelten als die einzige Barriere zwischen Patient und Operateur und verhindern eine Kontamination des Arztes mit dem Blut des Patienten. Intakte Handschuhe schützen  effektiv vor einer Exposition des Operateurs mit viralen Erregern, die im Blut des Patienten vorhanden sein können. Dies sind inbesondere Hepatitis-B-, Hepatitis-C-Virus sowie das humane Immundefizienzvirus (HIV).

Ein Thema, was bislang weitgehend wenig Beachtung fand, ist das Problem der perforierten Handschuhe. Jedem operativ tätigen Arzt ist hinlänglich bekannt, dass es abhängig von der Art des Eingriffes zur Perforation der Handschuhe kommen kann. In der Literatur finden sich Perforationsraten von zum Teil über 70%. Die Perforationen der Handschuhe betrafen überwiegend den Daumen, Zeige- und Mittelfinger des Operateurs, ohne relevante Seitenunterschiede.

Eine Übersicht über das Risiko der Perforation der Handschuhe bezogen auf die Fachrichtung zeigt, dass die Herz- und Thoraxchirurgie mit 78% an der Spitze steht, gefolgt von der Endoprothetik und Unfallchirurgie mit 50-60%. Bei gynäkologischen Operationen

Eine Übersicht über das Risiko der Perforation der Handschuhe bezogen auf die Fachrichtung zeigt, dass die Herz- und Thoraxchirurgie mit 78% an der Spitze steht, gefolgt von der Endoprothetik und Unfallchirurgie mit 50 bis 60%.

Bei gynäkologischen Operationen kommt es in etwa 25% der Fälle zur Perforation der Handschuhe, wobei hier insbesondere das instrumentierende Personal betroffen ist. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Eingriffsdauer. Liegt diese im Zeitbereich von 0 bis 30 Minuten, beträgt die Perforationsrate 9,5%. Im Zeitbereich von 31 bis 60 Minuten beträgt sie bereits 22% und bei einer Operationsdauer von mehr als 1 Stunde bereits über 40%.

Das Fazit mehrerer Studien ist, dass es sich für den Operateur empfiehlt zwei Handschuhe übereinander zu tragen. Allerdings wird einschränkend auf den Verlust von taktiler Sensibilität hingewiesen. Mehrere Studien, die die Perforationsraten beim Tragen von doppelten Handschuhen untersucht haben, kommen zur Schluss, dass sich hierdurch das Gefährdungsrisiko für den Operateur erheblich reduzieren lässt.

Als einen wesentlichen Fortschritt müssen Handschuhsysteme angesehen werden, die ein Perforationsindikatorsystem besitzen. Dadurch kommt es nach der Perforation des äußeren Handschuhs infolge des Bluteintritt in die Zwischenschicht zur Verfärbung des Handschuhs. Der Operateur kann dadurch sofort die Beschädigung des Handschuhes erkennen und diesen wechseln. 

Die Verwendung doppelter Handschuhe, insbesondere bei verletzungsträchtigen Operationen, ist in den USA weitgehend Standard. Dies erklärt sich nicht zuletzt durch die anders gearteten gesetzlichen Rahmenbedingungen und die verschärfte Unternehmenshaftung, die ein Krankenhaus nach Klagen von Patienten leicht ruinieren kann.

Die in Deutschland geltenden gesetzlichen und unfallversicherungsrechtlichen Regelungen beziehen sich auf die Verpflichtung zu Präventivmaßnahmen nach dem jeweiligen Stand von Wissenschaft und Technik. Grundlagen sind dabei das Arbeitsschutzgesetz, die Biostoffverordnung, der berufsgenossenschaftliche Grundsatz G42 sowie die Berufskrankheitenverordnung... [mehr]
 

(Text: Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Mitautor)