Die Influenzaviren gehören zu den Orthomyxoviren und werden in die Subtypen A, B und C eingeteilt. Sie zeichnen sich durch ein segmentiertes RNA Genom aus, welches für 11 Proteine kodiert. Für den Menschen spielen die Influenzaviren der Subtypen A und B eine Rolle, wobei vermehrte saisonale Infektionen mit Influenza B Viren ca. alle drei Jahre in Deutschland auftreten. Die epidemiologische Bedeutung der Influenza C ist für den Menschen gering. Im Prinzip könnte jedes Influenzavirus, genauer gesagt, jeder Subtyp, der lange nicht mehr oder noch nie in der Bevölkerung zirkuliert ist, zum Pandemie-Virus werden. Mit HA (Hämagglutinin) und NA (Neuraminidase) werden die beiden Oberflächenproteine des Virus bezeichnet. Es sind 16 HA- und 9 NA-Subtypen bekannt, die nicht alle beim Menschen gefunden wurden. Besonders Wildvögel scheinen jedoch mit allen Subtypen auf natürlichem Wege infizierbar zu sein. Die in den letzten Jahrzehnten in der Bevölkerung zirkulierenden Influenzaviren gehören zu den Subtypen H1N1 und H3N2.
Gemäß internationaler Vereinbarungen zur Taxonomie werden neu isolierte Influenzastämme nach ihrem Typ/Fundort/laufende Nummer im Labor und Isolierungsjahr klassifiziert (z.B. A/Berlin/122/2003 (H3N2)). Ein besonderes Charakteristikum der Influenza-Viren ist ihre genetische Heterogenität. Da das Virusgenom zum einen aus 8 RNA-Segmenten besteht und anderseits die Replikation durch eine hohe Fehlerrate bei nicht vorhandenen genetischen Reparaturmechanismen belastet wird, kommt es häufig zu Mutationen.
Von den Veränderungen sind insbesondere die Oberflächenproteine Hämagglutinin (HA) sowie Neuraminidase Betroffen (NA). Diese ständige Veränderung der antigenen Eigenschaften wird als Antigen-Drift bezeichnet. Ein Austausch der RNA-Segmente der Influenzaviren führt dagegen zum genetischen Reassortment oder Antigen-Shift. Hierbei spielt auch das Überspringen der Speziesbarrieren zwischen Menschen, Vögeln und Schweinen eine wichtige Rolle. Durch Doppelinfektionen von Spezies, die mit verschiendenen Influenza Viren infiziert werden können, wie z.B: dem Schwein, oder durch Anpassung an den neuen Wirt kann es zum Reassortment zwischen verschiedenen Viren kommen.
30.10.2009 - Influenza-A-Viren können Pandemien mit hoher Morbidität und Mortalität verursachen
Eine jährliche Impfung wird empfohlen
Da die Weltbevölkerung gegen einen solchen neuen Stamm keine protektiven Antikörper und somit keine Immunität besitzt, könnte es rasch zu einer Pandemie kommen. Die Übertragung der Influenza Viren erfolgt in der Regel durch Tröpfcheninfektion bei direktem Kontakt. Nach einer kurzen Inkubationszeit von Stunden bis wenigen Tagen kommt es zu einem plötzlichen Krankheitsbeginn mit Fieber bis 40°C, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen sowie einem trockenen Husten und einem Mattigkeitsgefühl am ganzen Körper. Die Symptome halten in der Regel 7-12 Tage an, wobei die Mattigkeit über Monate hinweg erhalten bleiben kann. Ein großes Risiko der Influenza stellen bakterielle Superinfektionen oder eine Influenzapneumonie dar, die auch zum Tode führen können. In einer regulären Influenzasaison kann kommt es in Deutschland zu 8.000 bis 10.000 Influenza-bedingten Todesfällen.
Für die Diagnostik stehen Antigen-Schnelltests zur Verfügung, die innerhalb von 15 Minuten verlässliche Ergebnisse liefern können. In der Routine wird jedoch die real-time RT-PCR und die Sequenzierung durchgeführt, mit der die verschiendenen Virus-Subtypen identifiziert werden können. Als Prophylaxe steht jedes Jahr ein Neue impfstoff zur Verfügung. Eine jährliche Impfung wird deshalb empfohlen, weil der Impfstoff steitig an die aktuell zirkulierenden Viren angepasst werden muss.
Bei schweren Krankheitsverläufen und rechtzeitiger Diagnose können zur Therapie zwei verschiedene Ansätze verfolgt werden. Die Neuraminidase-Hemmer (Oseltamivir, Zanamivir) verhindern die Freisetzung in der Zelle gebildeter neuer Influenza Viren, während die Fusionshemmer die Freisetzung des viralen Genoms in der Zelle unterbinden.
Influenza-A-Viren können Pandemien mit hoher Morbidität und Mortalität verursachen, wie dies durch Ausbrüche in den letzten 100 Jahren eindrucksvoll belegt wurde. Allein während der Grippe-Pandemie 1918/19 dürften 50 bis 100 Millionen Menschen an der Folge der Influenza gestorben sein. Pandemien führen in manchen Fällen zu einem vollständigen Ablösen der vorher zirkulierenden Erreger durch den neuen Subtyp.
Hypothesen zum Auftreten der in größeren periodischen Abständen wiederkehrenden Subtypen basieren auf der Recyclingtheorie. Danach lösen sich die drei Hämagglutinin-Subtypen in fester Reihenfolge und den bekannten Kombinationen mit den beiden Neuraminadase-Subtypen in mehr oder weniger regelmäßiger Zeitfolge ab. Durch neuere seroarchäologische Untersuchungen und dem Auftreten aviärer Infektionen (Vogelgrippe) beim Menschen muss die Recyclingtheorie jedoch zunehmend in Frage gestellt werden.Zurzeit gibt es eine Influenza Pandemie mit einem Influenza A Virus A(H1/N1) welches seinen Ursprung in Schweinen zu haben scheint.
(Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg/ Schlußredaktion: Dr. Andreas Nitsche Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit).
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