19.04.2010 - Bayern: Weiterhin hohe Durchseuchung mit Fuchsbandwurm

Echinokokkose: Gefahr durch Füchse in Süddeutschland

Fuchsbandwurm: gründliches Waschen von Waldfrüchten oder Pilzen vor dem Verzehr
Fuchsbandwurm: gründliches Waschen von Waldfrüchten oder Pilzen vor dem Verzehr

Nach Mitteilung des Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sind nach Untersuchungen in sieben Regierungsbezirken Bayerns durchschnittlich 29% der Füchse mit Echinococcus multilocularis (Fuchsbandwurm) infiziert. In der Hochendemieregion, Schwäbische Alb, beträgt die
Durchseuchung der Fuchspopulation sogar 55%.

Da die Fuchspopulation, nicht zuletzt bedingt durch die flächendeckende Tollwutimpfung der Tiere, in den letzten 10 Jahren um das Fünffache angestiegen ist, ist mit einer zunehmenden Bedeutung dieser Helminthose auch für den Menschen zu rechnen. Im Europäischen Echinokokkoseregister werden derzeit knapp 600 Erkrankungsfälle an alveolärer Echinokokkose erfasst.

Fuchs- Fuchsbandwurm

Die Echinokokkose ist eine Zoonose, die durch Echinococcus (E.) multilocularis sowie E. granulosus verursacht wird. Von diesen beiden Bandwurmarten kommt in Mitteleuropa insbesondere E. multilocularis (Fuchsbandwurm) vor, während E. granulosus (Hundebandwurm) überwiegend in den Mittelmeerländern verbreitet ist. Nachgewiesen wurde das Vorkommen des Fuchsbandwurmes neben Bayern und Baden-Württemberg auch im Saarland, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Als Hochendemiegebiete gelten zudem die Nordschweiz, Westösterreich und Ostfrankreich.

Der normale Entwicklungszyklus bei E. multilocularis verläuft zwischen Nagern und Füchsen. Sowohl Katzen als auch Hunde können sich zufällig durch Fressen von Nagetieren infizieren. Dieser Umstand gilt insbesondere in Siedlungsbereichen, die von Füchsen "heimgesucht" werden. In einem infizierten Fuchs finden sich bis zu 200.000 Bandwürmer. Der Fuchs scheidet die E. multilocularis-Eier mit dem Kot aus. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch die orale Aufnahme der Eier.

Als Infektionswege kommen daher der Verzehr kontaminierter Lebensmittel, wie Gemüse, Obst sowie insbesondere Heidelbeeren, Preisselbeeren und Walderdbeeren in Frage. Ferner besteht
eine Ansteckungsgefahr durch den direkten Kontakt mit infizierten Tieren, zum Beispiel für Jäger, Tierärzte, Waldarbeiter sowie Präparatoren. Aufgrund der langen Inkubationszeit ist es meist schwierig, die Ansteckungsquelle retrospektiv zu ermitteln.

Fuchsbandwurm Verbreitung - Echinococcus multilocularis

Beim Menschen sind die Leber oder die Lungen betroffen, wobei das klinische Bild vom Sitz und der Größe des Prozesses abhängt. Die Symptomatik wird dabei hauptsächlich durch die raumfordernde Wirkung der Echinokokkus-Zysten verursacht. Wegen des langsamen Wachstums der Metacestoden
treten erste Symptome beim Menschen erst nach 10 bis 15 Jahren auf. Die Letalität der durch E. multilocularis verursachten Echinokokkose beträgt unbehandelt über 90%.

Die Therapie der Echinokokkose ist schwierig. Soweit möglich wird versucht, die Zysten operativ zu entfernen, wobei hier oftmals eine Teilresektion des betroffenen Organs notwendig wird. Durch die Langzeittherapie mit Mebendazol oder Albendazol lässt sich das Wachstum des Fuchsbandwurmes zumindest hemmen. Allerdings muß die Therapie über Jahre durchgeführt werden. Durch die Chemotherapie lässt sich die Mortalität unter 20% senken. Zur Vermeidung einer Echinokokkose sollten daher in Gebieten mit erhöhtem Infektionsrisiko, wie z. B. der Schwäbischen Alp, bestimmte Vorsichtmaßnahmen eingehalten werden. Empfohlen wird das gründliche Waschen von Waldfrüchten oder Pilzen vor dem Verzehr.

Gleiches gilt auch für Fallobst, Salat oder Beeren aus Freilandkulturen. Durch Tieffrieren bis -20°C werden die Fuchsbandwurmeier nicht abgetötet. Dies wird erst durch Temperaturen von -80°C erreicht. Ferner sollten nach Garten- oder sonstigen Erdarbeiten die Hände gründlich gewaschen werden. Fuchskadaver oder erlegte Füchse sollten nur mit Plastikhandschuhen berührt werden. Auf die Infektionsgefahren, die von der Berührung von toten Füchsen ausgehen, sollten insbesondere Kindern, die oft im Wald spielen, hingewiesen werden. Erfolgte ein fraglicher Kontakt zu einem infizierten Tier empfehlen sich wiederholte serologische Kontrollen nach 3, 6 und 12 Monaten, um eine Echinokokkose möglichst frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu behandeln.

In Feldversuchen, in denen Füchse Praziquantel-haltigen Fraßköder angeboten wurde, ließ sich eine Reduktion der Durchseuchung mit Fuchsbandwurm zeigen.


(Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg/ Schlußredaktion: Dr. Andreas Nitsche, Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit).

© Medizinische Enzyklopädie 2010