09.11.2009 - Respiratory-Syncytial-Virus: Infektionshäufungen mit Beginn der kalten Jahreszeit

RSP als häufiger Erreger von Atemwegserkrankungen

Als Auslöser von viralen Atemwegsinfektionen sind eine Vielzahl von Erregern bekannt. Dazu gehören Influenza-A- und –B-Viren, Parainfluenza-Viren, Adenoviren, Rhinoviren, Coronaviren, Metapneumovirus, Coxsackie-A- und –B-Viren, ECHO-Viren, das Masern-Virus und das Respiratory-Syncytial-Virus (RSV).

RSV, ein zu der Familie der Paramyxoviridae (Genus Pneumovirus) gehörender Erreger, gilt als der bedeutsamste Verursacher von Infektionen der Atemwege bei Säuglingen und Kleinkindern. Auch in anderen Altersgruppen kann RSV jedoch in den kühleren Monaten zu Infektionen führen. Besonders sind dabei ältere Menschen wie auch Personen mit Immundefizienz oder Immunsuppression sowie solche mit chronischen Lungenerkrankungen betroffen. RSV ist weltweit verbreitet.

Als Erkrankungsgipfel gelten in Deutschland die Monate November bis April. Die Zirkulation des Virus in der Population ist jedoch ganzjährig, so dass sporadische Erkrankungsfälle auch in warmen Monaten vorkommen. Für RSV gibt es kein tierisches Reservoir. Allein der Mensch ist von dieser Infektion betroffen. Die Übertragung von RSV erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Eintrittspforte sind die Nasenschleimhaut und die Konjunktiven. Bei der Ansteckung mit RSV spielen jedoch auch kontaminierte Gegenstände sowie Oberflächen eine wichtige Rolle. Die Übertragung erfolgt dann als Autoinokulation durch kontaminierte Hände. Die Umweltresistenz von RSV, insbesondere in Bezug auf medizinische Einrichtungen, ist gut belegt. So bleibt RSV aus respiratorischen Materialien 20 Minuten auf nicht desinfizierten oder ungewaschenen Händen, 45 Minuten auf Papiertaschentüchern und Baumwollkitteln, bis zu 5 Stunden auf Einmalhandschuhen, bis zu 6 Stunden auf Stethoskopen und bis zu 7 Stunden auf Kunststoffoberflächen infektiös.

Die Inkubationszeit beträgt 2 bis 8 Tage. Nach der Infektion erfolgt die Vermehrung des Virus auf den Schleimhäuten der Atemwege. Als Folge der Synzytienbildung wie auch der ausgelösten lokalen Immunreaktion kommt es zur Zerstörung der zilientragenden Epithelzellen. Der entstehende Zelldetritus sowie einwandernde Immunzellen bedingen die Verlegung von kleinen Atemwegen und begünstigen einerseits die Bildung von nicht belüfteten Bezirken sowie andererseits kompensatorisch zu stark belüfteter Areale in den Lungen. Nach einer durchgemachten RSV-Infektion wird nicht selten eine Hyperreagibilität des Bronchialsystems beobachtet.

Die RSV-Infektion verursacht keine erregertypische Symptomatik. Die akute Erkrankung ist durch Rhinitis, Pharyngitis, Tracheobronchitis und Bronchiolitis gekennzeichnet. Oftmals besteht Fieber über 39°C. Bedingt durch die Bronchiolitis kann es zu Tachypnoe, Husten und Hypoxämie kommen. Die häufigste Komplikation ist die Pneumonie. Zudem kann es zur Otitis media mit bakterieller Superinfektion kommen. Bei der Diagnostik der RSV-Infektion ist der Erregernachweis mittels immunologischer Methoden, PCR oder Virusanzucht von wesentlicher Bedeutung. Für den Nachweis der akuten Infektion ist die Bestimmung von Antikörpern dagegen meist nicht relevant.

Die Therapie erfolgt symptomatisch. Die virustatische Therapie mit inhalativ zu verabreichendem Ribavirin, einem Nukleosidanalogon, bleibt besonders schweren Fällen auf pädiatrischen Intensivstationen vorbehalten. Ein aktiver Impfstoff gegen RSV ist derzeit noch nicht verfügbar. Zur passiven Prophylaxe für bestimmte Risikokinder steht ein gegen das F-Protein von RSV gerichteter monoklonaler Antikörper (Bezeichnung: Palivizumab) für die intramuskuläre Applikation zur Verfügung. Aufgrund der hohen Kosten des Präparates erfolgt die Verabreichung nur nach strenger Indikationsstellung.


(Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg/ Schlußredaktion: Dr. Andreas Nitsche Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit).

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