30.08.2010 - Bettwanzen: Typischer Gestank im Schlafzimmer

Import von Bettwanzeneiern oder -larven aus tropischen Urlaubsländern über das Reisegepäck

In den letzten Jahren werden die Gesundheitsbehörden zunehmend wieder mit dem Problem des Befalls mit Bettwanzen konfrontiert. Nicht nur bei verwahrlosten Wohnverhältnissen ("Messies") lassen sich diese unerwünschten Besucher aufspüren. Nachdem Bettwanzen bereits in in Teilen New Yorks Wohnungen, Hotels und Geschäfte unterwegs sind, machen sich die Bettwanzen auch in deutschen Ballungsgebieten breit.

Mit dem Kauf antiquarischer Möbel oder Bilder kann es beispielsweise zur Verwanzung einer Wohnung kommen. Nicht selten ist auch der Import von Bettwanzeneiern oder -larven aus tropischen Urlaubsländern über das Reisegepäck. Der Befall einer Wohnung mit Bettwanzen lässt sich einfach durch den spezifischen Gestank der Stinkdrüsen dieser Insekten feststellen.

Insgesamt umfasst die Familie der Bettwanzen 22 Genera mit 74 Arten. In Deutschland ist Cimex lectularius von besonderer epidemiologischer und medizinischer Bedeutung. Bettwanzen kommen besonders häufig in warmen Ländern vor. Die adulten Bettwanzen werden 4,8 bis 8,5 mm lang. Im vollgesogenen Zustand erscheinen sie dunkelbraun. Ungesogen sind eher hellbraun und papierdünn. Alle Stadien des Entwicklungszyklus dieser Insekten sind nachtaktiv. Tagsüber halten sich Bettwanzen in Verschalungen, Ritzen, Betten, Lüftungsschächten oder hinter Tapeten auf. Nicht selten krabbeln Bettwanzen auf der Zimmerdecke und lassen sich von dort auf ihr im Bett liegendes Opfer fallen.

Bettwanzen: Typischer Gestank im Schlafzimmer

In ihrem einjährigen Leben legen die weiblichen Bettwanzen um die 500 Eier. Die Dauer der Entwicklung ist temperaturabhängig, d. h. je wärmer das Zimmer ist, umso schneller erfolgt das Schlüpfen der Larven. Die Geschlechtsreife erlangen Bettwanzen nach 6 bis 8 Wochen. In einem betroffenen Haushalt kommt es deshalb oftmals zu einem Massenbefall.

Die Insekten sind sehr mobil und können in einer Minute bis zu 1 Meter zurücklegen. Sie können zudem relativ lange hungern, wobei allerdings höhere Temperaturen rascher zum Tode führen als niedrige. Bei mäßigen Temperaturen können Bettwanzen daher bis zu 6 Monate ohne Blutnahrung überleben. Gegen Frost sind Bettwanzen unempfindlich.

Wenn Bettwanzen ein Opfer finden, treffen sie meist nicht gleich beim ersten Stich auf ein Blutgefäß. Typisch ist daher ein Bild von Reihenstichen, die auch als Wanzenstrassen bezeichnet werden. Stiche von Bettwanzen sind in der Regel schmerzfrei. Bemerkt werden sie erst nach dem Aufwachen. Durch die Stiche kommt es bei empfänglichen Personen zu petechialen Blutungen, Papeln, urtikariellen Quaddeln und intensiven Juckreiz. Eine bakterielle Superinfektion kann durch Kratzen im Bereich der Stichstellen auftreten.
Seltene Komplikationen sind ein Asthmaanfall, Urticaria papulosa sowie ein anaphylaktischer Schock. Die Behandlung der Bettwanzenstiche erfolgt topisch mit juckreizstillenden Gelen oder Salben. Das Auftreten einer bakteriellen Superinfektion kann eine antibiotische Therapie notwendig machen.

Ein Befall mit Bettwanzen lässt sich auch für den Laien durch den charakteristischen Gestank und zum anderen durch den Nachweis von Kottröpfchen auf der Bettwäsche feststellen. Wird ein Befall mit Bettwanzen vermutet, empfiehlt es sich einen Fachmann für die Entwesung zu beauftragen. Als effektivste Methode der Entwesung gilt das Vernebeln mit Insektiziden. Da  jedoch die Eier oftmals in schlecht zugänglichen Ritzen oder hinter Verschalungen abgelegt wurden, lassen sie sich durch die Verneblung nicht immer sicher erreichen.

Auch sind die Insekten nicht in allen Entwicklungsstadien gleich auf die verfügbaren Insektizide empfindlich. Aus diesem Grunde sollte die Entwesung wöchentlich wiederholt werden. Zur Vorbeugung sollten zum Beispiel Luftschächte, die zu verwandten Nachbarwohnungen führen, mit Kontaktinsektiziden besprüht werden.

Auch Vogelnester in bzw. an Häusern sollten nach dem Auszug der Vögel entfernt werden. Wichtig ist auch das Versiegeln von Ritzen und ggf. das Anbringen feinmaschiger Fensternetze (Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer  Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).

© Medizinische Enzyklopädie 2010