10.09.2004 - Insulin aus der Spraydose

Insulin kommt nicht mehr aus der Spritze sondern aus der Spraydose oder als Pille

Mit der Zukunft der Insulin-Anwendung bei Typ-1- und Typ-2-Diabetikern befassten sich zahlreiche Studien, die auf dem Diabetologen-Kongress EASD 2004 in München vorgestellt wurden: Insulin kommt nicht mehr aus der Spritze sondern aus der Spraydose oder als Pille.

Viele Typ-2-Diabetiker scheuen bei unzureichender Blutzuckerkontrolle die Umstellung von oralen Antidiabetika auf subkutane Insulin-Injektionen. Orales oder inhalatives Insulin könnten eine willkommene Alternative für viele Diabetiker darstellen.

Stoffwechselforscher aus Neuss prüften in einer randomisierten Doppelblindpilotstudie im Parallelverfahren die Wirksamkeit und Verträglichkeit von oralem Insulin bei 13 diätkontrollierten Typ-2-Diabetilern (HbA1c 6,6 %, BMI 29). Die Teilnehmer nahmen zwei Wochen lang entweder täglich zwei Tabletten mit Insulin (300 IU) oder Plazebo ein.

Im Vergleich zu den Basiswerten verbesserten sich unter oralem Insulin die Blutzuckerkontrolle, die Insulinsensitivität und die postprandialen Insulinkonzentrationen. Auch im Vergleich zur Kontrollgruppe schnitt die orale Insulintherapie besser ab. Die Insulin-Tabletten erwiesen sich als gut verträglich und Hypoglykämieepisoden waren trotz strenger Blutzuckerkontrolle nicht zu beobachten.

Ein Mediziner aus Miami stellte die Ergebnisse einer offenen Langzeitstudie zur Wirksamkeit und Sicherheit von inhalativem Insulin vor. 159 Typ-1- und Typ-2-Diabetiker führten eine kontinuierliche Behandlung mit inhalativem Insulin durch, davon 89 Patienten mindestens vier Jahre lang. 23 Patienten wurden zwei Jahre lang mit oralen Antidiabetika oder Insulin subkutan behandelt. Nach vier Jahren war der HbA1c-Wert unter inhalativem Insulin von 8,71 % auf 8,23 % reduziert. Die Ergebnisse der 2-Jahre-Kontrollgruppe waren etwas besser, HbA1c 8.48 % zu Beginn bzw. 7,98 % am Ende des Beobachtungszeitraums. Darüber hinaus sank auch das Hypokglykämie-Risiko unter inhalativem Insulin.

Ob sich die Lebensqualität von Typ-2-Diabetikern durch Anwendung inhalativer Insuline verbessert, untersuchten Internisten aus den USA in einer multizentrischen internationalen Studie. 470 Patienten (Durchschnittsalter 56 Jahre) aus Europa,  Afrika, Asien und Südamerika mit unzureichender Blutzuckerkontrolle unter Metformin-Monotherapie wurden 24 Wochen randomisiert präprandial zusätzlich mit inhalativem Insulin bzw. Glibenclamid behandelt. Inhalatives Insulin wurde besser akzeptiert als Glibenclamid (Aussteigerquote 8 % bzw. 12 %), zudem wurden auch leichte Vorteile bei der Blutzuckkontrolle deutlich, die Lebensqualität verbesserte sich und im Vergleich zu Glibenclamid nahm die Anzahl von Tagen mit Bettruhe ab.

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass Typ-2-Diabetiker mit Metformin-Versagen und HbA1c >9,5 % unter inhalativem Insulin als Zusaththerapie von einer verbesserten Blutzuckerkontrolle und verbesserten Lebenqualität profitieren, bei vergleichbarer Akzeptanz mit der Behandlung wie unter Glibenclamid. Die frühzeitige Therapie mit inhalativem Insulin bei schlecht eingestelltem Diabetes könnte eine wirksame und akzeptable Alternative für viele Patienten sein. (Dr. Eberhard J. Wormer)

Quellen: Arbit E et al., Oral insulin as first-line therapy in type 2 diabetes: a randomized-controlled pilot study (Abs 8), Skyler JS, Long-term, sustained efficacy, and safety of inhaled insulin after 4 years of continuous therapy (Abs 863), Simonson DC et al., Improving quality of life in type 2 diabetes when Exubera ® is added after failure on metformin: a multicenter, international trial (Abs 865), European Association for the Study of Diabetes (EASD), 40th Annual Meeting, München, 5.9.–9.9.2004



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