20.07.2006 - Wetterbericht fürs Herz - Herzinfarkt wetterabhängig?
Schlechtes Wetter ist gut fürs Herz
Wetterlagen beeinflussen das Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden signifikant: Bei Kälte und Wetterumschwung steigt die Infarktgefahr, Regentage und schlechtes Wetter sind hingegen gut für das Herz - Hypertoniker sind besonders gefährdet.
Das Wetter hat einen stärkeren Einfluss auf die Herzgesundheit als bisher vermutet: Bei niedrigen Temperaturen, extremen Temperaturschwankungen und deutlichen Luftdruckveränderungen steigt die Herzinfarkthäufigkeit. Zwei, auf dem europäischen Kardiologenkongress (ESC) vorgestellte Studien belegen die genauen Zusammenhänge.
5.553 Patienten aus der Schweiz, die im Zeitraum 1999 bis 2002 einen akuten Herzinfarkt erlitten hatten, wurden in der Studie berücksichtigt. Die Patientendaten stammten aus dem Herzinfarktregister der Schweiz (AMIS). Wetteranalysen beruhten auf drei Klassifikationssystemen: Globalwetter-Klassifikation (Perret-System), Wetter-Parameter (Barometrie, Temperatur, Regen u. s.), Wettervorhersage (Brezowski-Schema).
Die Wetterlage beeinflusste die Häufigkeit der Klinikeinweisungen wegen Herzinfarkt signifikant. Hochdrucklagen im Westen oder Norden oder antizyklonale Situationen erhöhten das Infarktrisiko um 7% im Vergleich zu Tiefdrucklagen und zyklonalen Situationen. Wetterumschwünge (zonal flow) war allerdings mit einem deutlichen Anstieg des Infarktrisikos um 50% assoziiert, im Vergleich zu "schönen" Wetterlagen und Tiefdruckeinfluss.
Bei dem Wechsel von der Hoch- zur Tiefdrucklage verringerten sich die Infarktfälle in den zwei folgenden Tagen um 12%. Auch sinkende Temperaturen und Regen waren mit abnehmendem Infarktrisiko assoziiert, am geringsten war die Infarktgefahr während zwei bis drei Tagen mit heftigem Regen.
Französische Forscher hatten gleichfalls den Zusammenhang von Herzinfarktrisiko und Wetterlage untersucht. Die Patientendaten stammten aus einem regionalen Herzinfarktregister (RICO) und wurden mit Wetter-/Klimaparametern (Meteo-France) abgeglichen. Die Beziehung zwischen Herzinfarktereignissen pro Tag und Klimavariablen sollte bei Menschen mit und ohne erhöhtem Blutdruck analysiert werden.
Die Hälfte der 748 teilnehmenden Patienten litt an Bluthochdruck (Hypertonie). Herzinfarkte wurden am häufigsten bei niedrigen Temperaturen (-6.9 °C bis -4.0 °C) beobachtet, im Vergleich zu höheren Temperaturen (-3.9 °C bis 27 °C). Sinken die Temperaturen unter minus vier Grad Celsius, steigt demnach die Häufigkeit akuter Herzinfarkte deutlich an.
Am häufigsten betroffen sind Hypertoniker: Bei ihnen verdoppelt sich das Infarktrisiko bei solchen Kälteeinbrüchen. Um 62% steigt das Infarktrisiko bei Personen mit Bluthochdruck, wenn die Temperaturen von einem Tag auf den nächsten um mehr als fünf Grad nach oben oder unten schwanken.
Stieg oder sank das Barometer um mehr als acht Druck-Messeinheiten, beobachteten die französischen Wissenschafter Spitzen in der Infarkthäufigkeit, bei Hypertonikern und Nicht-Hypertonikern vergleichbar häufig. (Dr. Eberhard J. Wormer)
Quellen: Osterwalder R et al., Bad weather - an important protective factor for myocardial infarction in Switzerland. An analysis from 5.553 patients from the AMIS registry 1999–2002 (Abs 3114), Royer C et al., Hypertensive patients have increased sensitivity to meteorological parameters for myocardial infarction occurrence (Abs 1737), European Society of Cardiology (ESC), ESC Congress 2004, München, 28.8–1.9.2004
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