Infektionen mit humanen Papillomviren (HPV) werden aufgrund ihrer Übertragung durch sexuelle Kontakte zu den "sexually transmitted diseases" (STD) gerechnet. Aufgrund epidemiologischer Studien nimmt man an, dass heute etwa 20% aller Frauen im Alter von 20 bis 50 Jahren hiervon betroffen sind. HPV, von denen heute mehr als 150 verschiedene Genotypen bekannt sind, verursachen verschiedene Krankheitsbilder an unterschiedlichen Körperstellen. Von besonderer Bedeutung sind hierbei Infektionen des weiblichen Genitales.
Die 30 Genotypen, die im Genitalbereich bislang nachgewiesen wurden, unterscheiden sich in "Low-risk"- und "High-risk"-Typen. Deren Inkubationszeit kann 3 Wochen bis 8 Monate betragen. Die "Low-risk" Typen, hierbei insbesondere HPV-Typ 6, verursachen die benignen spitzen Kondylome (condylomata acuminata, Feigwarzen). Etwa 1% aller jungen, sexuell aktiven Frauen, leidet an Kondylomen. Das Ausmaß des Befalls mit Kondylomen kann zum Teil massiv sein und sich über den gesamten Genitoanalbereich ausdehnen. Kondylome äußern sich durch hautfarbene, meist multiple, weiche warzige Gebilde, die zunehmend wachsen und zu großen papillomatösen Knoten oder plattenartigen Gebilden werden können. Meist verursachen Kondylome keine somatischen Beschwerden. Allerdings sind Feigwarzen für die betroffene Frauen psychisch oftmals sehr belastend und können ein reduziertes Selbstwertgefühl zur Folge haben. In den meisten Fällen heilen Kondylome jedoch spontan ab.
30.10.2009 - HPV: Infektionen mit humanen Papillomviren
Humanes Papillomavirus: Lästiges Übel mit Entartungsrisiko
Wie bereits seit den 1970er Jahren bekannt ist, sind die „High-risk“-Typen mit dem Zervixkarzinom assoziiert. Die häufigsten HPV-Typen, die in 75% aller Zervixkarzinome gefunden werden, sind HPV Typ 16 und –18. Die "High-risk"-Typen verursachen zunächst dysplastische Veränderungen der Zervix, die in die Stadien CIN I bis III (zervikale intraepitheliale Neoplasie) eingeteilt werden. Es gilt heute als gesichert, dass die viralen Proteine E6 und E7 der HPV-Typ 16 und –18 als so genannte Tumorpromotoren wirken.
In etwa 10 bis 30% der HPV-16 und –18-infizierten Frauen kommt es zur Viruspersistenz. Bei einem Teil der chronisch Infizierten kommt es zur verstärkten Expression dieser beiden viralen Proteine, die auch als Onkogene bezeichnet werden. Dies führt zur unkontrollierten Zellteilung bei gleichzeitiger Akkumulation von DNA-Schäden.
Weitere Faktoren, wie zum Beispiel Rauchen, gelten wichtige Kofaktoren bei der Entstehung des Zervixkarzinoms. HPV-assoziierte Zervixveränderungen werden bei der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung durch eine zytologische Untersuchung entdeckt. Werden dysplastische Veränderungen gefunden, empfiehlt sich der diagnostische HPV-DNA-Nachweis mit der PCR, der eine Unterscheidung in "low-risk" und "high-risk" Typen erlaubt. Als neue Methode steht jetzt auch die Genotypisierung des verursachenden HPV-Typs zur Verfügung.
Im positiven Fall werden den Betroffenen engmaschige kolposkopische Kontrolluntersuchungen empfohlen. Für die Prävention der HPV-16 bzw. 18-Infektion steht zwei Impfstoffe zur Verfügung, ein tetravalenter mit den HPV-Typen 6,11, 16 und 18 sowie ein bivalenter mit HPV-16 und 18: Bisherige Daten wiesen darauf hin, dass der bivalente Impfstoff sich durch ein etwas breiteres kreuzprotektives Spektrum von der tetravalenten Vakzine unterscheidet.Mädchen sollten idealerweise schon vor Beginn der sexuellen Aktivität geimpft werden. Dies ist ein großer Schritt vorwärts in der Prävention eines virusassoziierten Karzinoms.
(Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg/ Schlußredaktion: Dr. Andreas Nitsche Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit).
© Medizinische Enzyklopädie 2010


