03.08.2004 - Funktionieren Schönheits-OP-Shows im Deutschen Fernsehen?

Schönheitsoperationen: Hippokratischer Eid kontra TV-Quote - Deutsche Ärzte fordern Berufsverbot für TV-Schönheitschirurgen

Der Düsseldorfer "VIP-Schönheitschirurg" Axel Neuroth wird nun doch nicht, wie geplant, im Big-Brother-Container von RTL2 vor laufender Kamera operieren. Er wäre der erste deutsche Arzt gewesen, der in einer Unterhaltungssendung live einen chirurgischen Eingriff an einem Gesunden vollzieht, den der Sender zuvor auswählte. Dies berichtet der "Tagesspiegel" in seiner morgigen Ausgabe.

Die geplanten Schönheitsoperationen im deutschen Fernsehen stoßen auf den Widerstand der Ärzteschaft. "Allen Ärzten, die an dem geplanten OP-Showbusiness teilnehmen, sollte meiner Meinung nach umgehend die Approbation entzogen werden", erklärte heute Albert K. Hofmann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC), dem "Tagesspiegel". Damit hätten sie nicht weniger als das Recht verloren, ihren Beruf auszuüben.

Fast schon wie ein Versprechen klingt Hofmanns Konsequenz in der Zeitung: "Als Präsident der DGÄPC würde ich gegen einen Kollegen, der an solch einer OP-Show teilnimmt, sofort einen Verbandsausschluss beantragen."

Die Doku-Soaps könnten in einem weiteren Punkt mit der Berufsordnung in Konflikt geraten, schreibt das Blatt weiter: Sie passen schlecht zum Ethos, das sich mit der ärztlichen Schweigepflicht verbindet: TV-Sender erfragen von den Bewerbern intime Angaben über Krankheitsverläufe und verlangen, dass sie ihre Ärzte den Redaktionen gegenüber von der Schweigepflicht entbinden. Auch dass Mediziner bereit seien, Menschen teilweise unabhängig von aller medizinischen Notwendigkeit mit großem operativen Aufwand in Star-und-Sternchen-Kopien umzuwandeln, habe mit ärztlicher Ethik nichts mehr zu tun", moniert Hofmann. "Würden sich alle Chirurgen an den Hippokratischen Eid halten, dann gäbe diese Shows gar nicht."

Ein Sprecher der Bundesärztekammer unterstrich gegenüber dem "Tagesspiegel", ein größeres Publikum bei ärztlichen Behandlungen sei in der Berufsordnung grundsätzlich nicht vorgesehen. Auch nicht am Fernsehbildschirm. Nur in Ausnahmefällen seien Angehörige bei der Behandlung erlaubt.

Das deutsche Fernsehen hat in diesem Herbst die Schönheitschirurgie als Quotenformat geplant. Pro7 kündigte Ende Mai 2004 den Sendebeginn einer Show im Reality-Format über Schönheits-Operationen an, in denen deutsche Ärzte vor laufender Kamera die Nasenkorrekturen, Fettabsaugungen oder die Brustvergrößerungen durchführen sollen.

Gemäß dem US-Vorbild "The Swan" sollen sich 17 Kandidaten verschiedenen Eingriffen unterziehen. Den Teilnehmern wird versprochen, ein so genanntes hässliches Entlein in schöne Schwäne zu verwandeln, innerhalb von 3 Monaten sollen sie zu Schönheiten ummodelliert werden. Während der Zeit dürfen sie nicht in den Spiegel sehen.

Bereits im vergangenen Jahr lösten in den USA Sendungen wie "The Swan", oder auch die ABC-Show  "Extreme Makeover" und MTV´s "I want a famous face" heftige Diskussionen und Kritik aus. Dennoch oder gerde deswegen boomen Plastische Chirurgie-Shows im amerikanischen Fernsehen: Mit 2,45 Mio. Zuschauern ist das TV-Format laut Wall Street Journal (April 2004) ziemlich erfolgreich. 

"Extreme Makeover" wurde noch in 2003 von der Amerikanischen Gesellschaft für Plastische Chirurgie (ASAPS) unterstützt. Das TV-Format sollte ursprünglich das Geschäft mit der Schönheit ankurbeln. Im Frühjahr 2004 distanzierte sich die US-Vereinigung von dem TV-Format mit der Begründung, es würden "unrealistische  Erwartungen erzeugt, denen die Ärzte nicht nachkommen dürften".

MTV's "I Want a Famous Face" geht über herkömmliche Look-A-Like-Shows hinaus: Bei "I want a famous face" werden Freiwillige gesucht, die aussehen wollen wie ein Promi. MTV zahlt die nötige OP, den Preis des vermeintlichen "Ruhms" zahlen die Patienten allerdings selbst, wie die Rubrik "Price of Fame" verdeutlicht. Im so genannten "Flipbook" kann man Vorher- Nachher-Bilder einsehen.

Ob die OP ein "Miss" (nicht gelungen, keine Ähnlichkeit) oder "Match" (gelungen, große Ähnlichkeit) war, dürfen die User online entscheiden. Die Ergebnisse der OP sind äußerst zweifelhaft. Das schien aber in den USA den Kandidaten wenig Kopfschmerzen zu verursachen - sie wollten alle "a famous face". In Deutschland ist die Show bei MTV Central derzeit nicht geplant.

© Medizinische Enzyklopädie 2010

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