10.11.2009 - Pertussis: Frauen mit Kinderwunsch impfen

Keuchhusten: Neue Empfehlungen der Ständigen Impfkommission

Pertussis: Risiko für das Neugeborene
Pertussis: Risiko für das Neugeborene

Die STIKO am Robert KochRobert Koch-Institut (STIKO) hat vor kurzem ihre Empfehlungen zur Pertussis-Auffrischimpfung überarbeitet. Hintergrund hierfür ist die aktuelle Häufung von Erkrankungsfällen an Pertussis (Keuchhusten) in Deutschland. Anstelle der im Impfkalendar für Kinder im Alter von 5 bis 6 Jahren vorgesehenen Auffrischimpfung Tetanus und Diphtherie (Td) wird jetzt eine Kombinationsimpfung gegen Tetanus, Diphtherie und Pertussis (TdaP) empfohlen. Weiterhin soll dann die nächste Booster-Impfung bei 9- bis 17-Jährigen mit einem Impfstoff gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Polio (TdaP-IPV) erfolgen.

Für die Auffrischimpfungen sollten Kombinationsimpfstoffe verwendet werden, um damit die Compliance des Impflings verbessern. Hierdurch lässt sich das vermehrte Auftreten von unerwünschten Lokalreaktionen (Rötung, Schwellung, Druckschmerzhaftigkeit) minimieren. Wichtig ist hierbei, dass eine Impfung möglichst nicht früher als 5 Jahre nach der zuletzt verabreichten Tetanus bzw. Tetanus/ Diphtherie-Dosis erfolgen sollte. Auch bei vollständig geimpften Kindern und Jugendlichen, die engen Kontakt zu Erkrankten im Haushalt oder Gemeinschaftseinrichtungen haben, kann eine Auffrischimpfung erwogen werden, wenn die letzte Impfung länger als 5 Jahre zurückliegt.

Bei Frauen mit Kinderwunsch wird die Pertussis-Impfung bereits seit mehreren Jahren empfohlen. Zusätzlich wird jetzt eine Überprüfung des Immunschutzes gegen Pertussis bei Haushaltskontaktpersonen von Säuglingen (zum Beispiel Ehemann, Geschwister, Großeltern) sowie Betreuer von Neugeborenen empfohlen.

Keuchhusten wird durch das gramnegative Stäbchenbakterium, Bordetella pertussis, verursacht. Für die pathogene Wirkung sind eine Reihe von Toxinen und Virulenzfaktoren verantwortlich, wie Pertussistoxin, filamentöses Hämagglutinin, Trachea-Zytotoxin, Pertactin, hitzelabiles Toxin und Adenylatzyklase-Toxin. Die Vermehrung des Keimes erfolgt auf den zilientragenden Epithelien des Respirationstraktes. Einziges Reservoir von Bordetella pertussis ist der Mensch.

Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Pertussis ist sehr ansteckend und der Kontagionsindex beträgt an die 100% bei wiederholtem Kontakt, z. B. im Haushalt. Die Inkubationszeit beträgt 7 bis 14 Tage. Die Erkrankung wird in drei Stadien eingeteilt. Die Erkrankung beginnt mit einer grippalen Symptomatik, dem Stadium catarrhale (Dauer: 1 bis 2 Wochen), gefolgt vom charakteristischen Krankheitsbild, dem Stadium convulsivum (Dauer: 4 bis 6 Wochen). Dieses Stadium ist durch die anfallsweise auftretenden Hustenattacken (Stakkatohusten) gekennzeichnet, das für die Patienten höchst belastend sein kann. Die Hustenanfälle klingen allmählich im Stadium decrementi ab. 

Pertussis: Risiko für das Neugeborene

Unter einem ädaquaten Immunschutz gegen Pertussis wird eine vollständige Grundimmunisierung, einschließlich durchgeführter Auffrischimpfungen oder eine mikrobiologisch bestätigte Pertussis-Infektion
in den letzten 10 Jahren verstanden. Bei Impflücken bzw. bei fehlenden Pertussis-Impfungen wird ein Booster mit einem Kombinationsimpfstoff (Tetanus/ Diphtherie/ Pertussis) empfohlen. Frühere Empfehlungen zur Auffrischimpfung von Jugendlichen oder Erwachsenen mit einem monovalenten Pertussis-Impfstoff mussten abgeändert werden, da dieser Impfstoff nicht mehr zur Verfügung steht.

Seit einigen Jahren zeigen epidemiologische Untersuchungen in Industrieländern mit hohem Durchimpfungsgrad bei Kleinkindern einen Anstieg von Erkrankungen an Pertussis bei älteren Kindern, Jugendlichen sowie Erwachsenen. Erklärt wird dies durch eine langsame, zeitabhängige Abnahme der Immunität nach erfolgter Grundimmunisierung. Dies ist auch der Grund für diese jetzt früher vorgesehene Auffrischimpfung gegen Pertussis.

Keuchhusten wird durch das gramnegative Stäbchenbakterium, Bordetella pertussis, verursacht. Für die pathogene Wirkung sind eine Reihe von Toxinen und Virulenzfaktoren verantwortlich, wie Pertussistoxin, filamentöses Hämagglutinin, Trachea-Zytotoxin, Pertactin, hitzelabiles Toxin und Adenylatzyklase-Toxin. Die Vermehrung des Keimes erfolgt auf den zilientragenden Epithelien des Respirationstraktes. Einziges Reservoir von Bordetella pertussis ist der Mensch.

Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Pertussis ist sehr ansteckend und der Kontagionsindex beträgt an die 100% bei wiederholtem Kontakt, z. B. im Haushalt. Die Inkubationszeit beträgt 7 bis 14 Tage. Die Erkrankung wird in drei Stadien eingeteilt. Sie beginnt mit einer grippalen Symptomatik, dem Stadium catarrhale (Dauer: 1 bis 2 Wochen), gefolgt vom charakteristischen Krankheitsbild, dem Stadium convulsivum (Dauer: 4 bis 6 Wochen). Dieses Stadium ist durch die anfallsweise auftretenden Hustenattacken (Stakkatohusten) gekennzeichnet, das für die Patienten höchst belastend sein kann. Die Hustenanfälle klingen allmählich im Stadium decrementi ab. Ein durchgemachter Keuchhusten hinterlässt eine langandauernde, aber entgegen früherer Lehrmeinung, keine lebenslange Immunität. Ältere Menschen, die als Kind an Pertussis erkrankt waren, können daher durchaus als Keimreservoir bzw. als Überträger fungieren.

Die meisten Infektionen treten zwar regelmäßig im Herbst und Winter auf, jedoch zirkulieren die Erreger ganzjährig. Bei jüngeren Erwachsenen zeigt sich eine unterschiedliche Immunitätsläge zwischen Personen, die in der  BRD oder der ehemaligen DDR aufgewachsen sind. Vor der Wiedereinführung der generellen Empfehlung für die Pertussis-Impfung im Jahr 1991 betrug die Inzidenz in den alten Bundesländern etwa 100-180pro 100.000proJahr. In der ehemaligen DDR hingegen, wo ein generelles Impfpropramm bestand, betrug die Inzidenz nur 0,1pro 100.000pro Jahr.

Für Jugendliche und Erwachsene stehen mehrere Vakzinen für die Pertussis-Impfung zur Verfügung. Der Arzt kann je nach Notwendigkeit zwischen Kombinationsimpfstoffen, die entweder Tetanus  Diphtherie/ Pertussis (Boostrix ® ) oder Tetanus/ Diphtherie/ Poliomyelitis/ Pertussis (Repevax ® , Boostrix-IPV® ) wählen. Die Verträglichkeit dieser Impfstoffe ist sehr gut und die hierdurch induzierte Seroprotektionsrate hoch. Als Dauer der Impfschutzes geht man derzeit von etwa 10 Jahren aus. Eine Antikörpertestung vor oder nach der Impfung wird hingegen nicht empfohlen.


(Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg/ Schlußredaktion: Dr. Andreas Nitsche Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit).

© Medizinische Enzyklopädie 2010