18.06.2006 - Sommerfrische: Vorsicht Bienengiftallergie!

Die akute allergische Reaktion mit Kreislaufkollaps nach dem Stich einer Biene ist gefürchtet und kann lebensbedrohlich sein

Bei bekannter Bienengiftallergie sollte vor allem während der warmen Jahreszeit die Notfallmedikation immer verfügbar sein
Bei bekannter Bienengiftallergie sollte vor allem während der warmen Jahreszeit die Notfallmedikation immer verfügbar sein

Die akute allergische Reaktion mit Kreislaufkollaps nach dem Stich einer Biene ist gefürchtet und kann lebensbedrohlich sein. Nach wie vor ist eine Insektengiftallergie die häufigste Ursache für Notfallaufnahmen mit Diagnose Anaphylaxie.

Die Diagnose einer Anaphylaxie wird meist in einer Klinik gestellt und ist in der Regel unproblematisch. Erstaunlicherweise liegen epidemiologische Daten zur Anaphylaxie nur begrenzt vor, insbesondere zum hochgefährlichen und lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock.

Allergologen der Universität Bern untersuchten die Neuerkrankungsrate (Inzidenz) und die Ursachen schwerer anaphylaktischer Reaktionen mit Kreislaufsymptomen im Kanton Bern. Dort leben etwa 940.000 Menschen, ungefähr ein Siebtel der Schweizer Bevölkerung.

Insektengift-Allergie

Während eines Zeitraums von 3 Jahren (1996 bis 1998) wurden alle medizinischen Patientendaten (7.739 Dokumente) zweier Allergiekliniken des Kantons Bern geprüft. Zusätzlich befragte man alle 7, für Allergologie und klinische Immunologie zertifizierten Fachärzte des Kantons sowie alle 17 regionalen Kliniken mit Notfallambulanz zu Anaphylaxie-Fällen, die nicht in den Allergie-Kliniken behandelt worden waren.

Bienengift- Allergie - Insektengiftallergie

Insgesamt 226 Kantonbewohner, davon 106 weiblich, im Altersdurchschnitt von 38 bis 41 Jahren waren von einer generalisierten lebensbedrohlichen Anaphylaxie mit Kreislaufsymptomen betroffen. Die Gesamtzahl schwerer systemischer Reaktionen bei diesen Patienten betrug 246. Drei Betroffene überlebten die Anaphylaxie nicht.

Pro Jahr und pro 100.000 Einwohner muss mit 7,9 bis 9,6 Fällen schwerer lebensbedrohlicher Anaphylaxie gerechnet werden (Inzidenz). Die häufigste Ursache schwerer akuter allergischer Reaktionen (58,8% der Fälle) waren Stiche von Insekten der Gattung Hymenoptera (Bienen, Wespen u. a.). In 18,1% der Fälle verursachten Arzneimittel und in 10,1% Nahrungsmittel anaphylaktische Ereignisse. In 5,3% der Anaphylaxie-Fälle blieb die Ursache ungeklärt.

Notfall-Ambulanz

Die Ergebnisse dieser Studie weisen darauf hin, dass Insektengifte nach wie vor die häufigste Ursache allergischer Akutreaktionen sind und knapp zwei Drittel aller lebensbedrohlichen Anaphylaxien hervorrufen.

In der Schweiz sind von 100.000 Einwohnern jährlich etwa acht bis zehn Einwohner von einem solchen gefährlichen Ereignis betroffen. Bei bekannter Bienengiftallergie sollte vor allem während der warmen Jahreszeit die Notfallmedikation immer verfügbar sein. (Dr. Eberhard J. Wormer)

Quelle: Helbling A et al., Incidence of anaphylaxis with circulatory symptoms: a study over a 3-year period comprising 940,000 inhabitants of the Swiss Canton Bern, Clin Exp Allergy 34 (2004) 285–290

© Medizinische Enzyklopädie 2010