19.04.2006 - Mikrobiologisch-serologische Diagnostik wichtiger

Krankheitserscheinungen in der hausärztlichen Praxis

Mikrobiologisch-serologische Diagnostik im Labor
Durch einen guten Kontakt mit dem betreuenden Labor sollte es möglich sein, fragliche Ergebnisse unter Berücksichtigung der Aussagekraft eines Tests kritisch zu diskutieren

Zu den wichtigsten und häufigsten Symptomen, die in der hausärztlichen Praxis auf eine Infektion hinweisen, gehören Fieber, Husten, Exantheme und Durchfall. Da aufgrund des eingeschränkten finanziellen Budgets nur wenig mikrobiologische bzw. serologische Diagnostik durchgeführt werden kann, sollte diese stets gezielt veranlasst und zu einer hohen Trefferquote führen.

Gerade bei bakteriologischen Untersuchungen gilt es präanalytische Fehler, wie zum Beispiel unsinnige Indikation, falsche Materialentnahme, sekundäre Verunreinigung, falsche Lagerung, zu lange Transportwege, Überwucherung durch Standortflora usw. zu vermeiden.

Wichtig ist zudem die Erteilung eines Zielauftrages, um eine unnötige Ausweitung der Diagnostik von Seiten des Labors zu vermeiden. Die mikrobiologische Diagnostik sollte bei relevanten Krankheitsbildern eingesetzt werden und hat hierfür ihren festen Stellenwert.

Labormedizin: Mikrobiologisch-serologische Diagnostik

Allerdings sollten "unsinnige" Indikationen, wie insbesondere intestinale Dybiose bzw. mikrointestinale Ökogramme nicht zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gehen.

Auch die Differenzierung von Hefepilzen aus Stuhlproben hat unter evidenz-basierten Gesichtpunkten keine Bedeutung. Neben den kulturellen Verfahren, die als Goldstandard gelten, werden heute auch zunehmend immunologische Schnelltests (Latex) zum Antigennachweis (Meningokokken, Hämophilus, Pneumokokken, Legionellen, Adenoviren, Rotaviren, Influenza) angeboten, die jedoch keine 100%ige Trefferquote aufweisen.

Mikrobiologisch-serologische Diagnostik im Labor

Molekularbiologische Methoden (Nukleinsäure-Amplifikationstest) zum Nachweis nahezu aller heute bekannter bakterieller, viraler und parasitärer Erreger stehen zwar inzwischen zur Verfügung, können aber meist wegen Beschränkungen der Gebührenordnung durch den Hausarzt nicht zu Lasten der GKV veranlasst werden. 

Für die serologischen Antikörpernachweise gilt grundsätzlich, dass die Aussagekraft einer Nachweismethode von der Spezifität und Sensitivität des Verfahrens abhängig ist. Daher gibt es große Qualitätsunterschiede bei der Vielzahl der heute angebotenen serologischen Tests, die in den allermeisten Fällen nicht der behördlichen Zulassungspflicht durch das Paul-Ehrlich-Institut unterliegen. Der Arzt stützt sich bei der Diagnose in den meisten Fällen auf die mitgeteilten Laborergebnisse, sofern die klinischen Symptome nicht eindeutig waren. Nicht zuletzt aus abrechnungstechnischen Gründen werden heute immer noch Laborparameter angeboten, die keine medizinische Aussage ermöglichen (zum Beispiel Poliovirus-KBR zur Bestimmung des Poliovirus-Immunstatus).

Krankenhaus- Labor

Von entscheidender Bedeutung ist insbesondere die Wahl der richtigen Testmethode, um valide Aussagen überhaupt erst zu ermöglichen. So müssen die Komplement-Bindungsreaktion (KBR), Widal und Agglutinationsverfahren als wenig relevante Testmethoden angesehen werden. Bessere und sichere Aussagen erlauben die Enzymimmunoassays, Immunfluoreszenztests, Neutralisationstests sowie Immunoblots.

Durch einen guten Kontakt mit dem betreuenden Labor sollte es möglich sein, fragliche Ergebnisse unter Berücksichtigung der Aussagekraft eines Tests kritisch zu diskutieren. Kostentreibend sind zudem auch die häufig vom Labor geforderten oder empfohlenen Wiederholungen von Untersuchungen bei unklaren Befunden (zum Beispiel bei der Borrelien-Serologie), deren Indikation in vielen Fällen zu hinterfragen ist (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).
 
© Medizinische Enzyklopädie 2010