05.12.2006 - Meningitis: Generelle Meningokokken-Impfung aller Kinder in Deutschland

Meningokokken-Erkrankungen stellen ein weltweit bedeutsames Gesundheitsproblem dar

meningokokken Erreger (Abbildung: Baxter)
Meningokokken Erreger

Meningokokken-Erkrankungen stellen ein weltweit bedeutsames Gesundheitsproblem dar. Regelmäßig kommt es zu schweren Epidemien, insbesondere im Meningitisgürtel Afrikas, und selbst moderne Therapien in Industrieländern können bis zu 10% letale Ausgänge sowie schwere Folgen nicht verhindern. Meningokokken-Erkrankungen werden durch die gramnegativen, semmelförmigen Bakterien, den Neisseria meningitidis, verursacht. Aufgrund der Struktur der Kapselpolysaccharide lassen sich 13 verschiedene Serogruppen unterscheiden.

Die Mehrzahl der Infektionen wird durch die Serogruppen A, B und C sowie in geringerem Umfang durch W135 und Y verursacht. Als Infektionquelle gilt der Mensch. Übertragen werden Meningokokken durch Aerosole oder Kontakt mit respiratorischen Sekreten. Die Kolonisation des Erregers erfolgt auf den Schleimhäuten des Nasen-Rachen-Raums, wobei die Träger meist asymptomatisch sind. Die Trägerrate beträgt ca. 15 bis 25% bei Jugendlichen und 2 bis 15 % bei Stadtbewohnern.

Jährlich werden in Deutschland zwischen 700 bis 800 Erkrankungsfälle gemeldet. Die Infektionen werden überwiegend durch die Serogruppe B und C verursacht. In den letzten Jahren wurde eine leichte prozentuale Verschiebung der Serogruppen hin zu Serogruppe C beobachtet. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts beträgt der aktuelle Anteil der Serogruppe B ca. 68%, Serogruppe C ca. 22%, Serogruppe W135 ca. 3% und Serogruppe Y ca. 4%.

Wird die Schleimhautbarriere durchbrochen und breitet sich der Erreger hämatogen aus, resultieren in Abhängigkeit vom befallenen Organsystem vielfältige klinische Bilder. Bei den invasiven Meningokokken-Erkrankungen kann es zur transienten Bakteriämie bis zu einem perakuten, innerhalb von wenigen Stunden tödlich verlaufenden Bild kommen.

Von besonderer klinischer Bedeutung sind dabei die Meningokokken-Meningitis und Meningokokken-Sepsis. Etwa 5 bis 10% der invasiven Meningokokken-Erkrankungen verlaufen als Waterhouse-Friderichsen-Syndrom, welches durch eine fulminate Sepsis mit massiver Purpura gekennzeichnet ist. Im Gegensatz zur Meningokokken-Sepsis verläuft die Meningitis meist weniger dramatisch und ist therapeutisch durch rechtzeitige Verabreichung von Antibiotika (Penicillin G) besser beeinflussbar. 

Zur Prävention der Meningokokken-Erkrankung stehen heute Impfstoffe, mit Ausnahme der Serogruppe B, in Deutschland zur Verfügung. Im Freistaat Sachsen besteht bereits seit dem Jahr 2003 eine generelle Impfempfehlung gegen Meningokokken der Serogruppe C mit Konjugatimpfstoff für Kinder ab dem 3. Lebensmonat bis zum 18. Lebensjahr.

Mit der letzten Aktualisierung der Impfempfehlungen durch die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) im Juli 2006 wurden auch die Empfehlungen hinsichtlich der Meningokokken-Impfung geändert, sie gilt nun als generelle Standard-Impfung für alle Kleinkinder bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr.

Die Meningokokken-Impfung sollte entsprechend den Empfehlungen ab dem vollendeten 12. Lebensmonat bis zum vollendeten 24. Lebensmonat durchgeführt werden. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Bislang war die Meningokokken-Impfung nur im Rahmen folgender Vorerkrankungen empfohlen worden, bei denen sie allerdings weiterhin als Indikationsimpfung durchgeführt werden sollte: bei Personen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten mit T- und/oder B-zellulärer Restfunktion, insbesondere bei Komplement-/Properdindefekte, bei Hypogammaglobulinämie sowie Asplenie. Ferner wird sie als Reiseimpfung in endemische Gebiete empfohlen.

Für bisher ungeimpfte Schüler und Studenten mit geplantem Langzeitaufenthalt in Ländern mit empfohlener Impfung, wie zum Beispiel dem Vereinigten Königreich, wird die Impfung ebenfalls empfohlen. Oftmals verlangen sogar die Schulen bzw. Universitäten für die Einschreibung von Gastschülern einen Impfnachweis. Bei Pilgerreisen nach Saudiarabien besteht in der Regel eine Impfpflicht gegen Meningokokken. Bei Ausbrüchen oder regionalen Erkrankungshäufungen kann die Impfung von den Gesundheitsbehörden empfohlen werden. Für die Impfung gegen Meningokokken stehen zwei Impfstofftypen zur Verfügung: Meningokokken-Gruppe-C-Konjugatimpfstoffe (Meningitec®, Menjugate®, NeisVac-C® ), die bereits ab dem Säuglings- bis ins Erwachsenenalter verabreicht werden können und ein tetravalenter Polysaccharidimpfstoff (Mencevax®), der die Serogruppen A, C, W135 und Y enthält und für Personen ab dem vollendeten 2. Lebensjahr empfohlen ist. (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).

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