08.11.2009 - Chlamydien-Urethritis: Lustseuche mit Komplikationen
Ping-Pong-Infektionen durch Mitbehandlung des Sexualpartners vermeiden
Chlamydia trachomatis, ein zu den Bakterien gehörender Erreger, verursacht die nicht-gonorrhoische Urethritis (NGU), die als die häufigste sexuell übertragene Infektion gilt. Die Zahl der NGU-Fälle hat in den letzten Jahren wieder weltweit zugenommen. Wie auch bei anderen venerischen Infektionen, insbesondere der Syphilis, wird auch bei der NGU in Deutschland ein steigender Trend beobachtet. Dabei kommen auch Koinfektionen mit anderen Geschlechtskrankheiten vor.
Vor allem muss eine Gonorrhoe als Koinfektion ausgeschlossen werden. Beim Mann ist die Urethritis die häufigste klinische Manifestation, die im Gegensatz zu Frauen, meist symptomatisch verläuft. Die Inkubationszeit beträgt 10 bis 14 Tage.
Leitsymptome sind die Dysurie und der Fluor urethralis, der sich durch ein wässriges und schleimiges Sekret darstellt. Bei aszendierenden Infektionen kommt es zur Epididymitis und einer Epididymo-Orchitis mit Ausstrahlung der Beschwerden in die Leistengegend. Ob Chlamydien auch eine Prostatitis verursachen können, ist umstritten. Bei Homosexuellen finden sich neben der Urethritis oftmals auch eine Proktitis. Unbehandelt kann es nach Jahren zur sekundären Infertilität mit Azoo- oder Oligospermie kommen.
Bei Frauen stellen Chlamydien ein wesentlich größeres Gesundheitsproblem dar als bei Männern. Während sich die Bakterien in der Zervix nur einige Monate halten können, persistieren sie in den Tuben über viele Jahre. Dies führt zu einer chronischen Infektion der Eileiter, was in der Folge zu Strikturen, Funktionsverlust und letztendlich zum Verschluss führt. Hieraus kann sich dann eine Pyo- oder Hydrosalpinx entwickeln.
Nicht selten kommt es in der Folge wegen der ungünstigen anatomischen Verhältnisse zu einer Eileiterschwangerschaft. Eine abgelaufene Chlamydiensalpingitis gilt als die häufigste Ursache einer Tubensterilität. Die Salpingitis kann in vielen Fällen subakut ablaufen, weswegen sie unerkannt bleibt. Nicht selten wird in diesen Fällen eine Appendektomie als Folge einer Fehldiagnose durchgeführt. Chlamydien-bedingter Tubenverschluss ist ein häufiger Grund für die Durchführung einer in-vitro-Fertilisation bei Kinderwunsch.
Weitere Komplikationen sind die Perihepatitis und eine Peritonitis. Wird bei unsachgemäßer Hygiene urethrales Sekret in die Augen verschmiert, resultiert eine Chlamydien-Konjunktivitis. Nicht selten wird erst durch die eitrige Konjunktivitis die Diagnose einer NGU gestellt. Bei der Geburt kommt es in einem hohen Prozentsatz zur Übertragung der Chlamydien auf das Neugeborene. Folgen sind die kindliche Einschlusskörper-Konjunktivitis und eine Pneumonie. Im Anschluss an eine genitale Chlamydien- Infektion kann eine reaktive Arthritis auftreten, deren Immunmechanismus noch unklar ist. Typisch ist dabei eine Synovitis.
Die Diagnose einer Chlamydieninfektion wird heute meist durch den Nachweis von bakterieller DNA mittels PCR verifiziert. Antikörpernachweise sind in der Regel nur wenig hilfreich. Die Therapie erfolgt mit Doxyzyklin, Makroliden (Azithromycin, Roxithromycin, Erythromycin) oder Chinolonen (Levofloxacin, Ciprofloxacin). Die Therapiedauer beträgt 7 Tage.
Zur Vermeidung von "Ping-Pong"-Infektionen ist eine Mitbehandlung der oder des Sexualpartners, auch wenn dieser oder diese asymptomatisch sind, unbedingt notwendig. Nach durchgemachter Infektion besteht keine Immunität gegen Chlamydien. Reinfektionen sind daher jederzeit möglich. Ein Impfstoff gegen Chlamydien steht nicht zur Verfügung.
(Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg/ Schlußredaktion: Dr. Andreas Nitsche Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit).
© Medizinische Enzyklopädie 2010