19.05.2007 - Thema Salmonellen-Vergiftung

Salmonellen: Meist Speiseeis und Hühnchen als Infektionsquelle

geafrh durch Salmonellen
Folgende Speisen müssen nach dem Einkauf im Kühlschrank aufbewahrt werden: Rohe Fleisch- und Wurstwaren (insbesondere Mettwurst, Tartar, Hackfleisch), Schlachtgeflügel, Muscheln, Eier und deren Produkte, Mayonnaise mit Ei, Salate mit Eiprodukten erhöhen das Risiko einer Salmonellenvergiftung

In den Sommermonaten werden bei Durchfallserkrankungen wie jedes Jahr vermehrt Salmonellen isoliert. Als Infektionsquelle finden sich dabei oftmals Grill-"Feten", Vereinsfeiern, Straßenfeste oder ähnliche Freizeitaktivitäten. Auch das im Sommer so beliebte Speiseeis gilt als mögliche Infektionsquelle für Salmonellosen.  

Alle humanpathogenen Salmonellen gehören zur Spezies Salmonella (S.) enterica, die in 6 Subspezies und über 2.400 Serovaren vorkommen. Salmonellen sind gramnegative, bewegliche Stäbchenbakterien, die aufgrund ihrer Körper- und Geißelantigene nach dem Kauffmann-White-Schema geordnet werden. Von der Vielzahl der verschiedenen Salmonellen haben nur etwa 10 bis 20 Serovare größere Bedeutung.

In Deutschland werden die meisten Salmonellosen durch die Serovare S. enteritidis und S. typhimurium verursacht. Die Pathogenität der Salmonellen erklärt sich durch ein breites Spektrum von virulenzassoziierten Proteinen, die zellbiologische Störungen, Modifikationen und Blockaden verursachen kann, was sich mit cholera-ähnlichen Durchfällen mit Wasser- und Elektrolytverlust sowie entzündlichen Prozessen äußert.

Salmonellen - Salmonellenvergiftung (Infografik: mediXtra)

Ferner können Salmonellen auch im retikuloendothelialen System persistieren und in Gewebe oder verschiedene Organe eindringen, was typhus-artige Krankheitsbilder verursachen kann.

Reservoir von Salmonellen sind meist landwirtschaftliche genutzte Tiere. Die Übertragung von Salmonellen erfolgt in der Regel lebensmittel-assoziiert. Um beim immunkompetenten Menschen eine Infektion auszulösen, bedarf es in der Regel einer Dosis von 10.000 bis 1 Mio. Keimen. Bei immunsuppremierten oder –defizienten Patienten reicht jedoch bereits eine geringere Infektionsdosis aus.

Sommerzeit ist Salmonellenzeit

In die Schlagzeilen gelangen wiederholt Ausbrüche, wie zum Beispiel die Oranienburg-Epidemie im Jahr 2001, die durch eine kontaminierte Schokoladencharge verursacht wurde. Gegenwärtig werden in Deutschland (2003) ca. 70.000 Fälle von Salmonellosen gemeldet, was gegenüber etwa 200.000 Fällen Mitte der 1990er Jahre einem deutlichen Rückgang entspricht, und nicht zuletzt Folge der Ei-Verordnung sowie gezielten Bekämpfungsstrategien ist.

Sommerzeit ist Salmonellenzeit

Die durch Salmonellen verursachte Enteritis beginnt in der Regel abhängig von der Infektionsdosis nach 1 bis 5 Tagen nach Aufnahme des kontaminierten Lebensmittel. Bei 90% der Patienten kommt es dann plötzlich zu zahlreichen wässrigen Stühlen und Bauchschmerzen.

Meist bestehen auch Fieber, Kopfschmerzen und Erbrechen. Die Dauer der Beschwerden beträgt meist nur wenige Stunden oder Tage. Schwerere Verläufe gehen mit einem typhoiden Krankheitsbild einher. Besonders gefährdet sind ältere Menschen mit diversen Grunderkrankungen sowie immungeschwächte Patienten.

Sommerzeit ist Salmonellenzeit

Auf eine antibakterielle Behandlung mit Antibiotika wird meist verzichtet, da dies die Ausscheidung der Bakterien verlängert. Die Behandlung erfolgt daher symptomatisch und supportiv, wobei hier insbesondere die Korrektur des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts im Vordergrund steht. Eine Chemotherapie ist nur bei typhösem Verlauf oder bei Patienten mit Immunschwäche angezeigt. Hierfür stehen Cotrimoxazol und Fluorochinolone zur Verfügung.

Nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) §7 ist der Nachweis von Salmonellen unverzüglich (innerhalb von 24 Stunden) durch das Labor, welches den Nachweis erbracht hat, dem zuständigen Gesundheitsamt zu melden. Laut IfSG §6 ist der Verdacht auf oder die Erkrankung an akuter infektiöser Gastroenteritis meldepflichtig, wenn eine Person betroffen ist, die im Lebensmittelbereich tätig ist oder zwei oder mehr gleichartige Erkrankungen auftreten, bei denen ein epidemiologischer Zusammenhang vermutet wird (Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Labormedizin, Medizinische  Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).

© Medizinische Enzyklopädie 2010

Chronik spektakulärer Lebensmittel-Vergiftungen in Deutschland

Juni 2000: Immer wieder erkranken Menschen in Deutschland an Lebensmittel-Vergiftungen. 13 Kinder müssen nach einem Besuch eines Volksfestes in Proßmarke (Landkreis Elbe-Elster) mit einer schweren Salmonelleninfektion in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Labortestes weisen eine hochgradige Verseuchung mit Salmonellen in einem Kuchen nach.

Mai 2000: In Halle müssen 120 Patienten, darunter viele Kinder, wegen starker Magenbeschwerden in verschiedenen Krankenhäusern behandelt werden. Sie hatten Nudeln mit Wurstgulasch einer Halleschen Catering-Firma gegessen.

März 2000: In 4 Berliner Seniorenheimen sterben 14 Menschen, nachdem sie mit Salmonellen verseuchte "Eclairs" (so genannter Liebesknochen) als Dessert gegessen haben. 222 Senioren erkranken an einer Lebensmittelvergiftung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen eine Berliner Bäckerei wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung.
 
Juni 1998: In einem Münchner Altenheim stirbt eine 84 Jahre alte Frau vermutlich an den Folgen einer Lebensmittelvergiftung. 22 weitere Senioren leiden unter Brechdurchfall sowie unter Herz- und Kreislaufbeschwerden. Die Polizei vermutet auch hier eine Lebensmittelvergiftung als Ursache.

Juni 1998: Rund 30 Menschen erkranken in Göttingen nach dem Verzehr von verdorbenem Rohmilch-Käse an einer Lebensmittelvergiftung. Die Betroffenen hatten den Käse auf einem Flohmarkt in der Innenstadt als Sonderangebot gekauft. Eine Firma aus Thüringen hatte ihn als biologisch-organisches Produkt ausgegeben und zu einem Viertel seines regulären Preises angeboten.   

Januar 1998: Verseuchtes Schulessen löst eine Salmonellenepidemie unter Kindern im brandenburgischen Storkow aus. An insgesamt 3 Grundschulen und 4 Kindergärten erkranken 346 Jungen und Mädchen sowie 4 Erzieher an Durchfall und Fieber. Alle betroffenen Einrichtungen wurden von derselben Großküche mit Essen beliefert. Auslöser der Salmonellen-Epidemie ist vermutlich ein Grießbrei mit Früchten.

September 1997: Bei einem kirchlichen Kongress des "Marburger Kreises" in Veitshöchheim (Landkreis Würzburg) ziehen sich etwa 50 Teilnehmer eine Lebensmittelvergiftung zu. 17 Menschen werden mit schweren Magen- und Darmkrämpfen in unterfränkische Krankenhäuser gebracht. Ursache der Vergiftung ist vermutlich ein Reisgericht.

Juni 1997: In 8 Kindertagesstätten der Stadt Tübingen erkranken 50 Menschen an einer Salmonellenvergiftung. 33 Kinder und 18 Erzieherinnen müssen kurzzeitig in einer Klinik und zu Hause behandelt werden. Die Tagesstätten beziehen ihr Essen aus der Küche des Bürgerheims, die eine Kantine für städtisches Personal und Kindergärten beliefert.

Juni 1997: In einer Bamberger Tageseinrichtung für geistig Behinderte erkranken etwa 90 Menschen an einer Salmonellenvergiftung. Die Ansteckung wurde durch hygienisch nicht einwandfreie Lebensmittel hervor gerufen. Das Gesundheitsamt erhebt keine Vorwürfe gegen die Einrichtung.

August 1996:
Bei einem Markt in Jetzendorf (Landkreis Pfaffenhofen) infizieren sich rund 60 Besucher mit Salmonellen. Die Patienten leiden teilweise unter starkem Durchfall und werden in einem Krankenhaus behandelt.

Juni 1994:
Nach einer Hochzeitsfeier im württembergischen Dischingen (Kreis Heidenheim) müssen 17 von 170 Gästen wegen des Verdachts auf akute Lebensmittelvergiftung ins Krankenhaus. Weiteren 10 Gästen wird nach dem Hochzeitsschmaus ebenfalls schlecht.

Mai 2007: Salmonellen-Epidemie in Fuldaer Klinikum - 8 Tote bisher

Eine ungewöhnlicheSalmonellen-Epidemie geht um am Klinikum Fulda. Am 18.Mai 2007 betraf die Gesamtzahl der Salmonellen-Fälle am Klinikum 219 Menschen, davon 136 Patienten und 83 Mitarbeiter. Außerdem hatten sich rund zwei Dutzend Patienten und Mitarbeiter beim ersten Ausbruch der Krankheit Ende April im benachbarten Seniorenheim Heilig Geist angesteckt. Woher die Salmonellen kamen, ist nach wie vor nicht klar. Acht Menschen sind seit Ausbruch der Infektion an beiden Einrichtungen gestorben.