Q-Fieber steht auch der Liste möglicher Krankheiten mit bioterroristischen Potential, wie auch Pocken oder Milzbrand. Als Infektionsträger kommen wahrscheinlich Schafe und Ziegen in Frage. Nun meldete gestern das Health State Department von Colorado 13 humane Erkrankungsfälle, einschließlich 6 Fälle in Weld County.
Das durch Coxiella burnetti verursachte Q-Fieber ist eine weltweit vorkommende Zoonose. In Deutschland tritt Q-Fieber am häufigsten in Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordhein-Westfalen, Thüringen und Bayern auf.
Allerdings muss aufgrund des bundesweiten Tiertransportes davon ausgegangen werden, dass die Infektion auch in den anderen Bundesländern vorkommt. Als wichtigste Infektionsquelle gelten Schafe bzw. deren Nachgeburt. Auch Rinder und Ziegen können als Übertrager dienen.
Die Coxiellen finden sich bei infizierten Tieren im Stuhl, Urin und Geweben. Die Ansteckung des Menschen erfolgt meist durch infektiöse Aerosole oder Inhalation von erregerhaltigem Staub. Auch durch Zecken (Dermacentor marginatus) kann Q-Fieber auf den Menschen übertragen werden. Häufungen von Infektionen werden in den warmen Monaten gesehen. Die Inkubationszeit beträgt 9 bis 28 Tage.
Die Erkrankung beginnt mit Fieber, Kopfschmerzen, Frösteln, Unwohlsein, Myalgien und Brustschmerzen. Klinisch reicht das Spektrum der durch diesen Erreger verursachten Infektion von einer selbst-limitierende fieberhaften Erkrankung bis zur atypischen Pneumonie, Hepatitis, Myokarditis, Enzephalitis. Unbehandelt kann es zu einem chronischen Verlauf kommen, wobei meist eine Endokarditis im Vordergrund steht.
Bei einer Infektion in der Schwangerschaft kann es zur Frühgeburtlichkeit oder Abort kommen. Daher spielt dieser Erreger insbesondere in Gegenden mit hohen Durchseuchung der Schafpopulation, wie zum Beispiel Südfrankreich, eine wichtige Rolle als Ursache von Schwangerschaftskomplikationen.
In Deutschland werden jährlich mehr als 300 Erkrankungsfälle gemeldet, wobei die Dunkelziffer erheblich sein dürfte. Dies liegt daran, dass zum einen Q-Fieber als Krankheitsbild nur wenig bekannt ist und zum anderen, dass nur der Labornachweis einer akuten Infektion der Meldepflicht (Infektionsschutzgesetz §7) unterliegt. Dies setzt voraus, dass vom klinisch tätigen Arzt der Labornachweis von Q-Fieber (spezifische IgM- und IgG-Antikörper) angefordert wird.
Schlagzeilen macht Q-Fieber regelmäßig. So kam es im letzten Sommer zu einem Q-Fieber-Ausbruch in Soest, ausgehend von einem Bauernmarkt, bei dem an die 150 Erkrankungsfälle registriert wurden. Eine Übersicht des Robert-Koch-Instituts belegt, dass zwischen 1947 bis 1999 zu mindestens 40 dokumentierten Ausbrüchen in Deutschland gekommen war. Ursache waren in 24 Fällen Schafe.
Die Therapie erfolgt mit Antibiotika. Als wirksam erwiesen sich Doxycyclin sowie Chinolone. Bei chronischen Infektion wird zusätzlich Rifampicin verabreicht.
Vor einer Infektion sind besonders Personen gefährdet, die in der Landwirtschaft tätig sind, Schäfer, Schlachthofarbeiter sowie Tierärzte. Aber auch Personen, die in der Umgebung von Schafweiden wohnen, können sich über kontaminierten Staub anstecken.
Vor Wanderungen über Schafweiden sollten Schwangere in endemischen Gebieten Abstand nehmen.
In Australien steht für Personen, die in der Landwirtschaft (Schafzucht) oder in Schlachthöfen tätig sind, eine aktiver Impfstoff zur Verfügung, der allerdings in Deutschland nicht zugelassen ist (Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).
© Medizinische Enzyklopädie 2010
