10.11.2009 - Humanes Metapneumovirus – bisher wenig bekannte Ursache von Atemwegs-Erkrankungen

Humanes Metapneumovirus unbekannt: HMPV wurde erstmals 2001 in der Niederlanden isoliert

Der als humanes Metapneumovirus (HMPV) klassizierte Erreger wurde erstmals 2001 in der Niederlanden isoliert. Molekulargenetische Untersuchungen weisen HMPV als Vertreter der Familie der Paramyxoviridae aus. Aufgrund seroepidemiologischer Untersuchungen sowie Virus-Isolierungen gilt inzwischen als gesichert, dass HMPV ein weltweit, ubiquitär vorkommender Erreger von Atemwegserkrankungen ist.

Neben den bekannten Viren, die Atemwegserkrankungen verursachen - genannt seien hier Influenza- A- und -B-Virus, Parainfluenzavirus Typ 1 bis 3, respiratorische Syncytialvirus (RSV), Rhinoviren und Coronaviren, geht man inzwischen davon aus, dass HMPV für 7% dieser Infektionen verantwortlich sein dürfte. Trotz seiner Bedeutung als Erreger von Atemwegserkrankungen, insbesondere als Ursache einer akuten Bronchitis, findet diese Infektion in der ambulanten Medizin in Deutschland bisher wenig Beachtung. Die Ansteckung erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Über den Grad der Infektiosität Erkrankter ist bislang wenig bekannt.

Bei der klinischen Symptomatik ähnelt HMPV der Infektion durch RSV. Das klinische Spektrum der HMPV-Infektion reicht dabei von einer leichten Atemwegsaffektion bis hin zu starkem Husten, Rhinorrhoe, Bronchitis, Bronchiolitis, Pneumonie, Dyspnoe, Tachypnoe, hohem Fieber, Myalgien und Erbrechen. Über Verläufe mit Beatmungspflichtigkeit wurde berichtet. Erkrankungen mit Todesfolge wurden bei immungeschwächten Personen beobachtet.

Über Komplikationen, die extrapulmonale Organe betreffen, ist bisher nichts bekannt. Ebenso liegen derzeit keine Untersuchungen vor, die etwaige sekundäre bakterielle Komplikationen belegen oder ausschließen können. Für Patienten mit chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen kann die HMPV-Infektion das Befinden vorübergehend negativ beeinflussen. Der Nachweis von HMPV erfolgt aus Rachen- bzw. Nasenabstrichen oder Rachenspülwasser durch Anzüchtung in Zellkultur. Auch mittels PCR lässt sich der Erreger in diesen Untersuchungsmaterialien nachweisen. Für die Bestimmung spezifischer Antikörper stehen serologische Tests in spezialisierten Labors zur Verfügung.

Die Therapie erfolgt symptomatisch und supportiv. Eine intensivmedizinische Betreuung kann bei diversen Vorerkrankungen notwendig sein. Der Erkrankungsgipfel der Infektion scheint aufgrund seroepidemiologischer Untersuchungen im Kindesalter zu liegen, jedoch sind auch Infektionen im Erwachsenenalter möglich. Bis zum 5. Lebensjahr beträgt die Durchseuchung bereits über 95%. Eine einmal durchgemachte Infektion induziert nach bisherigen Erkenntnissen keine bleibende Immunität, so dass Reinfektionen bereits in der nächsten Wintersaison möglich sind.


Differenzialdiagnose der akuten viralen Bronchitis:
Influenza
- Parainfluenza
Respiratory Syncycial-Virus
Adenovirus
- Coxsackie-A und B-Viren
- ECHO-Viren
- Metapneumovirus
- Coronaviren
- Rhinoviren


(Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg/ Schlußredaktion: Dr. Andreas Nitsche Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit).


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