In Ulm gibt es seit Mitte Dezember 2009 eine ungewöhnliche Häufung an bakteriellen Infektionen durch Legionellen. Die Suche nach der Infektionsquelle läuft auf Hochtouren, ist aber mit herkömmlichen Methoden sehr langwierig. Neue Screening-Verfahren von Fraunhofer IPM könnten die Suche in Zukunft deutlich abkürzen.
"Erste Ergebnisse werden in einer Woche vorliegen", das liest man derzeit häufig im Zusammenhang mit der Suche nach der Infektionsquelle für Legionellen-Erkrankungen in Ulm. Dass die Laborergebnisse so lange auf sich warten lassen, hängt mit dem heute üblichen Nachweis von Legionellen durch Vermehrung zusammen. In der Zeit, die die Nachzucht erfordert, werden sich wahrscheinlich weitere Ulmer Bürger an dem Bakterienherd infiziert haben. In Verdacht stehen bestimmte Klimaanlagen - so genannte Nasskühlsysteme -, wie sie auf vielen Gebäudedächern zu finden sind. Um in Zukunft Infektionsquellen schneller ausmachen zu können, entwickelt das Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik IPM in Freiburg Analysemethoden, mit denen sich biologische Partikel innerhalb weniger Stunden bestimmen lassen.
Bei der Legionärskrankheit handelt es sich um eine durch Bakterien (Legionella pneumophila) übertragene Infektionskrankheit, die mit Übelkeit und hohem Fieber sowie einer schweren Pneumonie (Lungenentzündung) einhergeht. Diese Krankheit trat im Sommer 1976 bei amerikanischen Kriegsveteranen nach einem Treffen in Philadelphia erstmals auf.
Warmwasserversorgungen in Wohnhäusern, Krankenhäusern, Heimen, Hotels gelten ebenso wie Wirlpools als mögliche Keimherde. Bei Temperaturen zwischen 20 und 45 Grad vermehren sich die Erreger besonders stark. Ursache im Kaltwasserbereich können ungenügende Isolierungen, Überdimensionierungen und falsche Rohrverlegungen sein.
Wie kann man sich im Urlaub und im eigenen Haus vor Legionellen schützen? Wir befragten dazu Prof. Schwarz, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie.
12.01.2010 - Legionellen: Gefahr lauert in der Warmwasserdusche
Legionärs-Krankheit: Wie kann man sich schützen?
Ich bin dienstlich oft in Italien und Spanien unterwegs, wo ich meist in kleineren Hotels übernachte. Manchmal merkt man beim Betreten des Zimmers, dass seit mehreren Tagen kein Gast mehr im Zimmer war. Besteht beim Duschen in diesen Fällen eine Ansteckungsgefahr für Legionellen?
Prof. Schwarz: Es empfiehlt sich grundsätzlich in Hotels die Warmwasserleitung der Brause bei geöffneter Badezimmertür vor dem Duschen aufzudrehen. Auch sollte das Fenster offen sein, um die Frischluftzufuhr zu gewährleisten. Dadurch lassen sich möglicherweise vorhandene Legionellen aus der Warmwasserleitung schnell ausschwemmen.
Während eines Urlaubs auf Bali bin ich an plötzlich einsetzendem hohen Fieber, Husten ohne Auswurf mit Atemnot erkrankt. Da kein deutschsprechender Arzt im Hotel verfügbar war, gab mir ein mitreisender Bekannter das Antibiotikum Telithromycin. Bereits 2 Tage später war ich soweit wieder fit, um den Rückflug anzutreten. Um welche Infektion könnte es sich gehandelt haben?
Prof. Schwarz: In diesem Fall könnte es sich um eine atypische Pneumonie gehandelt haben, die durch Legionellen verursacht hätte sein können. Da Telithromycin bei atypischen Pneumonien (Legionellen, Mykoplasmen, Chlamydia pneumoniae) sehr wirksam ist, würde sich dadurch das schnelle Ansprechen auf die Behandlung erklären lassen.
Ich habe mir ein älteres Haus gekauft, bei dem die Wasserleitung seit 40 Jahren nicht erneuert wurde. Worauf muss ich achten, um eine Legionellen-Infektion im eigenen Haus zu verhindern.
Prof. Schwarz: Da sich Legionellen in der Warmwasserleitung, insbesondere in Totraumleitungen (Leitung vom Hauptstrang zum Auslasshahn), vermehren können, ist darauf zu achten, dass die Wassertemperatur über 60 Grad Celsius betragen sollte.
