04.11.2009 - Pfeiffersches Drüsenfieber - Kissing Disease

Epstein-Barr-Virus: Durch Küssen übertragen (infektiöse Mononukleose)

Das Pfeiffersche Drüsenfieber (synonym: infektiöse Mononukleose) wird durch einen zur Familie der Herpesviridae gehörenden Erreger, das Epstein-Barr-Virus (EBV), verursacht. Die Infektion ist weltweit bekannt und durch eine nahezu 100%ige Durchseuchung im Erwachsenenalter gekennzeichnet. Da das Erregerreservoir ausschließlich der Mensch ist, findet sich keine saisonale Krankheitshäufung. Bei der Primärinfektion, die meist bei älteren Kindern oder jüngeren Erwachsenen auftritt, kommt es zu hohem Fieber, Lymphadenopathie, Angina und Pharyngitis. Auffällig ist bei den Patienten ein fauliger Mundgeruch.

Nicht selten werden im Gefolge der akuten Infektion eine Splenomegalie, Hepatomegalie, Ikterus und ein generalisiertes Exanthem beobachtet. Asymptomatische Verläufe sind insbesondere bei kleineren Kindern möglich. Während die akute EBV-Infektion bei sonst gesunden Personen in aller Regel eine benigne Erkrankung darstellt, kann diese bei Kindern mit angeborenem oder erworbenem Immundefekt einen schweren, oftmals letalen Verlauf nehmen.

Übertragen wird das Virus durch Tröpfcheninfektion. EBV ist mit verschiedenen Malignomen, wie dem Nasopharynxkarzinom und dem Burkitt-Lymphom, assoziiert. Als klassischer Übertragungsweg von EBV gilt das Küssen ("kissing disease").

Auch durch Bluttransfusion oder Organtransplantation kann EBV übertragen werden. Die Inkubationszeit beträgt zwischen 10 bis 50 Tage. Nach der Infektion befällt das Virus zunächst das lymphoepitheliale Gewebe des Rachenraums. Es kommt dann sekundär zur Infektion der im Blut zirkulierenden B-Lymphozyten, die sich zu Lymphoblasten transformieren. Diese Lymphoblasten können sich unbegrenzt teilen. Bei Immunkompetenten wird dieser rasch proliferierende B-Lymphozyten-Zellklon durch virusspezifische zytotoxische T-Lymphozyten und natürliche Killerzellen eliminiert.

Wie auch bei anderen Infektionen durch Herpesviridae persistiert EBV nach der durchgemachten akuten Erkrankung. Das Virus lässt sich dann in B-Lymphozyten nachweisen. Reaktivierungen sind jederzeit, z. B. im Rahmen einer anderen Infektion, bei immunsuppressiver Therapie oder Organtransplantation, möglich.

Die Diagnose eines Pfeifferschen Drüsenfiebers lässt sich oftmals bereits durch den Nachweis von aktivierten B-Lymphozyten ("Pfeiffer-Zellen") im Blutausstrich stellen. Ansonsten erlaubt die Serologie den Nachweis und die Differenzierung einer akuten, durchgemachten, reaktivierten oder chronischen EBV-Infektion. Schnelltests, mit denen heterophile Antikörper nachgewiesen werden, sind in der Praxis oftmals hilfreich, weisen aber bei einer nur eingeschränkten Sensitivität oft auch eine nur ungenügende Spezifität auf.

Eine spezifische antivirale Therapie besteht nicht. In der akuten Krankheitsphase ist Bettruhe meist die wirksamste Therapie. Eine Isolierung akut Erkrankter ist nicht notwendig. An rekombinanten Impfstoffen gegen EBV wird zwar gearbeitet, jedoch ist in den nächsten Jahren noch nicht mit einer Einführung zu rechnen.

(Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg/ Schlußredaktion: Dr. Andreas Nitsche Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit).

© Medizinische Enzyklopädie 2010