05.04.2010 - Borrelien lauern im Grünen

Die Lyme-Borreliose ist in Deutschland die häufigste durch Zecken übertragene Infektion

Zecke am Grashalm in Lauerstellung (Abbildung: Baxter)
Zecken können gefährliche Krankheiten auf den Menschen übertragen, insbesondere die Hirnhautentzündung FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) sowie die Lyme-Borreliose

Verursacht wird die Lyme-Borreliose durch Bakterien des Genus Borrelia. In Deutschland kommen drei Spezies vor, Borrelia (B.) garinii, B. afzelii und B. burgdorferi sensu stricto. Studien zeigten, dass B. afzelii überwiegend Hautmanifestationen verursacht, während die beiden anderen Spezies mit Arthritiden und neurologischen Komplikationen assoziiert sind.

Die Durchseuchung der Zeckenpopulation reicht von 5 bis 35%. Adulte Zecken sind zu etwa 20%, Nymphen zu 10% und Larven zu 1% infiziert. Nach Beobachtungen kommt es bei 3 bis 6 % der von Zecken gestochenen Personen zu einer Infektion, die sich durch eine Serokonversion zeigt. Klinisch erkranken jedoch nur 0,3 bis 1,4% der Betroffenen. Übertragen werden Borrelien durch den Stich des gemeinen Holzbocks (Ixodes ricinus).

Zeckenbiß am Auge (Foto: Antonio Bergua)
Adulte Zecke in Frontalansicht (REM-Aufnahme) (Abbildung: Baxter)

Als Erregerreservoir der Borrelien gelten Nagetiere, Wildtiere (Rehe, Hirsche) und Vögel. Die Erkrankung verläuft ohne Behandlung in drei Stadien. Das Stadium I ist durch die typische Hautmanifestation, das Erythema migrans, charakterisiert. Als Begleitsymptomatik bestehen Fieber, Kopfschmerzen, Myalgien, Arthralgien und Lymphknotenschwellungen.

Aufgrund der inzwischen großen Bekanntheit der Erkrankung wird sie in den meisten Fällen bereits im Stadium I diagnostiziert und adäquat antibiotisch behandelt.

Borreliose Bakterium (Abbildung: Baxter)

Das Leitsymptom des Stadium II ist die Meningopolyneuritis. Es kommt dabei zu radikulären Schmerzen, asymmetrischen und unsystematisch verteilten schlaffen Lähmungen, Hirnnervenausfällen (insbesondere: Fazialis-Parese), Meningitis oder Enzephalitis. Des weiteren kann das Herz mit Myo-, Peri- oder Pankarditis beteiligt sein. Selten wird eine Lymphadenosis cutis benigna beobachtet.

Das Stadium III ist durch die Lyme-Arthritis und die Acrodermatitis chronica atrophicans charakterisiert. Die Diagnose einer Lyme-Borreliose wird durch die klinische Symptomatik gestellt und durch die Anamnese sowie den serologischen Antikörpernachweis gestützt. Gerade im Stadium I, der häufigsten Manifestationsform der Lyme-Borreliose, sind die serologischen Nachweisverfahren jedoch nur eingeschränkt aussagekräftig.

Unter dem Rasterelektronen-Mikroskop ist eine Zecke der Gattung "Ixodes ricinus" (Gemeiner Holzbock) erkennbar (Abbildung: Baxter)

Bei etwa 50% der Patienten mit Erythema migrans sind (noch) keine Antikörper nachweisbar. Dies führt immer wieder zu klinisch-diagnostischen Problemen beim Arzt und Patient. Die Therapie der Lyme-Borreliose erfolgt mit Antibiotika: Doxyzyklin, Amoxicillin oder Cephalosporine der III. Generation.

Der beste Schutz vor einer Lyme-Borreliose ist die Vermeidung von Zeckenstichen durch geeignete Kleidung. Auch Repellentien können Zecken abhalten. Beim Zeckenbefall muss diese umgehend entfernt werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass der Zeckenkörper nicht gequetscht wird, da sonst Borrelien-infizierter Darminhalt der Zecke in den Menschen gelangen kann.

Impfstoffe gegen Borrelien stehen derzeit und vermutlich auch in den nächsten Jahren in Europa nicht zur Verfügung.


(Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg/ Schlußredaktion: Dr. Andreas Nitsche, Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit).

© Medizinische Enzyklopädie 2010