| Einleitung | Radfahren und Radsport Radsport: Radfahren ist der beliebteste Sport in Deutschland. Schätzungsweise 60% der Bundesbürger schwingen sich mindestens einmal im Monat aufs Rad. Radeln fördert die Ausdauer, schont das Herz-Kreislauf-System, ist gut in den Alltag integrierbar und zählt aus sportmedizinisch-orthopädischer Perspektive zu den empfehlenswerten Sportarten, die auch bei bestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen, wie beispielsweise degenerativen Gelenkerkrankungen, ausgeübt werden können. |
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Zu den großen Vorteilen beim Fahren mit dem Rad gehört die Tatsache, dass die körperliche Anstrengung gut dosierbar ist und stets an den individuellen Leistungsstand angeglichen werden kann. Um Überbelastungen beim Radsport zu vermeiden empfehlen sich kleine Gänge bei hoher Trittfrequenz.
Das Körpergewicht wird vom Rad getragen, so dass das Sitzen im Sattel Wirbelsäule und Gelenke schont. Vor allem für Übergewichtige und Menschen mit degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates ist dieser Aspekt von besonderer Bedeutung. Gemieden werden sollten allerdings Querfeldeinstrecken und starke Steigungen, da hierbei die Wirbelsäule ruckartig überbelastet und in eine unnatürliche Haltung gezwungen wird.
Radfahren verleitet zu ungleichmäßiger Beanspruchung der Muskulatur, d.h. die Vorderseiten der Oberschenkel werden stärker beansprucht als die Rückseiten. Muskelverkürzungen und Knieschmerzen können die Folge sein. Ein ausgedehntes Stretching kann hier Abhilfe schaffen.
Ein Dehnprogramm im Anschluss an die Belastung trägt außerdem dazu bei, Schmerzen der Rücken-, Schulter- und Nackenmuskulatur, die nach längeren Touren durch Verspannungen und Verkürzungen der Muskeln durch ständiges Vorbeugen des Oberkörpers über den Lenker auftreten können, zu vermeiden. Kräftige Bauch- und Rückenmuskeln üben eine entsprechende Haltefunktion aus und beugen Beschwerden des Bewegungsapparates, v.a. der Wirbelsäule, vor. In seltenen Fällen werden Schmerzen durch Überbelastungen und Entzündungen an Hand-, Knie- und Fußgelenken ausgelöst. Ernste Verletzungen am Kopf und Schürfwunden treten meist nach Stürzen auf.
Um diesen Risiken vorzubeugen und Sportschäden sowie Verletzungsrisiken zu minimieren, sollte unbedingt ein strukturiertes und individuell abgestimmtes Trainingsprogramm eingehalten werden.
Grundsätzlich sollten Sie das ganze Jahr über regelmäßig Fahrrad fahren. Reines "Wochenendfahren" ist nicht sinnvoll und eher schädlich, da sich weder Gelenke noch das Herz-Kreislauf-System langsam und kontinuierlich auf die Belastung einstellen können. Sie sollten mindestens zwei bis dreimal pro Woche aufs Rad steigen und nach einer circa fünfminütigen Aufwärmphase (langsames Radeln) ein zügiges, gleichmäßiges Tempo anschlagen. Verringern Sie das Tempo bei Ermüdungsanzeichen. Eine Trainingseinheit endet mit einer Abwärmphase bei reduziertem Tempo. Vor allem bei längeren Touren sind aktive Pausen mit Lockerungs- und Dehnübungen angezeigt.
Werden diese Empfehlungen beachtet, kann der Radsport bis ins hohe Alter zum Erhalt und zur Verbesserung der körperlichen Fitness beitragen. Eine möglichst individuelle Einstellung des Rades bzw. Abstimmung von Rahmengröße, Sattelhöhe und Sitzposition beugt Fehlbelastungen vor und erhöht den "Fun-Effekt"! Die richtige Sattelhöhe (Knie stets leicht gebeugt) gewährleistet eine gesunde Beanspruchung von Ober- und Unterschenkelmuskulatur ohne die Kniegelenke zu belasten.
Bei der idealen Sitzposition ist der Oberkörper etwa im 45° Winkel nach vorne geneigt (Lenker ca. 3-4 cm niedriger als der Sattel). Wer Rückenprobleme hat sollte aufrechter, eher gerade, sitzen. Von der Seite betrachtet ist der Sattel passend eingestellt, wenn das Lot von der Vorderkante des Knies knapp vor der Pedalachse liegt. Zudem empfehlenswert sind spezielle Gesundheitslenker, Schuhe mit Profil, angepaßte Kleidung und natürlich ein Helm.
(Meike Bürklein, Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Institut für Sportwissenschaften, Abteilung Sportmedizin)
© Medizinische Enzyklopädie 2010
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