Interview zum Thema "prebiotische Babykost" mit Diplom Oecotrophologin Daniela Rösler:
1) Einige Lebensmittel sind mittlerweile standardmäßig mit gesundheitsförderlichen Probiotika angereichert...
Rösler: Mütter, die ihre Babys mit Säuglingsmilchnahrung füttern, sollten darauf achten, dass die Babykost prebiotische Ballaststoffe enthält. Denn prebiotische Säuglingsmilchnahrung stimuliert das Wachstum gesundheitsförderlicher Darmkeime, stärkt dadurch die Abwehrkraft und beugt Allergien vor...
12.04.2005 - Warum Probiotika für Säuglinge wichtig sind
Studien zeigen eine verminderte Häufigkeit von Darmerkrankungen und Allergien bei Säuglingen und Kleinkindern
2) Dass heisst, prebiotische Babykost ist ein gute Alternative für alle Mütter, die nicht die Brust geben können?
Rösler: Muttermilch enthält Ballaststoffe, die den gesundheitsförderlichen Darmkeimen als Energiequelle dienen, also prebiotisch wirken. Studien zeigen, dass nicht gestillte Kinder bei Verwendung einer mit prebiotischen Ballaststoffen angereicherten Säuglingsnahrung die gleichen gesundheitlichen Vorteile wie gestillte Säuglinge haben. Italienische Wissenschaftler fanden kürzlich heraus, dass die Supplementation der Säuglingsmilchnahrung mit prebiotischen Ballaststoffen das Wachstum der gesundheitsförderlichen Bifidusbakterien dosisabhängig stimuliert.
3) Auf die richtige "Gesellschaft im Darm" kommt es also an?
Rösler: Die Darmflora des Menschen leistet sogar einen sehr wichtigen Beitrag zur Gesundheit. Eine gesunde Darmflora ist nicht nur wichtiger Bestandteil des menschlichen Immunsystems, sie kann obendrein einen Schutzfaktor vor der Entstehung von Allergien und auch Neurodermitis darstellen. Eine Darmflora mit überwiegend gesundheitsförderlichen Keimen verhindert die Ansiedlung von unerwünschten Darmkeimen wie Clostridien. Eine geringe Clostridienkonzentration steht in Zusammenhang mit der Vermeidung von allergischen Erkrankungen.
4) Viele Kinder bekommen ja mittlerweile ziemlich viel mit Probiotika angereicherte Joghurt- und Milchprodukte. Ist das nicht zuviel des Guten?
Rösler: Das Gegenteil ist eher der Fall: In einer aktuellen prospektiven randomisierten Studie, veröffentlicht im renommierten "American Journal of Clinical Nutrition", untersuchten Wissenschaftler 131 Kinder im Alter von 3 bis 24 Monaten über einen Zeitraum von 18 Monaten.
Das Ziel der Studie war es, die Langzeiteffekte und die Toleranz in Bezug auf probiotikahaltige Nahrung sowie die Darmgesundheit von Kleinkindern zu untersuchen.
Ergebnis: Die Kinder, die mit Probiotika angereicherte Nahrung erhielten, wiesen eine signifikant niedrigere Häufigkeit von Koliken sowie anderen Reizungen des Darms auf und verwendeten signifikant seltener Antibiotika im Vergleich zu den Kindern, welche die nicht angereicherte Nahrung bekamen.
5) Was ist besser: Stillen oder nicht stillen?
Rösler: Stillen ist immer besser. Nicht gestillte Kinder haben jedoch bei Einsatz einer mit prebiotischen Ballaststoffen angereicherten Säuglingsnahrung die gleichen gesundheitlichen Vorteile wie gestillte Säuglinge. Moderne Säuglingsnahrungen nähern sich immer weiter dem Vorbild der Natur an und wirken sich positiv auf die gesundheitliche Entwicklung des Kindes aus.
