20.12.2007 - Spurensuche im Kolon

Test identifiziert Polypen und Tumorzellen

ScheBo® Tumor M2-PK-Screening Test
ScheBo® Tumor M2-PK-Screening Test

Polypen und Krebszellen sind an ihrem Stoffwechsel erkennbar. Diese Erkenntnis wird in einem neuen Testverfahren zur Darmkrebs-Früherkennung genutzt: der M2-PK-Stuhltest.

Darmkrebs ist eine jener Krebsarten, die sich ankündigt, langsam entwickelt und geheilt werden kann – vorausgesetzt, das Karzinom wird rechtzeitig entdeckt. Darmkrebs ist mit weltweit über 600.000 Neuerkrankungen die dritthäufigste Krebsart. Die Inzidenz des Kolonkarzinoms ist in den Industriestaaten steigend, Deutschland weist gegenüber anderen EU-Staaten und den USA die höchste Neuerkrankungsrate auf: 70.000 jährlich, dazu über 30.000 Todesfälle. Betroffen sind vor allem Menschen über 50jährige. Würde jeder ab dem 55. Lebensjahr regelmäßig zur Vorsorgekoloskopie gehen, könnten nach Ansicht von Prof. Ulrich Klör, Gießen, fast alle Kolonkarzinome bereits im Frühstadium erkannt und behandelt werden. Die Sterblichkeit wegen verspäteter Diagnose würde auf nahezu Null gesenkt.

Früherkennung ist entscheidend

Die Koloskopie – Standardempfehlung zur Frühdiagnostik kolorektaler Karzinome – nehmen im Moment nur knapp fünf Prozent der Berechtigten in Anspruch. Kolorektale Karzinome verursachen unter den Tumorerkrankungen die höchsten Behandlungskosten und die 5-Jahres-Überlebensrate im frühen Tumorstadium liegt nach kurativer Resektion bei derzeit etwa 50 Prozent. Dringend erforderlich ist daher ein gut akzeptierbares und zuverlässig selektierendes Screeningverfahren im Vorfeld der Koloskopie.

Zwar gibt es seit längerem fäkale Okkultbluttests (FOBT), doch sind sie nicht ausreichend, da Polypen und Kolonkarzinome nur unregelmäßig und oft erst im späteren Stadium bluten. Ein Darmkrebs wird damit nur in 20 bis 30 Prozent der Fälle und meist erst im Spätstadium entdeckt. Gleichzeitig kommt es häufig zu falsch positiven Ergebnissen aufgrund von Hämorrhoiden oder anderen Blutungen im Darm.

Pyruvatkinase – das Schlüsselenzym

Seit einiger Zeit steht ein neuer Tumorstoffwechselmarker zur Verfügung, der die Tumor M2-Pyruvatkinase (Tumor M2-PK) misst. Die Pyruvatkinase ist ein Schlüsselenzym des Glukosestoffwechsels und existiert in verschiedenen Isoformen. Bei der Entstehung eines Tumors kommt es zum Verlust des jeweiligen gewebsspezifischen Isoenzyms, dafür nimmt die Expression des Isoenzyms Typ M2 zu. Klinische Studien zeigen, dass dies auch für verschiedene weitere Krebserkrankungen gilt.

Bei M2-PK handelt es sich um ein Enzym, das vorwiegend in Polypen- und Darmkrebszellen freigesetzt wird. Unabhängig von Blut gibt es eine spezifische Antwort auf Veränderungen im Darm, seien es Polypen, akut und/oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (z. B. Colitis ulcerosa, M.  Crohn), die ein deutlich erhöhtes Risiko für Darmkrebs darstellen, sowie natürlich Zellveränderungen.

M2-PK-Darmkrebstest - Polypen und Krebszellen sind an ihrem Stoffwechsel erkennbar. Diese Erkenntnis wird in einem neuen Testverfahren zur Darmkrebs-Früherkennung genutzt: der M2-PK-Stuhltest

Screening-Test

Hier setzt der ScheBo® Tumor M2-PK-Screening Test an: Seine Sensivität bei Darmkrebs beträgt 92 % gegenüber 19 % im Occult-Test, hinsichtlich Polypen >1 cm etwa 60 % (vs. 10 % Occult-Bluttest) sowie 25 % an Polypen < 1 cm (vs. 0 %  Occult-Bluttest). Der Stuhltest lässt sich ohne spezielle Diät vom Patienten durchführen. 

Nicht feststellen kann der Test lediglich Tumore des distalen Rektums. Dafür ist, so Prof. Klör, die digitale Untersuchung nach wie vor notwendig ebenso wie die Koloskopie als Goldstandard im Screening und Diagnostik von kolorektalen Neoplasien. Seit Oktober 2007 kann der niedergelassene Arzt den Test in der eigenen Praxis einsetzen und als IGeL-Leistung abrechnen (ScheBo® M2-PK QuickTM kostet etwa € 30). Nach wie vor ist der Test auch über den Laborfacharzt sowie direkt über die Apotheke erhältlich. (Helga Vollmer, M. A.)

94. Diskussionsrunde der  Münchner Medizin-Journalisten, München 13.3.2007, Veranstalter: ScheBo Biotech AG, Gießen

© Medizinische Enzyklopädie 2010