28.02.2007 - Tularämie auch in Deutschland

Medium-gebratener Hasenrücken als Infektionsquelle

Nach einem Bericht des Robert-Koch-Instituts, Berlin, ist die Tularämie (Hasenpest) auch in Deutschland endemisch. Zwar werden jährlich durchschnittlich nur 3 Erkrankungsfälle gemeldet, jedoch muss von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden. Die Ursache für die geringe Zahl der gemeldeten Erkrankungsfälle liegt vermutlich an der hohen Zahl inapparenter Verläufe sowie den variablen klinischen Manifestationen, die eine ätiologische Zuordnung erschweren. Seit 1949 wurden in Deutschland (einschl. der früheren DDR) 688 humane Erkrankungsfälle registriert. Die meisten Erkrankungsfälle wurden in der Region um Karlsruhe und Darmstadt gemeldet. Neben sporadischen Einzelfällen wurden auch Erkrankungshäufungen beobachtet. In den meisten Fällen waren die Erkrankung mit Jagd bzw. Kontakt zu Hasen assoziiert. Daher sind hauptsächlich Jäger, Fleischer, Kürschner, Bauern, aber auch Laborpersonal von dieser Infektion betroffen. Überwiegend wurden die Infektionen in den Monaten September bis Dezember nachgewiesen.

Die Tularämie ist  eine weltweit verbreitete bakterielle Zooanthroponose. Verursacht wird die Infektion durch das pleomorphe, gramnegative Stäbchenbakterium, Francisella tularensis. Unterschieden werden die 4 Subspezies ssp. tularensis, ssp. holarctica, ssp. medioasiatica und ssp. novicida. Für humane Erkrankungen sind vor allem die ssp. tularensis und holarctica von Bedeutung. Die Subspezies tularensis lässt sich ferner in die beiden Biovare "East" und "West" unterscheiden. Als sehr virulent gilt hierbei der Biovar "East". Die Unterscheidung der verschiedenen Biovare ist aufwendig; serologische Methoden sind hierfür nur wenig geeignet.

Tierisches Reservoir sind überwiegend freilebende Hasen, Kaninchen und Nager. In diesen Tieren können die Bakterien persistieren, ohne dass dies zum Tod des Wirtstieres führt. Die Aufnahme der Erreger erfolgt beim Menschen über den Genuss infizierter Nahrungsmittel, kutanen Verletzungen oder Inhalation. Als wichtiger Übertragungsweg gelten daher infektiöse Aerosole, die zum Beispiel beim Auswaschen der zerlegten Hasen gebildet werden. Infektionen wurden zum Beispiel aus Berlin durch den Verzehr von medium-gebratenem Hasenrücken in einem Restaurant gemeldet. Von epidemiologischer Bedeutung ist zudem die Übertragung durch verschiedene Zeckenarten. Auch direkter oder indirekter Kontakt mit infektiösen lebenden oder toten Tieren oder kontaminiertem Staub gelten als Infektionsquelle.

Charakterisiert ist die Tularämie  durch eine primäre ulzeröse Läsion, regionale Lymphadenopathie, typhoidale Symptome, Bakteriämie und/oder Pneumonie. Die Inkubationszeit ist vom Infektionsweg und der Inokulationsdosis abhängig und beträgt in der Regel 3 bis 5 Tage. Die Erkrankung beginnt mit abrupt einsetzendem hohen Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Übelkeit, Erbrechen und Erschöpfungszuständen. Klinisch lassen sich die ulzeroglanduläre (87%), okuloglanduläre (3%), glanduläre (2%) und typhoidale (8%) Verlaufsform unterscheiden.

Bei der ulzeroglandulären Form finden sich die Primärläsionen an den Händen und Fingern. Die okuloglanduläre Form erfolgt meist durch Kontamination des Auges über Läsionen an den Fingern. Bei der glandulären Form, bei der meist die zervikalen Lymphknoten betroffen sind, fehlen kutane Läsionen, so dass hier die orale Aufnahme angenommen werden muss. Die typhoidale Form imponiert als hochfieberhafte Erkrankung, die oftmals von pulmonalen Symptomen begleitet wird.

Mittel der Wahl zur Behandlung der Tularämie sind Aminoglykoside wie Streptomycin oder Gentamicin, die meist in Kombination mit Doxycyclin über mindestens 10 bis 14 Tage verabreicht werden. Allerdings kann es unter der Therapie rasch zur Resistenzentwicklung, insbesondere gegen Streptomycin kommen. Als Rezidivprophylaxe wird Doxycyclin empfohlen. Alternativ kann auch Ciprofloxacin zur Behandlung eingesetzt werden. Ein Impfstoff steht in Deutschland nicht zur Verfügung. Für militärische Zwecke wurden sowohl in den USA als auch der früheren Sowjetunion Impfstoffe hergestellt (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).

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