20.02.2007 - Vorsicht vor alkoholischen Spezialitäten in Russland und in den Tropen

Fusel-Epidemie: Hohes gesundheitliches Risiko durch Schwarzbrennerei

Alkoholische Getränke, die in tropischen Ländern, aber zum Beispiel auch in Russland als regionale Spezialität oder "Geheimtipp" angepriesen werden, sind oftmals mit einem hohen gesundheitlichen Risiko behaftet, warnt das CRM Centrum für Reisemedizin, Düsseldorf. Denn die Schwarzbrennerei ist in diesen Regionen weit verbreitet. Fehlende Sachkenntnis bei den Herstellern, unzureichende Anlagen, ungeeignete Zutaten und skrupellose Geschäftemacherei sind die Ursache dafür, dass giftige Produkte angeboten werden.

In den Tropen haben derartige Brände oft einen hohen Gehalt an Methylalkohol, der sich geschmacklich nicht bemerkbar macht. Bereits 12 bis 24 Stunden nach dem "Genuss" kann es neben anderen Vergiftungserscheinungen zu Sehstörungen mit Dauerschäden kommen. Erblindungen sind bereits nach 10 ml reinem Methylalkohol beschrieben, 4 Teelöffel können tödlich sein.

In Leon, einer Stadt in Nicaragua, kam es beispielsweise im Herbst letzten Jahres zu über 800 Vergiftungen, 48 Menschen starben und 15 erblindeten, nachdem sie einen Drink zu sich genommen hatten, der unter dem Namen "Guaro" verkauft worden war. In Nairobi gab es einige Jahre zuvor 140 Todesfälle und mehr als 400 Erblindungen nach so genanntem "Chang'aa", einem hochprozentigen Schnaps, der in den Armenvierteln der kenianischen Hauptstadt besonders beliebt ist.

In den Industrieländern kommen derartige Destillate kaum auf den Markt. Wenn, dann sind es hier eher Beimischungen potentiell toxischer Substanzen. So war es bei dem historischen Weinskandal Mitte der achtziger Jahre in Österreich Glykol, ein Frostschutzmittel, das dem alpenländischen Wein als Geschmacksverbesserer diente. Die Konzentration war allerdings so gering, dass kaum ein Mensch zu schaden kam.

Gefährlich wird es, wenn denaturierte Alkohole mit Zusätzen von Desinfektions- oder Reinigungsmitteln zur Herstellung solcher Getränke verwandt werden. Sie führen in der Regel nicht zur Erblindung sondern zu schweren Organschäden, oft zum tödlichen Leberversagen. Am meisten betroffen ist derzeit Russland. Hier kam es im letzten Jahr zu einer regelrechten "Fusel-Epidemie" durch verfälschten Wodka mit Massenvergiftungen in zahlreichen Städten und Regionen; Tausende von Menschen sind dabei verstorben.  

Reisende aus Deutschland oder anderen Ländern, wo dieses Risiko kaum bekannt ist, sollten darüber informiert zu sein und auf alkoholische Getränke aus privaten Destillen und obskuren Quellen verzichten. "Touristen, die den Ehrgeiz haben, alles zu probieren, was der örtliche Markt an Spezialitäten bietet, leben zumindest auf diesem Gebiet gefährlich", sagt Dr. Klaus-Jörg Volkmer vom CRM Centrum für Reisemedizin... [mehr]