19.04.2007 - Pharmaceutical Medicine-Studienplätze vergeben

Auf die Qualifikation kommt es an

An der Universität Duisburg-Essen kann der "Master of Science (MSc) in Pharmaceutical Medicine" berufsbegleitend erworben werden

In der EU aber auch den USA oder Ägypten haben sie ihre beruflichen Wurzeln. Im Ruhrgebiet, an der Universität Duisburg-Essen, wollen die neuen Studierenden den nächsten Schritt der Karriereleiter erklimmen: 25 von rund 60 Bewerbern haben einen der begehrten Plätze im bundesweit einzigen staatlich anerkannten Masterstudiengang "Pharmaceutical Medicine" ergattert und nehmen im April das berufsbegleitende Studium auf.

Das zweijährige, international ausgerichtete Postgraduierten-Studium qualifiziert die Absolventen für leitende Tätigkeiten in der Forschung, Entwicklung, Zulassung, Überwachung und Vermarktung von Arzneimitteln und Medizinprodukten.

Universitätsklinikum Essen

Universitätsklinikum Essen

"Mit ungefähr einem Drittel bilden Mediziner die zahlenmäßig größte Gruppe der Studierenden, gefolgt von Pharmazeuten, Biologen und Chemikern," bilanziert Studiengangsleiter Dr. Ralf Schaltenbrand. "Mehr als die Hälfte der Studierenden hat bereits promoviert, weist Auslandserfahrung auf und kann auf Berufserfahrung in der pharmazeutischen Industrie zurückblicken."

Voraussetzungen für die Bewerbung sind ein abgeschlossenes naturwissenschaftliches oder medizinisches Studium sowie mindestens ein Jahr Berufspraxis. „Ausschlaggebend bei der Bewerbung sind aber auch Persönlichkeitsprofil, Eigeninitiative und außergewöhnliche Lebenserfahrung – so bauen wir eine elitäre Gruppe -, so Schaltenbrand. Ein Assessment Center übernimmt bei der Auswahl der Studierenden dafür die Verantwortung und achtet zum Beispiel auch darauf, dass sich die Studierenden mit ihrem Wissenshintergrund gegenseitig ergänzen.

Während der einmal im Monat stattfindenden Präsenzphase treffen sich Studierende und Dozenten – ein "Who is Who" der "Scientific Community" aus Pharmazeutischer Industrie, Behörde und Universität – an der medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen. Neben der Vermittlung von Faktenwissen wird Wert darauf gelegt, dass die Studierenden Fähigkeiten wie Führungsverhalten, Teamarbeit, Präsentationstechniken und Rhetorik trainieren.

Studierende bei der Gruppenarbeit

Schlussfolgerungen einer Absolventin:
Warum sich das Studium lohnt?

Viele Wege führen nach Rom; und sicher einige in die pharmazeutische Industrie. Während Viele mehr zufällig in der Pharmazeutischen Industrie landen, habe ich diesen Weg ganz bewusst gewählt. Als Medizinerin hatte ich bereits mein AIP (Arzt im Praktikum) in der klinischen Grundlagenforschung in der Universität und in einer Phase I Unit einer „Contract Research Organisation“ (CRO), gemacht. Noch bevor ich mein AIP beendet hatte, stand für mich deshalb fest, dass ich danach direkt in einem der forschenden pharmazeutischen Unternehmen arbeiten wollte.

Ein Medizinstudium und erste Erfahrungen in der klinischen Forschung sind an sich gute Vorraussetzungen für den Einstieg in die pharmazeutische Industrie, aber was genau wusste ich eigentlich über die Pharmaindustrie? Dort werden klinische Studien in unterschiedlichen Phasen gemacht, Tierversuche, sogar „Good Clinical Practice“ (GCP) war mir bekannt. Dazu kannte man die ewige Diskussion um steigende Preise für Medikamente. Aber wie entwickelt man heute gute Medikamente, bringt sie zur Zulassung und zum Arzt und der nachher zum richtigen Patienten?

Ich wollte meinen Schritt in die Pharmaindustrie gut vorbereiten und von Anfang an einen Überblick über die verschiedenen Arbeitsbereiche gewinnen. Um es vorweg zu nehmen: Der Studiengang Pharmazeutische Medizin hat mir nicht nur den Einstieg in die Industrie erleichtert. Dank des Studiums wusste ich von Anfang an was die verschiedenen Abteilungen machen und wie sie zusammenarbeiten. Das macht vieles einfacher und letztlich kann man so auch besser abschätzen, in welche Richtung man sich dann später weiterentwickeln möchte.

Der Studiengang „Master of Science (MSc) in Pharmaceutical Medicine“ vermittelt genau das wonach ich damals suchte: Ein Programm, das systematisch die Arbeitsweise aller wichtigen Bereiche der Pharmaindustrie erklärt. Von den wissenschaftlichen Grundlagen über Gesetze, Vorschriften bis hin zu praktischen Details. Das Ganze wird von internationalen Dozenten aus der Industrie, von Behörden (z. B. dem BfArM), CRO`s oder Agenturen vermittelt, die gegenwärtig in diesen Bereichen erfolgreich tätig sind und somit reichlich Erfahrung haben mit dem, was sie erzählen.

Die Kursgröße ist mit 20-25 Studenten überschaubar. Der Kursmodus, über 18 Module, jeweils einmal im Monat von Donnerstag Nachmittag bis Samstag Nachmittag, erlaubt es bei etwas gutem Willen und Organisationsgeschick, den Studiengang neben einem full-time Job zu bewältigen.

Doch wie sah die Realität aus? Zugegeben, wenn ich spät abends oder am Wochenende über meinen Ordnern gebrütet habe, habe ich mich manches Mal gefragt wieso ich mir das freiwillig antue? Und auch während der Module hätte ich mich oft lieber berieseln lassen, als mich aktiv beteiligen zu müssen oder am Samstagnachmittag einen Test zu schreiben. Ich muss hier jedoch sagen, dass ich auf diese Art sicher mehr und nachhaltiger von den Modulen profitiert habe.

Das Ganze kostet neben Zeit und Kraft natürlich auch noch reichlich Geld. Und so stellt sich die Frage: Hat sich diese große Investition gelohnt?

Ich kann für mich sagen, dass selten eine Rechnung so gut aufgegangen ist wie diese. Ich habe nicht nur eine Menge gelernt und nette Leute getroffen, schon nach der Hälfte der Kurszeit hatte ich mehrere Job Optionen. Teils durch Dozenten, teils durch Kommilitonen vermittelt, von denen viele schon einige Zeit in der Industrie gearbeitet hatten. Entschieden habe ich mich letztlich für ein kleines biopharmazeutisches Unternehmen. Dort bin ich als Co-Trial Manager für eine Phase II-Studie eingestiegen und schon nach kurzer Zeit habe ich mich über die Position des Trial Managers zum „International Clinical Project Leader“ entwickeln können. Und spätestens hier hat sich ein weiterer Vorteil des Studienganges gezeigt: Die Zusammenarbeit mit internationalen Kooperationspartnern und Wissenschaftlern findet naturgemäß auf Englisch statt. Und so macht es Sinn, dass die Kurssprache des Studienganges „Pharmaceutical Medicine“ ebenfalls Englisch ist.

Ich profitiere heute täglich von dem Wissen, was mir in dem Studiengang vermittelt wurde, und den Kontakten, die sich mit Dozenten und Kommilitonen ergeben haben. Und so lässt sich abschließend sagen: Non, je ne regrette rien! I would do it again!

Dr. med. Andrea Waßmuth
International Clinical Project Leader
Paion AG