Das Cytomegalievirus (CMV) gehört weltweit zu den häufigsten Ursachen für kongenitale Infektionen mit kindlicher Schädigung. Beim Vollbild der kongenitalen CMV-Infektion kommt es zu Mikroenzephalie, Meningoenzephalitis, intrakraniellen Verkalkungen, Hepatosplenomegalie, Ikterus, Chorioretinitis und einer hämorrhagischen Diathese. Man geht davon aus, dass abhängig von der Population 0,7 bis 4,0% seronegativer Frauen während der Schwangerschaft eine CMV-Primärinfektion durchmachen. Das Risiko für eine fetale Infektion beträgt bei Primärinfektion etwa 40%. Bei CMV-Reaktivierung ist das Schädigungsrisiko erheblich niedriger und beträgt <1,0%.
06.10.2007 - Cytomegalievirus-Infektion in der Schwangerschaft
Häufigste infektiöse Ursache kongenitaler Schädigungen
Das CMV gehört zur Familie der Herpesviridae. Charakteristisch ist für diese DNA-Viren, dass sie nach der Primärinfektion lebenslang im Körper persistieren können. So lässt sich das Virus in Lymphozyten und in den Nieren nachweisen. Unter verschiedenen Bedingungen, wie z. B. Immunsuppression, kommt es zur Reaktivierung des Virus. Bei Immunkompetenten verläuft die Primärinfektion in 90% asymptomatisch. Die Inkubationszeit beträgt 4 bis 12 Wochen. Bei symptomatischen Verläufen kommt es zu uncharakteristischen Symptomen mit einem mononukleose-artigen Krankheitsbild, Abgeschlagenheit, Leberbeteiligung und Lymphknotenschwellung.
Die Durchseuchung mit CMV beträgt in Deutschland bei Frauen im gebärfähigen Alter etwa 50-60%, d. h. 40 bis 50% der Frauen sind noch für eine Primärinfektion empfänglich. Wie verschiedene Studien zeigten, ist der Durchseuchungsgrad von mehreren Faktoren abhängig. Hierzu zählen das Alter, die ethnische Zugehörigkeit, der soziokulturelle Status, die Anzahl früherer Geburten sowie ein häufiger Kontakt zu Kleinkindern. Pro Jahr dürfte es zur Geburt von etwa 100 durch CMV geschädigter Kinder kommen.
Bei Kindern und Erwachsenen erfolgt die CMV-Infektion hauptsächlich über Speichel oder Tröpfchen. Grundsätzlich muss von einer Infektiosität verschiedenster Körpersekrete und -exkrete ausgegangen werden. Bei jungen Frauen erfolgt die Ansteckung überwiegend durch Sexualkontakte, wobei Speichel, Sperma und Genitalsekrete als Ansteckungsquelle gelten. Eine weitere wichtige Ansteckungsquelle ist Urin und Speichel infizierter Säuglinge und Kleinkinder.
Von besonderer Bedeutung ist die CMV-Infektion in der Schwangerschaft. Die Transmissionsrate steigt dabei nach der perikonzeptionellen Phase mit zunehmenden Gestationsalter an. Das größte Risiko für eine konnatale Schädigung birgt eine Infektion um den Konzeptionszeitpunkt, im I. sowie im II. Trimenon. Bei einer kindlichen Infektion kann das Ausmaß der Schädigung sehr variabel sein. Oftmals resultieren bleibende, insbesondere zerebrale Schädigungen, wie insbesondere eine zerebrale Retardierung. Im Ultraschall lässt sich eine Hepatosplenomegalie und ein Aszites erkennen. Auch sind anämische Verläufe mit Hydrops beschrieben worden. In histologischen Untersuchungen lassen sich im fetalen Gewebe typische zytologische Veränderungen, die sog. Eulenaugenzellen, erkennen.
Da ein Impfstoff nicht zur Verfügung steht, sollten seronegative Schwangere Problembereiche zur Vermeidung einer Infektion meiden (Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).
© Medizinische Enzyklopädie 2010