In einer Surveillance der britischen Gesundheitsbehörden (GRASP – The gonococcal resistance to antimicrobials survellance programme) wird seit 6 Jahren die Wirksamkeit verschiedenen Antibiotika bei der Behandlung der Gonorrhoe untersucht. Insgesamt wurden seither ca. 13.000 Isolate getestet. Dabei zeigte sich eine Veränderung der antimikrobiellen Empfindlichkeit, die klinisch bei der Behandlung von Bedeutung ist.
Die Gonorrhö (synonym: Blennorrhö, Tripper) wird durch gramnegative Diplokokken, den Neisseria gonorrhoeae (synonym: Gonokokken), verursacht. Seit Mitte der 1990er Jahre wird im Gefolge anderer venerischer Infektionen eine Zunahme von Erkrankungsfällen in Europa beobachtet. Dabei sind insbesondere jüngere Erwachsene beiden Geschlechts betroffen.
Einiges Reservoir dieses Keimes ist der Mensch. Die Übertragung erfolgt durch direkten Schleimhautkontakt, zum Beispiel beim genitalen, analen oder oralen Geschlechtsverkehr. Auch beim Geburtsvorgang kann es zur Infektion des Neugeborenen kommen. Die Gonorrhö gilt als sehr infektiös. So infizieren sich 20 bis 35% der Männer bei einem einmaligen Sexualkontakt mit einer Frau. Dem gegenüber stecken sich 60 bis 90% der Frauen bei einem nur einmaligen heterosexuellen Sexualverkehr an.
In England und Wales fand man 2005 einen Anstieg der Ciprofloxacin-resistenten Gonokokken-Stämme auf 21,7% (Schottland: 25%), der sich mit Beobachtungen aus anderen europäischen Ländern deckt. Besonders hoch war die Resistenz gegen Ciprofloxacin bei Isolaten von homosexuellen Männern (42,4%), verglichen mit denen von heterosexuellen Männern (11,8%). Eine Auswertung nach der ethnischen Zugehörigkeit ergab einen überproportionalen Anteil dieser resistenten Bakterienstämme bei Kaukasiern, aber auch bei Homosexuellen mit asiatischer Abstammung fanden sich dieses Resistenzmuster häufig, was durch Sexualkontakte in den Heimatländern erklärt wird. Insgesamt ergab die Auswertung, dass ein hoher Anteil der Ciprofloxacin-resistenten Gonokokken-Stämme auf Reisen erworben worden war. Besonders asiatische Länder, in denen die Ciprofloxacin-Resistenz bis zu 90% beträgt, sind als Infektionsquelle von Bedeutung.
Bei der Resistenz gegen Penicilline ist vor allem die chromosomal-vermittelte Resistenz von Bedeutung. Auch hier fand sich in England und Wales ein Anstieg von 4,5% im Jahr 2004 auf 11,1% 2005. Der stärkste Anstieg zeigte sich auch hier bei homosexuellen Männern mit 25,6%. Dieser starke Anstieg wird durch die analen Sexualpraktiken erklärt, da die Stämme die die mtr-Mutation tragen im hydrophoben Milieu des Rektums Wachstumsvorteile haben. Auch die chromosomal-vermittelte Resistenz zeigt eine Assoziation mit Auslandsaufenthalten.
Mit einer Resistenzrate von nur 2,2% war Azithromycin nahezu unverändert wirksam. Bei Tetrazyklinen betrug die Resistenzrate 44,4%. Keine Resistenzen wurden im Jahr 2005 bei Spectinomycin nachgewiesen. Auch Ceftriaxon und Cefixim waren bei der antimikrobiellen Testung unverändert hochwirksam.
Im Vereinigten Königreich sind Ceftriaxon (intramuskulär) und Cefixim (oral) Mittel der 1. Wahl zur Behandlung der Gonorrhoe. Insgesamt wurden 2005 in 71% Cephalosporine und in 19% Chinolone bei Gonorrhoe verordnet. Besonders problematisch ist angesichts der Resistenzenzlage, dass bei homosexuellen Männern in 17% Chinolone verordnet wurden. Es gilt daher die Behandlung der mikrobiologischen Surveillance entsprechend anzupassen (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).
© Medizinische Enzyklopädie 2010