27.01.2007 - Speisefisch auf dem Prüfstand

Kritische Naturstoffe vs. gesundheitsförderliche Inhaltsstoffe

Speisefisch enthält polybromierte Substanzen organischen Ursprungs, dies zeigen Analysen von Lebensmittelchemikern der Universität Hohenheim. Brisanter Hintergrund dieser Forschungsergebnisse: Ähnliche polybromierte organische Substanzen sind seit 2004 EU-weit verboten, da sie im Verdacht stehen, krebserregend zu sein.

Künstlich produziert fanden polybromierte organische Verbindungen bis zum Jahr 2004 Verwendung als Flammschutzmittel, beispielsweise in PC-Gehäusen. Die in Speisefisch nachgewiesenen polybromierten Substanzen scheinen nach Angaben der Wissenschaftler jedoch natürlichen Ursprungs zu sein. Diese neuen Erkenntnisse könnten dem Fischboom in Deutschland einen Dämpfer versetzen.
 
Laut Deutschem Fischinformationszentrum haben die Menschen in Deutschland im Jahr 2005 fast 8% mehr Fisch als im Jahr zuvor verzehrt. Auch aktuelle ernährungswissenschaftliche Empfehlungen weisen Fisch einen hohen Stellenwert in der Ernährung zu. Unter anderem aufgrund seines omega-3-Fettsäuren-Gehalts sollte zweimal pro Woche Seefisch auf dem Speiseplan stehen.

Inwieweit sich die natürlichen polybromierten Verbindungen auf die Gesundheit auswirken, ist bislang nicht bekannt und Bedarf weiterer toxikologischer Untersuchungen. Paradox ist jedoch, dass der typische Meergeschmack von Fisch wahrscheinlich ebenfalls auf polybromierte organische Substanzen zurückzuführen ist. Zu beachten ist, dass sich die künstlichen und natürlichen polybromierten Verbindungen zwar ähneln, aber auch in einigen Atomen unterscheiden, daher ist eine eins zu eins Übertragung der bisherigen Erkenntnisse über gesundheitliche Wirkungen nicht möglich.

Verantwortlich für die nun in teils beachtenswerten Mengen gefundenen Substanzen in Speisefisch ist vermutlich der Mensch selber. Aufgrund der Überfischung der Meere geht der Trend hin zu Aquakulturen in Küstennähe. Dies ist auch der Lebensraum von Meeresalgen und Schwämmen, die evolutionär bedingt polybromierte organische Substanzen produzieren, um sich vor Feinden zu schützen. Dagegen weisen Fische, die sich frei im Meer bewegen, meist deutlich geringere Mengen an halogenierten Naturstoffen auf.

Da bislang keine Untersuchungen über die Auswirkungen der natürlichen polybromierten Substanzen auf den menschlichen Organismus vorliegen, ist noch nicht abzusehen, ob die aktuellen Ergebnisse Einfluss auf die ernährungswissenschaftlichen Empfehlungen haben werden. Generell sollte aber bei jedem zum Verzehr ausgewählten Lebensmittel, sei es Fleisch oder Fisch, die Qualität im Vordergrund stehen. (Daniela Rösler, Diplom Oecotrophologin)


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