02.01.2007 - Ausbruch von Rift-Valley-Fieber in Kenia

Starke Regenfälle und Überschwemmmungen begünstigen Stechmücken-Verbreitung

Aus Garissa, der Hauptstadt der nordöstlichen Provinz Kenyas, wird ein Ausbruch von Rift-Valley-Fieber gemeldet. Seit Beginn des Ausbruchs Anfang Dezember 2006 sind bereits über 50 Menschen an dieser Arbovirose verstorben. Eine weitere Zunahme von Erkrankungs- und Todesfällen ist wahrscheinlich. Typisch für diese Epizoonose ist zunächst ein Tiersterben, gefolgt von dem zeitlich verzögerten Anstieg von humanen Erkrankungsfällen. Als Ursache des Ausbruchs werden starke Regenfälle in der Region angesehen, die zu Überschwemmungen geführt haben. Diese feuchten Bedingungen bieten für Stechmücken optimale Konditionen zur Vermehrung.

Als Epizentrum der Epidemie gelten die Orte Fafi, Jarajila, Shanta Abak, Shell Gulliet und Shimbirey – alles Orte in unmittelbarer Nachbarschaft zur Provinzhauptstadt Garissa. Die lokalen Behörden versuchen derzeit die Ausbreitung der Seuche durch Beschränkungen des Tiertransports einzudämmen, was angesichts der islamischen Feiern anlässlich Eid-Ul-Adha allerdings nur schwer umsetzbar sein dürfte. An diesem Festtag, dem Ende des Hajj, werden traditionell in muslimischen Regionen Tiere geschlachtet, um der Opferung von Abraham´s Sohn Ismael ("Qurban") zu gedenken

Nach Angaben der kenianischen Behörden wird in der betroffenen Region mit ca. 20.000 Schlachtungen gerechnet, was unter seuchenhygienischen Aspekten zu einer erheblichen Ansteckungsgefährdung für die dort lebenden Menschen führen dürfte. Infektionen des Menschen erfolgen durch den Stich infizierter Mücken der Gattung Culex sowie Aedes und Phlebotomus. Als weitere wichtige Übertragungswege gelten der Kontakt mit Fleisch oder Kadaver infizierter Tiere sowie der Genuss nicht-pasteurisierter Milch infizierter Tiere, wie zum Beispiel Ziegen, Schafe, Rinder und Kamele.

Ein besonderes Ausbreitungspotenzial bergen daher rituelle Schlachtungen anlässlich islamischer Festtage, da es hier zum einen zu einer hohen Verdichtung der Tierbestände, einschließlich der Mückenpopulation, kommt und zum anderen durch die Schlachtungen infizierter Tiere eine direkte Exposition mit infizierten Fleisch oder Kadavern ermöglicht wird. Eine wirksame Strategie zur Eindämmung der Epidemie wäre eine Massenimpfung der Nutztierpopulation. Der ökonomische Schaden durch den Tod infizierter Tiere ist für die einheimische Bevölkerung erheblich, da die betroffenen Nutztierherden oftmals der einzige Wohlstand der Landbevölkerung sind und zum anderen eine wichtige Ernährungsquelle darstellen. 

Das Rift-Valley-Fieber-Virus (RVFV) gehört zur Familie der Bunyaviridae, Genus Phlebovirus. Das (RVFV) ist in ganz Afrika endemisch und verursacht regelmäßig Epidemien unterschiedlichen Ausmaßes. Die Infektion gilt als klassische Epizoonose, die sowohl in der empfänglichen Nutztierpopulation als auch beim Menschen zu einer erheblichen Morbidität und Mortalität führt.

Die Inkubationszeit der (RVFV)-Infektion beträgt etwa 3 bis 7 Tage. Die akute RVFV-Infektion beginnt mit einer influenza-ähnlichen Symptomatik. Zudem tritt ein abrupt einsetzendes Fieber auf, das über 2 bis 5 Tage anhält. Daneben kommt es zu Gelenkschmerzen, gastrointestinalen Beschwerden sowie einem makulopapulösen und  petechialen Exanthem. Schwerwiegende Komplikationen treten in mindestens 5% der Fälle auf. Dabei kommt es zu Leber- und Nierenversagen, Hämorrhagien, Retinitis mit Visusverlust oder Meningoenzephalitis. (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).

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