Vanillekipferl, Dominosteine, Lebkuchen, Marzipan und viele Leckereien mehr verführen den Verbraucher in der Adventszeit dem Verlangen nach Süßem nachzugeben. Woher kommt die Vorliebe für den süßen Geschmack – wird sie anerzogen oder durch die Werbung für solche Produkte schmackhaft gemacht? Eine aktuelle Übersichtsarbeit, die sich mit den Ursachen und den Konsequenzen der Süßpräferenz beschäftigt, kommt zu dem Schluss, dass vor allem bei Kindern die Gene eine wichtige Rolle spielen (1).
30.11.2006 - Bestimmen Gene die Vorliebe für Süßes?
Woher kommt die Vorliebe für den süßen Geschmack?
Eine Untersuchung des TAS2R38-Gens, dass auch für die Sensitivität gegenüber bitteren Substanzen von Bedeutung ist, hat gezeigt, dass Kinder mit einer bestimmten Variante dieses Gens in deutlich höherem Maße hohe Konzentrationen an Zuckerlösungen bevorzugten. Diese Beziehung zwischen einem bestimmten Genotyp von TAS2R38 war für Erwachsene jedoch nicht nachweisbar. In der Diskussion ist auch eine Verbindung zwischen Süßpräferenz und endogenen Belohnungsmechanismen im zentralen Nervensystem. Insgesamt fehlen in diesem Bereich aber noch eindeutige wissenschaftliche Ergebnisse, daher sind weitere Untersuchungen notwendig.
Neben den Genen beeinflussen auch Verfügbarkeit und Erziehung die Süßpräferenz bei Kindern. Kinder, denen über einen bestimmten Zeitraum hinweg wiederholt süße Limonade angeboten worden ist, zeigten eine deutliche Vorliebe für dieses Getränk. Bei gleichem Versuchsablauf mit einer sauren Limonade zeigte sich dagegen keine Veränderung der Präferenz der Kinder für dieses Getränk.
Auch der Einfluss des Erziehungsstils auf die Süßpräferenz zeigt sich deutlich. Während Kinder aus Elternhäusern mit restriktiver Einstellung gegenüber zuckerhaltigen Nahrungsmitteln zwar zu Frühstück und Mittagessen deutlich weniger süße Nahrungsmittel verzehrten als Kinder aus weniger restriktiv eingestellten Familien, bevorzugten 55% der Kinder aus den restriktiven Elternhäusern jedoch die Testlimonade mit der höchsten Zuckerkonzentration. Keines dieser Kinder bevorzugte die Limonade mit der niedrigsten Zuckerkonzentration, 19% der Kinder aus weniger restriktiven Haushalten dagegen schon. Eine Verbannung der süßen Nahrungsmittel scheint daher kontraproduktiv, denn alles was verboten ist, wirkt umso interessanter. (Daniela Rösler, Diplom Oecotrophologin)
Literatur:
(1) Lehnert H: Mögliche Ursachen und Konsequenzen einer Süßpräferenz beim Menschen. Aktuel Ernaehr Med 2006;31, Supplement 1: S13-S16
© Medizinische Enzyklopädie 2010