30.11.2006 - Case Management: State of the art

Rezension des Fachbuchs: Case Management in der Entwicklung

Case Management ist im Trend. Immer mehr Krankenhäuser beschäftigen so genannte Fall- oder Case Manager, die bei der Erstellung von klinischen Behandlungspfaden oder der DRG-Dokumentation eingesetzt werden. Auch  Krankenkassen haben die Bedeutung des Case Management erkannt und stellen mit dessen Hilfe beispielsweise die Behandlungsqualität in der häuslichen Pflege oder der Rehabilitation der Versicherten sicher.

Was aber ist Case Management eigentlich? Wird sein Potential heute schon erschöpfend genutzt? Und wie sind die Perspektiven für die Zukunft? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das vorliegende Buch Case Management in der Entwicklung, das als Folge einer Tagung der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management entstanden ist.

Ansätze zum Case Management gab es schon im vergangenen Jahrzehnt, Praxisstandards befinden sich in Deutschland jedoch noch in der Entwicklung. Dies hat auch damit zu tun, dass die Einsatzgebiete vielfältig sind – stationäre und ambulante Pflege,  Sozialarbeit und Beschäftigungsförderung. Case Management soll sich per Definition am Einzelfall orientieren, bietet sozusagen das Rüstzeug für die erfolgreiche Behandlung oder Versorgung des einzelnen Patienten / Klienten. Es  wird aber auch auf der Ebene der Versorgungssysteme genutzt. Im Rahmen des Care Management steuert es Ressourcen, Finanzen und Programme. 

Das Buch stellt nicht nur eine Bestandsaufnahme dar. Es versucht die Begrifflichkeit und die Funktionen und Ziele des Case Management zu klären; Illustriert an einem Hauspflegedienst, einem Altenpflegenetzwerk oder der Bundesagentur für Arbeit werden Beispiele für die praktische Umsetzung des Case Management beschrieben.  Dies geschieht in ausgewählten Einzelbeiträgen verschiedener Autoren.

Der Leser ist Betrachter eines dynamischen Prozesses. Am Ende der Lektüre besteht sein Gewinn nicht in einem klar umrissenen Bild von dem, was Case Management ist, aber in einer Ahnung seines Potentials. Denn jeder Autor zeigt eine Facette des Case Management. Es werden Fragen gestellt und gelegentlich Zweifel geäußert. Das Buch ist damit auch ein Diskussionspapier.

Wer sich mit der Thematik noch eingehender beschäftigen möchte, findet am Ende jedes Beitrags zahlreiche Literaturhinweise. Auch Ausbildungsstätten werden genannt   Für welche Zielgruppe wurde das Buch geschrieben? Es handelt sich um kein Lehrbuch für absolute Neueinsteiger. Es setzt vielmehr theoretische Grundkenntnisse und Vertrautheit mit den übergeordneten Fragestellungen des Case Management voraus, richtet sich also vorwiegend an (Pflege-)Wissenschaftler und Ausbilder, aber auch an Akteure der Gesundheits- oder Sozialpolitik.

Der Inhalt gut strukturiert. Dies beginnt schon mit dem Vorwort, in dem die Hauptanliegen der Autoren und die mit ihnen verbunden Teilbereiche des Case Management kurz vorgestellt werden. Hilfreich ist auch die Vorgehensweise, jedem Beitrag eine Liste der darin enthaltenden Schlagworte voranzustellen. Dessen ungeachtet ist der Ton oft übermäßig akademisch. Selbst die Beispiele vermitteln kaum lebendige Eindrücke von der Praxis, sondern orientieren sich hauptsächlich an Kriterien, wie Case  Management umgesetzt wird oder werden sollte. (Holger Schmidt, Redaktion medixtra.com)... [mehr]