Vor 9 Jahren kündigte der ehemalige US-Präsident Bill Clinton in einer Rede am Morgan State College an, dass innerhalb von 10 Jahren ein HIV-Impfstoff zur Verfügung stehen wird. Als zentrale Schaltstelle wurde hierzu das Vaccine Research Center (VRC) an den National Institutes of Health (NIH) in Bethesda, Maryland (USA) gegründet.
Die angepeilten 10 Jahre sind nunmehr fast vergangen und das Fazit sieht enttäuschend aus. Im 2007 wird definitiv kein HIV-Impfstoff zur Verfügung stehen, noch sind Kandidat-Vakzinen zur Zulassung bei einer Arzneimittelbehörde, sei es der FDA oder EMEA, eingereicht.
Schon kurz nach der Entdeckung des HI-Virus wurde klar, dass die klassischen Methoden der Vakzineherstellung bei diesem Erreger nicht praktikabel waren. Impfstoffe, die lebendattuierte Viren oder formalin-inaktivierte Erreger enthalten, erwiesen sich ebenfalls nicht als gangbarer Weg. Durch die Grundlagenforschung hat sich das Verständnis des Erregers erheblich verbessert, so dass die heutigen Vakzinekandidaten durchaus Perspektiven eröffnen könnten. Es herrschte schon frühzeitig Konsensus, dass ein HIV-Impfstoff nicht nur über die Induktion von spezifischen Antikörpern wirken kann.
Entscheidend für die Wirksamkeit wird die Induktion einer zellulären Immunität sein. Wesentliche Probleme der Impfstoffentwicklung sind fehlende immunologische Korrelate, die eine Immunität bzw. Protektion belegen. Des weiteren erschweren die genetische Heterogenität des Erregers die Auswahl eines geeigneten Vakzinesubtyps. Wie bei Hepatitis C werden auch bei einer HIV-Infektion keine neutralisierenden Antikörper induziert, was auch eine Seroproektion durch eine Impfung nahezu unmöglich macht.
Eine jetzt am VRC durchgeführte Phase-1-Studie mit einem rekombinanten HIV-DNA Impfstoff erwies sich als immunogen wie auch gut verträglich. Der Impfstoff (VRC-HIVDNA009-00-VP) besteht aus einer Mischung von 4 Plasmiden, die für das Subtyp B Gag-Pol-Nef-Fusionsprotein kodieren sowie aus modifizierten Hüllprotein-Konstrukten der Subtypen A, B und C. Dieses neuartige Prinzip basiert auf DNA als Vehikel für die Induktion einer zellulären wie auch humoralen Immunantwort. Vergleichbare Impfstoffe sind derzeit noch nicht im Einsatz.
Die Verwendung eines Impfstoffs mit diesem neuartigen Wirkprinzips bietet eine Reihe von Vorteilen, die sich jedoch in weiteren bzw. größer angelegten klinischen Studien erst bestätigen müssen. Vorteile sind u.a. eine einfache und flexible Herstellung der Konstrukte, was eine schnelle Anpassung an neue Subtypen ermöglicht. Auch ist die Herstellung dieser Konstrukte auch in größeren Mengen relativ einfach und kostengünstig. Die Stabilität einer DNA-Vakzine ist ebenfalls kein Problem, was auch eine Verwendung in Entwicklungsländern mit schlechten Kühlmöglichkeiten denkbar macht. Allem voran, ist jedoch die Induktion einer CD4 und CD8-T-zellulären wie auch humoralen Immunität von besonderer Bedeutung.
Die Immunisierung VRC-HIVDNA009-00-VP erfolgte mit intramuskulären 3 Dosen zum Zeitpunkt 0, 4 und 8 Wochen. Bei den Impflingen ließ sich, wie theoretisch vorhergesagt, die Induktion einer humoralen wie auch zellulären Immunantwort messen. Maximale CD4 und CD8-T-Zellantworten wurden nach der 3. Dosis gemessen und waren überwiegend gegen die Hüllproteine gerichtet. Ob durch die Impfung jedoch tatsächlich ein Schutz vor einer HIV-Infektion induziert wurde, der auch einem „Challenge“ (natürliche Exposition) statt hält, werden weitere Studien belegen müssen (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).
© Medizinische Enzyklopädie 2010

