Noch hat die Influenza-Epidemie in der nördlichen Hemisphäre dieses Jahr nicht begonnen, wird bereits über die Impfstoffkomposition für den Winter auf der südlichen Erdhalbkugel beraten. Die Wintermonate in der südlichen Hemisphäre dauern von Mai bis Oktober. Bei der Wahl der Antigenzusammensetzung werden einerseits die in den vergangenen Monaten zirkulierenden Influenza-Virus-A- und -B-Stämme wie auch die Situation in den nächsten Monaten in der nördlichen Hemisphäre berücksichtigt. Zwischen Februar bis September 2006 wurde eine Influenza-Aktivität in Afrika, Nord- und Südamerika, Asien, Australien, Europa sowie Ozeanien registriert.
Im Vergleich zu den Vorjahren war die Aktivität nur gering. In der südlichen Hemisphäre begann die Influenza im April 2006. In Südamerika wurden überwiegend Infektionen durch Influenza-A-Subtyp H1N1 registriert, der auch für einen Ausbruch in Brasilien verantwortlich war. In Neuseeland sowie Südafrika war der Influenza-A-Subtyp H3N2 der dominierende Erreger. Influenza-B-Infektionen wurden in Südafrika, Südamerika, Asien, Australien sowie Ozeanien beobachtet.
Die isolierten Virusstämme wurden in den WHO-Referenzzentren charakterisiert. Bei den isolierten Virusstämmen vom Influenza A-Subtyp H1N1 handelte es um einen Erreger, der eng mit dem im Impfstoff enthaltenen Subtyp A/New Caledonia/20/99 verwandt war. Allerdings hat die Bedeutung einer genetischen Variante, die seit 2004 zirkuliert, weiter zugenommen.
Auch die isolierten Influenza-A-Subtypen H3N2 waren eng mit dem in der Vakzine enthaltenen Typ A/Wisconsin/67/2005 und A/Hiroshima/52/2005 verwandt. Bei Influenza B wurden überwiegend zwei Subtypen isoliert: B/Victoria2/87 und B/Yamagata/16/88. Auch diese Subtypen erwiesen sich als eng mit dem im Impfstoff enthaltenen Subtyp B/Malaysia/2506/2004 verwandt.
Weltweit wurde über eine weitere Zunahme der Resistenz gegen die beiden Virustatika Amantadin und Rimantadin sowohl bei Influenza-A-H3N2 als auch Influenza-A-H1N1 berichtet. Als Ursache für die medikamentösen Resistenzen konnte ein Aminosäureaustausch von Asparagin zu Serin an Position 31 des M2-Ionenkanalproteins der Influenzaviren identifiziert werden.
Ausgehend von den bisherigen Beobachtungen schlägt die WHO als Komposition für den Influenza-Impfstoff 2007 für die südliche Hemisphäre die folgenden Stämme vor:
A/New Caledonia/20/99 (H1N1)
A/Wisconsin/67/2005 (H3N2)
B/Malaysia/2506/2004
Aufgrund der bisherigen Treffsicherheit der WHO-Empfehlungen ist auch für 2007 davon auszugehen, dass sich durch Impfung mit diesem Impfstoff die Influenza-Epidemien in der südlichen Hemisphäre kontrollieren lassen. Die Empfehlungen der WHO werden in der Regel von den jeweiligen Länderbehörden übernommen und die Impfstoffhersteller aufgefordert, Impfstoffe mit dieser Komposition rechtzeitig in vereinbarter Menge herzustellen. Nur durch weltweite Impfanstrengungen ist wird es möglich sein größere Influenza-Epidemien mit den heute zirkulierenden Subtypen Influenza A-H1N1, -H3N2 und Influenza B zu bekämpfen.
Bei der derzeitigen Impfstoffproduktionskapazität können jedoch nur etwa 5% der Weltbevölkerung in den Vorzug der jährlichen Grippeschutzimpfung kommen (Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).
© Medizinische Enzyklopädie 2010