16.08.2005 - Von Fall zu Fall: Empfehlungen und Impftipps bei Reisen nach Thailand

Unterschiedliche Reiseformen - unterschiedliche Gesundheitsrisiken

5 Fragen an Prof. Tino F. Schwarz, Chefarzt am Zentrallabor, Gelbfieber-Impfstelle, Stiftung Juliusspital in Würzburg, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie
5 Fragen an Prof. Tino F. Schwarz, Chefarzt am Zentrallabor, Gelbfieber-Impfstelle, Stiftung Juliusspital in Würzburg, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie

5 Fragen zum Thema Reisemedizin und Thailand:

1. Frage, Last-Minute-Urlauber fragt:
Ich habe ein Schnäppchen gemacht, in drei Stunden Abflug nach Bangkok. Impfungen sind da ja nicht mehr möglich und auch nicht nötig - die Reiseveranstalter/ Fluglinie werden ja schon Bescheid wissen...

Prof. Schwarz: Für Reisende, die spontan eine Reise antreten - sinnvoll wäre es natürlich gewesen, dass sich der Urlauber im Vorfeld einer "geplanten" Last-Minute-Reise, unabhängig vom Reiseziel, die wichtigsten Reiseimpfungen (Gelbfieber, Hepatitis A und B, Typhus, Tetanus/Diphtherie/Poliomyelitis) verabreichen hätte lassen - besteht an einigen Flughäfen noch die Möglichkeit für Impfungen. In diesem Fall wäre zumindest noch eine Hepatitis A-, Typhus- und ggf. eine Tetanus/ Diphtherie/ Poliomyelitis-Impfung sinnvoll. Eine medikamentöse Malaria-Prophylaxe ist für das Stadtgebiet von Bangkok entbehrlich.

2. Frage, Reise nach Phuket, Pauschaltourist fragt: Seitens des Reiseveranstalters teilte man uns mit, das am Badestrand keine Mücken vorkommen und somit keine Malariagefahr besteht...

Prof. Schwarz: Neben einer eventuellen Auffrischung von Tetanus, Diphtherie und Poliomyelitis, sind aktive Impfungen gegen Hepatitis A, vorzugsweise in Kombination mit Hepatitis B sowie gegen Typhus empfohlen. Eine medikamentöse Malaria-Prophylaxe ist für einen Aufenthalt auf Phuket hingegen entbehrlich. Es empfiehlt sich jedoch, auch wegen der Möglichkeit einer Infektion mit dem Dengue-Virus, auf einen konsequenten Mückenschutz zu achten. Abhängig von der Dauer des Aufenthalts (Inkubationszeit der Malaria tropica: 7 bis 12 Tage) ist die Mitnahme eines "Stand-by"-Medikamentes (Mefloquin, Atovaquon/Proguanil oder Artemether/ Lumefantrin) zur Behandlung einer Malaria sinnvoll.

3. Frage, Pilot einer Airline fragt: Wir müssen 2 Tage in Bangkok Quartier nehmen. Malariapropylaxe wegen Verkehrstauglichkeit nicht möglich - besteht trotzdem ein Risiko?

Prof. Schwarz: Beim fliegenden Personal sowie Geschäftsreisenden, die regelmäßig in tropische bzw. subtropische Gebiete reisen, ist eine konsequente Prophylaxe mit den wichtigsten reisemedizinischen Impfungen durch den Arbeitgeber zur Verfügung zu stellen. Dies wird üblicherweise durch den betriebsärztlichen Dienst sichergestellt. Für einen Aufenthalt im Stadtgebiet von Bangkok ist eine medikamentöse Malaria-Prophylaxe entbehrlich.

4. Frage, Individualtourist fragt: Wir planen eine Dschungeltour im Osten Thailands an der Grenze zu Kambodscha (Provinz Trat und Tak). Muss ich für diese Art von Reise besondere Vorkehrungsmassnahmen treffen?

Prof. Schwarz: Auch hier sollte ggf. eine notwendige Auffrischung gegen Tetanus/Diphtherie/Poliomyelitis durchgeführt werden, sofern in den letzten 10 Jahren keine Impfung erfolgt war. Empfohlen sind ferner aktive Impfungen gegen Hepatitis A und B, Typhus, japanische Enzephalitis (Enzephalitis- Impfstoff ist Deutschland nicht zugelassen!) und Tollwut. Aufgrund häufiger Mefloquin (Lariam R) Resistenzen in dieser Gegend kann alternativ eine Malaria-Prophylaxe mit Atavaquon/ Proguanil oder ggf. Doxycyclin in Betracht gezogen werden (Doxycyclin ist für diese Indikation in Deutschland nicht zugelassen).

Wegen des hohen Risikos einer Malaria sollte unbedingt auf einen konsequenten Schutz vor Mückenstichen (tropentaugliche Kleidung, Auftragen von mückenabwehrenden Mittel auf die Haut, Moskitonetz, Imprägnierung der Kleidung) geachtet werden. Das Mitführen einer "Stand-by"-Medikation (Atovaquon/Proguanil = Malarone R oder Artemether/ Lumefantrin = Riamet R) zur notfallmässigen Behandlung einer Malaria, ist abhängig von der Aufenthaltsdauer auf jeden Fall angeraten. Im stehenden Süsswasser (Tümpel) besteht in Dschungelregionen die Gefahr einer Ansteckung mit Bilharziose und Leptospirose. Durch rohen Süsswasserfisch kann der chinesische Leberegel übertragen werden. Auch auf die Möglichkeit von Schlangenbissen wird hingewiesen.

Reisemedizin - Thailand: regen, Mücken, Infektionen

5. Frage, Rucksackreisender fragt: Ich plane eine Wanderung im Ressort bei Chiang Mai und werde ausschließlich für etwa 2 Wochen bei Einheimischen in Dörfern übernachten. Besondere Vorsorge?

Prof. Schwarz: Grundsätzlich sind neben einer eventuellen Auffrischung von Tetanus/Diphtherie/Poliomyelitis, sofern in den letzten 10 Jahren keine Impfung erfolgt war, auch aktive Impfungen gegen Hepatitis A, vorzugsweise in Kombination mit Hepatitis B sowie gegen Typhus empfohlen. Darüber hinaus sind in diesem Fall Impfungen gegen japanische Enzephalitis (Impfstoff ist Deutschland nicht zugelassen!) und Tollwut angeraten. Eine Malaria-Prophylaxe ist für einen Aufenthalt in Chiang Mai und Umgebung hingegen entbehrlich.

Nicht zuletzt wegen der Möglichkeit einer Dengue-Virusinfektion sollte auf einen konsequenten Schutz vor Mückenstichen (tropentaugliche Kleidung, Auftragen von mückenabwehrenden Mittel auf die Haut, Moskitonetz, Imprägnierung der Kleidung) geachtet werden. Die Mitnahme eines "Standby"-Medikamentes zur Behandlung einer Malaria ist für diese Art von Aufenthalt empfehlenswert.

© Medizinische Enzyklopädie 2010