Bei der Influenza handelt es sich um eine weltweit vorkommende Infektion, weswegen auch zunehmend die Frage der Notwendigkeit eines Impfschutzes bei Reisen diskutiert wird. Wie neuere Untersuchungen belegen, kann der "durchschnittliche" Reisende, in Abhängigkeit des Ziellandes sowie der Art und Häufigkeit des Kontaktes zu Einheimischen, durchaus während einer Reise mit Influenza in Kontakt kommen.
Aus diesem Grunde solte auf die Notwendigkeit einer Grippe-Impfung in der reisemedizinischen Beratung hingewiesen werden. Dies gilt nicht nur für Reisen in Länder mit saisonaler Influenza-Aktivität, sondern insbesondere auch für diejenigen Zielgebiete, in denen das Virus ganzjährig zirkuliert.
08.02.2007 - Influenza-Impfung in der Reisemedizin
Influenza auf Reisen: Unterschätzte Infektionsgefahr?
In Ländern der gemäßigten Zone tritt die Influenza in der kalten Jahreszeit auf. In der nördlichen Hemisphäre ist daher zwischen November bis April mit Erkrankungen zu rechnen, während in den Regionen der südlichen Hemisphäre die Monate April bis Oktober die „Grippe-Monate“ sind. Dazu gehören insbesondere Neuseeland, Australien, Südafrika sowie der südliche Teil Südamerikas (Chile, Argentinien, Bolivien, Peru, Paraguay sowie Brasilien. In den Tropen zirkuliert das Virus ganzjährig, jedoch meist auf einem niedrigen Niveau.
Epidemiologische Untersuchungen zeigen, dass in beiden Hemisphären unterschiedliche Influenzatypen zirkulieren. Daher kann bei erheblichen Abweichungen der zirkulierenden Virustypen die Effektivität der Impfung eventuell reduziert sein. Allerdings erwiesen sich die in den beiden Hemisphären zirkulierenden Typen in den letzten Jahren als sehr ähnlich, was vermutlich auch ein Nebeneffekt der Globalisierung sein dürfte.
Seit einigen Jahren gilt die Influenza zunehmend auch als reisemedizinische Erkrankung. Infektionen ausgehend von Gruppenreisen, zum Beispiel auf Kreuzfahrtschiffen mit internationalem Publikum, internationalen Messen und Kongressen, wurden wiederholt berichtet. Die Impfung empfiehlt sich beispielsweise zudem für Teilnehmer an internationalen Großveranstaltungen (zum Beispiel Mekka-Pilger, Weltkirchentage etc.).
Auch Reisen in Flugzeugen, längere Aufenthalte an Flughäfen, Bahn- und Busreisen bergen ein erhöhtes Ansteckungsrisiko für eine Influenza. Erst kürzlich wurde in einer Studie aus der Schweiz festgestellt, dass das Risiko als gesunder Erwachsener bei Reisen an Influenza zu erkranken generell erhöht ist.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat ihre Empfehlungen dahingehend abgeändert, dass die Grippe-Impfung jetzt für Reisende über 60 Jahre sowie Reisende mit einer erhöhten gesundheitlicher Gefährdung, z. B. wegen chronischer Erkrankungen, sowie Reisende mit hohen Publikumskontakten generell für empfehlenswert erachtet wird. Auch für andere Reisende sieht die STIKO die Impfung als sinnvoll an, sofern ausreichend Impfstoff verfügbar ist.
Auch in anderen Ländern, wie zum Beispiel USA, Kanada und Australien wird bereits auf die Notwendigkeit einer Grippe-Impfung bei Reisen in Gebiete mit vermuteter oder gesicherter Influenza-Aktivität verwiesen. Eine sicherlich wichtige Indikation für eine Grippe-Impfung ist heute ein berufsbedingter Einsatz in Ländern mit Influenza-Aktivtität. Bei der Impfberatung von Reisenden sollte daher jetzt auch auf die Möglichkeit der Prävention der Influenza hingewiesen werden. Es bleibt zu hoffen, dass bald ausreichend Grippe-Impfstoff zur Verfügung stehen wird, um auch für reisemedizinische Indikationen ausgerüstet zu sein (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).
© Medizinische Enzyklopädie 2010