Beim Erythema nodosum handelt es sich um eine entzündliche Veränderung des subkutanen Fettgewebes. Diese auch als Pannikulitis bezeichnete Erkrankung kann durch eine Vielzahl möglicher Ursachen ausgelöst werden. Aus diesem Grunde ist die Diagnostik oftmals sehr aufwendig und führt nicht selten zu keinem Erfolg.
Als Hauptursache gelten diverse Infektionen, aber auch Medikamente, Malignome oder chronisch-entzündliche Ätiologien, wie Autoimmunkrankheiten müssen in der Pathogenese dieser Erkrankung berücksichtigt werden. Die genaue Pathogenese ist unklar. Vermutet wird eine Immunkomplex-Reaktion oder eine Immunreaktion vom verzögerten Typ. Da das Erythema nodosum häufiger bei Frauen auftritt wird, wird angenommen, dass weibliche Sexualhormone ein wichtiger Kofaktor in der Ätiopathogenese sind.
05.10.2007 - Erythema nodosum: Oftmals aufwändige Diagnostik notwendig
Beim Erythema nodosum handelt es sich um eine entzündliche Veränderung des subkutanen Fettgewebes
Histologisch zeigt sich eine leukozytäre Infiltration der subkutanen Septen. Hierbei finden sich Lymphozyten, neutrophile sowie eosinophile Granulozyten, Histiozyten sowie auch Fremdkörper-Riesenzellen. Typisch ist ferner eine Ablagerung von IgM und C3 in den Gefäßwänden der betroffenen Areale. Im weiteren Verlauf kommt es zur Ausbildung von epitheloidzelligen Granulomen. Eher selten treten zudem sog. Miescher´sche Radiärknötchen auf. Während im akuten Stadium eher eine neutrophile Reaktion vorherrschend ist, imponiert im späteren Verlauf die granulomatöse Entzündung. Möglich sind zudem Fettgewebsnekrosen sowie sichelförmige Hämorrhagien.
Klinisch äußert sich das Erythema nodosum in symmetrisch auftretenden, rötlich-lividen berührungsempfindlichen, schmerzhaften Knötchen. Größe und Anzahl der Knötchen können sind variabel sein. Auch ist ein unilaterales Auftreten der Knötchen möglich. Die Knötchen sind unscharf begrenzt, erhaben und von teigig-derber Konsistenz. In den meisten Fällen sind die unteren Extremitäten betroffen. Ein schubweiser Verlauf, der oftmals mit Fieber, Arthralgien und Myalgien einhergeht, ist möglich. Konfluieren die Läsionen, resultiert eine ödematöse Schwellung.
Neben der klinischen Diagnose kommt der Abklärung der auslösenden Faktoren die entscheidende Bedeutung zu. Da gerade die infekiologische Differenzialdiagnostik sehr umfangreich ist, und diverse bakterielle, virale, parasitäre sowie mykologische Erreger ausgeschlossen werden müssen, bedarf es schon aus Kostengründen eine auf epidemiologischen Erwägungen basierende Stufendiagnostik durchzuführen.
Nur bei klinischem Verdacht sollte gezielt nach seltenen infektiösen Ursachen gesucht werden. Daher ist eine ausführliche Anamnese sowie eine komplette Erhebung des körperlichen Status von besonderer Bedeutung, da hierdurch eine Reihe möglicher Ursachen ausgeschlossen werden können. In der weiteren Diagnostik bedarf es ggf. invasiver Untersuchungen, wie einer Knochenmarkspunktion oder Gewebsbiopsien. Bildgebende Verfahren sind notwendig, um eine Tumorgenese auszuschließen. Auch bedarf es einer fächerübergreifenden Diagnostik.
Die Therapie richtet sich in erster Linie nach der zugrunde liegenden Erkrankung, sofern diese bestätigt worden ist. Daneben erfolgt eine symptomatische Therapie mit antiinflammatorischen Substanzen, wie Ibuprofen, Indometacin oder Acetylsalicylsäure. Der Einsatz von systemischen Kortikosteroiden kann ggf. erwogen werden.
Desweiteren können bei ungeklärten persistierenden Beschwerden durchaus auch empirische Therapieversuche erwogen werden. Bei der Beurteilung dieser Methoden ist jedoch zu bedenken, dass das Erythema nodosum in vielen Fällen auch ohne Therapie abklingt und verschwindet, ohne dass die Ursache jemals geklärt wurde (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg, Redaktion medixtra.com).
© Medizinische Enzyklopädie 2010