Vielerorts klagen derzeit Schwimmer nach dem Baden in heimischen Seen über Juckreiz auf der Haut, makulopapulösen Effloreszenzen oder Quaddeln. Oftmals wird eine allergische Reaktion gegen Gräser oder eine Unverträglichkeit der Sonnencreme durch den Betroffenen vermutet. Der Besuch des Hautarztes jedoch führt schnell zur Verdachtsdiagnose einer Zerkarien-Dermatitis, verursacht durch einen Wurmbefall.
Die Zerkarien-Dermatitis (synonym: Bade- oder Schwimmdermatitis, Entenwurmkrankheit, Weiherhibbel, Hundsblattern, "Swimmers` itch") ist eine weltweit vorkommende Wurmerkrankung, die durch zahlreiche Arten aus den Gattungen Bilharziella, Trichobilharzia, Gigantobilharzia, Austrobilharzia sowie Ornithobilharzia verursacht wird. In Mitteleuropa wird die Zerkarien-Dermatitis hauptsächlich durch Vertreter der Gattung Bilharziella, Trichobilharzia und Gigantobilharzia verursacht. So zeigten zum Beispiel Untersuchungen von Badenden am Genfer See eine hohe Befallsrate von Zerkarien.
Als Endwirte dieser Saugwürmer fungieren Wasservögel, wie insbesondere Enten, die auf den heimischen Gewässern anzutreffen sind. Die Zwischenwirte sind die im Süss-, Brack- oder Salzwasser lebenden Lungenschnecken. In den Enten leben die etwa 5 bis 6 mm langen, erwachsenen Egel in den intestinalen Venen. Die Weibchen legen die Eier in den Blutgefäßen ab.
Es kommt zur Ulzeration der Gefässe, wodurch die Eier in den Darm gelangen und mit dem Kot ausgeschieden werden. Im Wasser schlüpfen aus den Eiern Larven (Mirazidien), die in Schnecken eindringen, wo sich nach mehreren Wochen über ein weiteres Entwicklungsstadium (Sporozysten) zu Zerkarien entwickeln. In den Schnecken können die Zerkarien überwintern. Mit zunehmender Wassertemperatur verlassen die Zerkarien die Schnecken, auf der Suche nach einem Endwirt. Durch den zufälligen Kontakt mit dem Menschen gelangen die Zerkarien in die Haut, wo sie sich jedoch nicht weiterentwickeln können und nach binnen weniger Tage bis Wochen absterben.
In den meisten Fällen verläuft der Kontakt mit den Zerkarien ohne klinische Beschwerden. Allerdings wird oftmals binnen weniger Minuten nach Betreten des Sees ein Prickeln oder leichtes Hautjucken bemerkt. Auch rötliche Flecke können auftreten. Personen, die bereits wiederholt mit Zerkarien Kontakt hatten und hierdurch sensibilisiert wurden, klagen oftmals über starken Juckreiz mit teils generalisierten Quaddeln bzw. Urtikaria. Die Erkrankung ist meist nach 4 bis 7 Tagen selbstlimitierend.
Die Diagnose einer Zerkarien-Dermatitis ergibt sich in der Regel aus der Bade-Anamnese und der klinischen Symptomatik. Die Therapie erfolgt ausschließlich symptomatisch mit topischer Verabreichung von juckreiz- und entzündungshemmenden und Gelen, Salben oder Lotiones. Beim Befall der Genital- oder Analregion (Bereich der Badehose bzw. Bikinihöschens) kann der Juckreiz jedoch für den Betroffenen durchaus unangenehm sein.
Besondere Risikogebiete an Seen sind pflanzenbestandene Uferbereiche. Dadurch sind gerade Kleinkinder, die in den seichten Abschnitten von Seen spielen, von dem Wurmbefall gefährdet. Hingegen ist das Baden in tieferen Bereichen meist unbedenklich. Es empfiehlt sich nach dem Baden die Bekleidung sofort zu wechseln und den Körper mit einem Handtuch kräftig abzureiben. Promptes Abduschen nach dem Baden erscheint zur Vermeidung einer Zerkarien-Dermatitis sinnvoll, jedoch liegen hierzu keine Untersuchungen vor. Reichlich aufgetragene fettreiche Sonnencreme reduziert die Wahrscheinlichkeit des Eindringens von Zerkarien (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).
© Medizinische Enzyklopädie 2010