In den USA wurden vor kurzem zwei weitere tödlich verlaufende Organtransplantationen bekannt, bei denen sich die Organempfänger durch die übertragenen Organe mit dem Erreger der amerikanischen Trypanosomiasis (Trypanosoma cruzi) infiziert hatten. Zuvor waren bereits drei Infektionen, die durch Organe eines Spenders übertragen wurden, im Jahr 2001 dokumentiert worden. Trypanosoma cruzi kann jedoch nicht nur durch Organe, sondern auch durch Blutkonserven übertragen werden, wie seit längerem bekannt.
Wie die amerikanische Seuchenkontrollbehörde mitteilte, muss vor allem in Gegenden der USA mit einem hohen Emigrantenanteil aus Ländern Mittel- und Südamerikas mit einer höheren Prävalenz dieser Infektion gerechnet werden. Dem gegenüber gibt es derzeit von Seiten der Blutspendedienste oder Organtransplantationseinrichtungen keine Empfehlungen hinsichtlich einer routinemäßigen Testung auf Trypanosoma cruzi. Ebenso steht kein geeigneter kommerzieller Screeningtest zur Verfügung. Immunsuppremierte Patienten, wie insbesondere nach Organtransplantation, sind durch diese Infektion besonders gefährdet.
09.08.2006 - Chagas nach Organ-Transplantation
Neues Infektionsproblem bei Transplantationen und Bluttransfusionen
Die amerikanische Trypanosomiasis, auch als Chagas-Krankheit bezeichnet, ist eine durch Raubwanzen übertragene Zoonose. Nach Schätzungen der WHO sind in Mittel- und Südamerika bis zu 18 Millionen Menschen mit Trypanosoma cruzi infiziert. Man muss davon ausgehen, dass der Erreger über den gesamten Kontinent verbreitet ist. Gerade auch durch die Migration in urbane Zentren wird der Erreger durch infizierte Menschen von ländlichen Gebieten in die Städte verschleppt. Bluttransfusionen gelten in vielen Regionen Mittel- und Südamerikas heute weiterhin ein wichtiger Übertragungsweg dieses Parasiten.
Die Übertragung der Trypanosomen erfolgt durch den Stich der Raubwanzen (Reduvidae) zusammen mit dem Kot auf die Haut oder Schleimhaut von Menschen. Bei der akuten Infektion steht der Parasitenbefall der Herzmuskelzellen im Vordergrund, der zu einer Myokarditis und Nekrosen führt. Auch eine Enzephalitis kann bei der akuten Infektion auftreten. Typische Manifestionsform des akuten Chagas ist auch das Romana-Syndrom, das durch eine Beteiligung der Augen charakterisiert ist. Bei der chronischen Verlaufsform des Chagas steht eine chronische Myokarditis mit Hypertrophie und chronischer Dilatation beider Herzkammern im Vordergrund. Auch wird das Auftreten diverser Organveränderungen beobachtet, wobei es zur Organvergrößerung (Megaorgane) kommt. Kongenitale Schädigungen sowie Aborte sind bei einer Infektion der Schwangeren ebenfalls möglich.
Die Therapie erfolgt mit Nifurtimox oder alternativ mit Benznidazol. Bei chronischen Verläufen kann es trotz Therapie zu Rezidiven kommen, insbesondere wenn die Betroffenen selbst immunsuppremiert sind. Grundsätzlich sollte die Dauer der antiparasitären Therapie 2 bis 4 Monate betragen.
Die kürzlichen Übertragungen von Chagas in den USA machen deutlich, dass besonders bei Emigranten aus endemischen Gebieten bei entsprechender Symptomatik an die Möglichkeit einer chronischen Infektion mit Trypanosoma cruzi gedacht werden sollte. Für die Reisemedizin ist dieses Problem hingegen eher von untergeordneter Bedeutung (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).
© Medizinische Enzyklopädie 2010