Enterobactericeen sind als Verursacher von klinisch relevanten Infektionen heute von großer Bedeutung. Die zu den gramnegativen Stäbchenbakterien gehörenden Keime finden sich als Verursacher von Pneumonien, Wundinfektionen, gastrointestinalen Infektionen sowie Urogenitalinfektionen. Wichtige Vertreter sind insbesondere E. coli, Klebsiella ssp., Enterobacter ssp., Serratia ssp. sowie Proteus ssp. In den letzten Jahren wird eine zunehmende Resistenzentwicklung gegen diese Keime beobachtet, die insbesondere gegen die die Betalaktamasen richtet.
Von besonderer Bedeutung sind heute die so genannte Extended-Spectrum-Beta-Lactamasen (ESBL). Diese Breitspektrum-Betalaktamasen finden sich heute zunehmend bei E. coli, Klebsiella ssp und Enterobacter ssp. Klinisch relevant sind dabei die so genannte CTX-M-Enzyme, die sich von den bekannten TEM- und SHV-Enzymen durch die bevorzugte Hydrolyse von Cefotaxim und Ceftriaxon, im Vergleich zum Ceftazidim unterscheiden. Bis heute lassen sich etwa 40 unterschiedliche Vertreter von CTX-M-Enzymen unterscheiden.
Untersuchungen aus dem Vereinigten Königreich und Irland zeigten eine deutlich Zunahme dieser ESBL-positiven Isolate bei Bakteriämie in den letzten 4 Jahren. Während 2001 bei E.coli noch keine ESBL-positiven Isolate nachgewiesen wurde, betrug der Anteil 2004 bereits 5,2%. Auch bei Klebsiella ssp. und Enterobacter ssp. wurde ein Anstieg von 5,6 auf 7,4% bzw. 6,1 auf 7,8% im gleichen Zeitraum beobachtet (Quelle: Reynolds et al.: ICCAC 2005, C2-778). Dieser Ansteig der ESBL-positiven Isolate wird auf das vermehrte Auftreten Ursache von CTX-M-Enzymen zurückgeführt. Neben der Zunahme von ESBL-positiven Isolaten wurde parallel eine Resistenz gegen weitere Antibiotika, insbesondere Ciprofloxacin und Gentamicin, festgestellt werden.
Auch in Portugal wurde dieser Trend in Untersuchungen bestätigt. Hier fand sich ebenfalls eine reduzierte Empfindlichkeit für Breitspektrum-Cephalosporine, die durch ESBL-Enzyme bedingt ist. Auch hier wurde zusätzlich eine gleichzeitige Resistenz gegen Chinolone, die bei Stämmen der CTX-M-Gruppe am ausgeprägtesten war, beobachtet.
Als neue Entwicklung muss das Auftreten von Carbapenemasen angesehen werden. Diese wurden erstmals 2000 bei Klebsiella pneumoniae (KPC1) nachgewiesen. Inzwischen wurden bereits 3 weitere Carbapenemasen (KPC2-4) beschrieben, die sich nur durch wenige Punktmutationen von KPC1 unterscheiden. Diese Carbapenemasen verursachen eine Resistenz gegen Penicilline, Cephalosporine, Aztreonam und Carbapeneme (Imipenem, Meropenem, Ertapenem).
Die Aktivität dieser Carbepenemasen lässt sich jedoch durch Zugabe eine Betalaktamase-Inhibitors wie Clavulansäure, Sulbactam oder Tazobactam hemmen. Dieser Umstand ist bei der mikrobiologischen Diagnostik von Bedeutung, da aufgrund der Hemmbarkeit bei fehlender Erkennung der Carbapenem-Resistenz fälschlicherweise das Vorliegen eines ESBL-Enzyms angenommen werden kann. Derzeit wird eine Zunahme der Carbapenemasen bei Klebsiella ssp. vor allem in Krankenhäusern an der amerikanischen Ostküste beobachtet.
Diese neuen enzymbedingten Resistenzentwicklungen bei Enterobacteriaceen bedürfen einer laufender epidemiologischen Surveillance. Auch sind die in Krankenhäusern eingesetzten Antibiotika regelmäßig zu hinterfragen und an die aktuellen Resistenzentwicklungen innerhalb einer Einrichtung anzupassen. Die mikrobiologische Diagnostik ist hierbei von eminenter Bedeutung wie auch Keimstatistik eine Übersicht über die Wirksamkeit bzw. den zu erwarteten klinischen Nutzen erlauben (Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).
© Medizinische Enzyklopädie 2010