Q-Fieber ist eine zoonotische, bakterielle Infektion, die in den letzten Jahren in Deutschland wiederholt Ausbrüche verursacht hat. Während im Jahr 2004 nur 117 Erkrankungen gemeldet wurden, waren es nach der aktuellen Infektionsstatistik des Robert Koch-Institus 2005 insgesamt 416 Fälle und 2007 noch 370 Fälle. Die Erhöhung der gemeldeten Nachweise von akuten Q-Fieber-Erkrankungen ist überwiegend auf einen einzelnen Ausbruch in Thüringen zurückzuführen, der mit einer sehr hohen Fallzahl einherging. Größere Ausbrüche sind in den letzten Jahren wiederholt aufgetreten.
Meist standen diese im Zusammenhang mit Bauernmärkten, landwirtschaftlichen Tierschauen oder Schafbeweidung. Aufgrund der Fallmeldungen der letzten Jahre ist davon auszugehen, dass Q-Fieber bundesweit vorkommt und fokal regional Ausbrüche verursacht.
Erreger des Q-Fiebers (Query fever) ist Coxiella burnetti, ein kleines, unbewegliches, gramnegatives Bakterium. Taxonomisch werden die Coxiellae in die Familie der Rickettsiaceae mit einem eigenen Genus eingeordnet. Akutes Q-Fieber wird in der Regel nur serologisch, d. h. durch den Nachweis spezifischer Antikörper nachgewiesen. Dies wiederum setzt voraus, dass der behandelnde Arzt differentialdiagnostisch an Q-Fieber denkt und eine diesbezügliche serologische Untersuchung veranlasst. Zufällige serologische Nachweise von Q-Fieber sind daher ausgeschlossen.
Da an Q-Fieber im ärztlichen Alltag nur eher selten gedacht wird, ist davon auszugehen, dass nur ein geringer Teil der Erkrankungen an Q-Fieber überhaupt nachgewiesen und damit zur Meldung kommt. Nach dem Infektionsschutzgesetz besteht nach §7 nur für den Labornachweis einer akuten Erkrankung eine Meldepflicht.
Im natürlichen Infektionskreislauf spielen Zecken (Ixodes ricinus, Dermacentor marginatus) bei Wald und Feldtieren eine wichtige Rolle. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt überwiegend aerogen durch Inhalation von erregerkontaminiertem Staub. Als wichtigste Infektionsquelle gelten Schafe bzw. deren Nachgeburt. Auch andere Säugetiere, wie Rinder und Ziegen, können als Übertrager dienen. Eine wichtige Infektionsquelle ist infektiöser Zeckenkot, mit der der Mensch z. B. bei der Schafschur in Kontakt kommt.
Die Inkubationszeit beträgt 9 bis 28 Tage. Asymptomatische Verläufe sind möglich. In den meisten Fällen beginnt die Erkrankung mit Fieber, Kopfschmerzen, Frösteln, Unwohlsein, Myalgien und Brustschmerzen. Klinisch reicht das Spektrum der durch diesen Erreger verursachten Infektion von einer selbst-limitierenden, fieberhaften Erkrankung bis zur atypischen Pneumonie, Hepatitis, Myokarditis, Enzephalitis. Unbehandelt kann es zu einem chronischen Verlauf kommen. Typische Manifestionsform einer chronischen Infektion ist eine Endokarditis. Bei einer Infektion in der Schwangerschaft kann es zur Frühgeburtlichkeit oder Abort kommen.
Die Therapie erfolgt durch die Verabreichung von Antibiotika. Mittel der Wahl sind Doxycyclin sowie verschiedene Chinolone. Bei einer chronischen Infektion wird neben Doxycyclin zusätzlich Rifampicin über mehrere Wochen verabreicht. Neben beruflich gefährdeten Personen, wie Schäfer, Schlachthofarbeiter sowie Tierärzte, sind auch Menschen, die sich auf Schafweiden aufhalten, für eine Infektion durch Q-Fieber gefährdet. Dies betrifft nicht nur Spaziergänger, sondern auch Jogger, Biker sowie Nordic Walker.
Bei unklaren fieberhaften Erkrankungen mit pulmonalen Symptomen sollte bei einer entsprechenden Anamnese stets ein Q-Fieber ausgeschlossen werden. Dies betrifft nicht nur Patienten, die sich in der ärztlichen Praxis vorstellen, sondern auch stationäre Behandlungsfälle.
(Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg/ Schlußredaktion: Dr. Andreas Nitsche Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit).
© Medizinische Enzyklopädie 2010