21.06.2006 - Hilfe, wenn das Jucken kommt

Facharzt warnt vor falscher Scham im Umgang mit Hämorrhoiden - Städtisches Krankenhaus Pirmasens mit neuer Therapie-Form erfolgreich - HAL-Methode ist schnell und schmerzfrei

"Hämorrhoiden sind der Preis, den die Menschen für ihren aufrechten Gang bezahlen", sagt Dr. Jochen Klotz. Der 44-jährige ist leitender Oberarzt der Klinik für Chirurgie am Städtischen Krankenhaus Pirmasens. Die Klinik gehört zu den rund 100 Krankenhäusern in Deutschland, die Hämorrhoidal-Leiden nach einem besonders schonenden Heilverfahren, der so genannten HAL-Methode, behandeln. Die Abkürzung bezeichnet das gezielte Abschnüren einzelner Adern, die die Hämorrhoiden mit Blut versorgen.

Nach Auskunft von Dr. Klotz leidet weltweit jeder zweite Mensch, der das 30. Lebensjahr vollendet hat, an Hämorrhoiden. Eine Ursache dieser flächendeckenden Verbreitung vermuten Fachleute in der Entwicklungsgeschichte. Der aufrechte Gang sorgt für einen stärkeren Druck, der auf den Blutgefäßen in der unteren Körperhälfte lastet.

Unausgewogene Ernährung, vorwiegend sitzende Tätigkeiten und  mangelnde Bewegung tun ein Übriges, das typische Krankheitsbild eines Hämorrhoidal-Leidens auszulösen. Die Folgen reichen von einem anhaltenden, unangenehmen Jucken, bis zu sichtbaren Auswölbungen, die in seltenen Fällen die Größe eines Golfballs oder einer Mandarine erreichen.

"Die eigentliche Aufgabe der Hämorrhoiden ist es, für den ‚wasserdichten’ Verschluss des Enddarms zu sorgen," erklärt Dr. Klotz: "Die Hämorrhoidal-Polster halten Gase und Flüssigkeiten im Körperinneren zurück." Es liegt auf der Hand, dass Aufhängung und Steuerung dieses hoch spezialisierten Schleusen-Systems besonders empfindlich sind. Wenn Schwachstellen im Bindegewebe dafür sorgen, dass ein Hämorrhoidal-Polster aus seiner angestammten Position rutscht, kann es zu einem Blutstau führen. Dieser lässt die Hämorrhoiden anschwellen. Der Patient wird krank.

"Ein verbreitetes Behandlungsverfahren ist es, das aufgeschwollene Hämorrhoidal-Polster außerhalb des Körpers abzubinden und darauf zu warten, dass das Gewebe stirbt", sagt Dr. Klotz. Eine zweite Möglichkeit bestehe darin, die Aufwölbung abzuschneiden. Beide Methoden sind schmerzhaft und belasten den Patienten durch eine aufwändige Versorgung der Wunde. Bei der HAL-Methode findet ein spezielles Ultraschallgerät genau die Arterie, die die geschwollenen Hämorrhoiden mit Blut versorgt.

Ein wenige Millimeter großes Loch lässt die Ader in den Arbeitsschacht des Gerätes gleiten. Dort wird die Arterie vernäht. Die Blutzufuhr ist unterbrochen und die Rückbildung des Hämorrhoidal-Polsters beginnt. "Der Eingriff dauert etwa 20 Minuten und ist praktisch schmerzfrei", sagt Dr. Klotz. Es entstehen keine offenen Wunden und der Patient sei am nächsten Tag wieder voll arbeitsfähig.

Ausdrücklich warnt der Fachmann des Städtischen Krankenhauses Pirmasens vor falschem Schamgefühl und Experimenten mit krankhaften Veränderungen im Anal-Bereich. Tatsächlich könne nur ein Arzt entscheiden, ob die Ursache für plötzliches Jucken, Ausflüsse oder tastbare Aufwölbungen auf Hämorrhoidal-Leiden zurück zu führen sind, oder ob vielleicht Krebsgeschwüre und andere Krankheiten die scheinbar harmlosen Sympthome auslösen. Wer mehr wissen möchte, bekommt weitere Informationen bei Dr. Klotz (06331/714-1201) des Städtischen Krankenhauses Pirmasens (Text: Cornelius Bischoff)... [mehr]