Während viele DRG-geplagte Krankenhäuser gegen die Insolvenz kämpfen, ist man im Universitätskrankenhaus Eppendorf überzeugt, die Talsohle durchschritten zu haben und ab 2009 mit einem ausgeglichenen Budget wirtschaften zu können. Die bei der Reorganisation des Krankenhauses bewiesene unternehmerische Kompetenz will der Vorstandsvorsitzende Professor Jörg Debatin nun sogar exportieren. Da Erfahrung im Klinik-Management international gefragt ist, wurde im März 2006 die UKE Consult- und Management GmbH (UCM) gegründet, ein Joint Venture mit einem Wiener Consulting Unternehmen und einem Logistik-Spezialisten.
24.05.2006 - Neue Geschäftsfelder in der Medizin
Der Export von Gesundheits-Dienstleistungen lohnt sich auch für deutsche Krankenhäuser
In Kuwait erstellen die Berater der UCM ein medizinisches Konzept für ein Kinderkrankenhaus und helfen bei der Leitung eines Präventionszentrums.
Vor kurzem konnte sich die UCM gegen hochklassige Mitbewerber durchsetzen und wurde als Mitglied eines Konsortiums mit der Planung des neuen Uniklinikums in Bern beauftragt. Neue Projekte in Portugal und in der russischen Enklave Kaliningrad sind in Vorbereitung. Professor Jörg Debatin: "Durch Know-how im Managementbereich lassen sich neue Einnahmequellen erschließen. Weil es für Universitätskliniken immer schwieriger wird, sich unter den gesundheitspolitischen Gegebenheiten des deutschen Marktes gegen preisgünstigere Krankenhäuser zu behaupten, müssen wir neue Märkte erobern. Dies sichert heimische Arbeitsplätze."
Durch die Präsenz auf neuen Märkten lockt man außerdem internationale Patienten an. Auf diese zusätzlichen Einnahmen hofft nicht nur das UKE, sondern auch das Uniklinikum Stuttgart. Mit dessen Unterstützung wird in Dubai das "German University Hospital" gebaut. Als Lehrkrankenhaus stellt es mit Hilfe eines Rotationsprogramms die Ausbildung der arabischen Mediziner sicher: Stuttgarter Ärzte sollen jeweils für 6 bis 12 Monate in Dubai arbeiten. Im Gegenzug werden Patienten, die in Dubai wegen unzureichender Diagnose- und Therapieeinrichtungen nicht behandelt werden können, nach Stuttgart geschickt. Das Stuttgarter Klinikum will so seine Einnahmen aus der Behandlung ausländischer Patienten bis 2010 verfünffachen.
Können auch andere Krankenhäuser in Deutschland von diesen Erfahrungen profitieren? Ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Projekt macht seit Januar 2006 die "Internationalisierung von Gesundheits-Dienstleistungen" zum Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung. Innerhalb von vier Jahren soll das Institut für Arbeit und Technik (IAT) Standards für internationales Dienstleistungs-Marketing im Gesundheitswesen erarbeiten. (Holger Schmidt)
© Medizinische Enzyklopädie 2010
