01.06.2007 - Polyresistente Tuberkulose

Zunahme der aktiven Tuberkulose – viele Erkrankungen bleiben unerkannt - Anordnung der stationären Behandlung aufgrund eines Gerichtsbeschlusses

Nach den offiziellen Statistiken sterben in Deutschland jedes Jahr etwa 500 Menschen an einer Tuberkulose. Die tatsächliche Zahl könnte um einiges höher sein, denn viele, auch schwere Erkrankungen werden nicht erkannt.

Weltweit ist die Tuberkulose (TB) weiterhin von großer epidemiologischer wie auch medizinischer Bedeutung. Therapieprobleme bereitet die stetige Zunahme der "Multi Drug Resistant" Tuberkulose. Als besondere Herausforderung gilt jedoch seit Jahren die Behandlung von sog. polyresistenten Tuberkulosen. Die Häufigkeit dieser Tuberkulosen beträgt nach Schätzungen zwischen 5 bis 35%, wobei dies von der geographischen Herkunft des Patienten bzw. dem Ort der Ansteckung abhängig ist. Der weitaus überwiegenden Anteil der Patienten mit polyresistenten Tuberkulosen rekrutiert sich aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion, wie Kasachstan, Russland, Kirgisien, Ukraine sowie Georgien.

Eine weitere Gruppe der Patienten stammt aus afrikanischen Ländern. Ursache hierfür sind zum einen marode TB-Überwachungssysteme sowie eine mangelnde und konsequente Therapie, bedingt durch finanzielle Engpässe. Durch die Reisefreiheit wie auch illegaler Einreisen kommen heute infizierte bzw. erkrankte Patienten mit polyresistenten Tuberkulosen aus den bekannten Problemländern nach Deutschland.

Bei einigen dieser Patienten, die die Auflagen der Ordnungsbehörden hinsichtlich ihrer Erkrankung nicht befolgen wollen oder können, wird aufgrund eines Gerichtsbeschlusses nach dem Infektionsschutzgesetz § 30 eine stationäre Behandlung angeordnet. Diese gerichtlich angeordnete Quarantäne ist erforderlich um eine Weiterverbreitung der Infektion zu verhindern.

Der Behandlung der Patienten stellt an das medizinische Personal hohe Anforderung. Zum einen bestehen bei den Patienten mit polyresistenten Tuberkulose verschiedenste medizinische Begleitprobleme, wie Drogensucht, Alkoholismus, Parasitosen, HIV oder neuropsychiatrische Erkrankungen. Weitere Probleme liegen in der Sprachenvielfalt, die den täglichen Ablauf eines Krankenhausbetriebes erschwert. Die durchschnittliche stationäre Verweildauer beträgt 130 Tage, wobei durchaus Klinikaufenthalte von bis zu 14 Monaten im Einzelfall notwendig ist. Viele der behandelten Patienten lebten zuvor ohne festen Wohnsitz, so dass für die Zeit nach der Entlassung aus der stationären Behandlung soziale Massnahmen getroffen werden müssen, um den therapeutischen Erfolg längerfristig zu sichern.

Bei der Behandlung der polyresistenten Tuberkulosen werden neben den Standardtuberkulostatika Substanzen wie Capreomycin, Cycloserin, Terizidon, Para-Aminosalicylsäure, Linezolid; Rifabutin, Prothionamid Moxifloxacin eingesetzt. Die Auswahl des Behandlungregimes erfolgt nach den Ergebnissen des Antibiogramms. Bei schweren Krankheitsverläufen werden teilweise 7er-Kominationen eingesetzt.

Als zusätzliche Komplikation ist hierbei jedoch mit der Toxizität der Substanzen zu rechnen, was eine engmaschige klinische Kontrolle der Patienten notwendig macht. Besonders schwierig ist die Auswahl der Präparate, wenn die Patienten im Heimatland bereits anbehandelt wurden und die Therapie dann aufgrund empirischer Beobachtungen, d. h. ohne Vorliegen eines Antibiogramms, festgelegt wird. Die Kosten der Unterbringung wie auch der Therapie von Patienten mit polyresistenten Tuberkulose sind beträchtlich. Allein die Kosten der Therapie belaufen sich z. B. bei einem 7-monatigen Aufenthalt auf etwa € 80.000.- (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).

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