21.04.2009 - Stress bis zum Burnout: wenn Topjobs krank machen

Erschöpfung, Burnout und Schlafstörungen aus Sicht der Chinesischen Medizin

Arbeiten in der IT-Branche gilt als Topjob: flexibel, eigenverantwortlich, hochbezahlt - aber gesund ist das nicht. Widersprüchliche Arbeitsanforderungen, überlange Arbeitszeiten und Leistungsdruck machen immer mehr IT-Spezialisten krank. Bis zu viermal häufiger als der Durchschnitt der Beschäftigten in Deutschland leiden sie unter psychosomatischen Beschwerden wie chronischer Müdigkeit, Nervosität, Schlafstörungen und Magenbeschwerden. Wie eine Untersuchung des Instituts Arbeit und Technik (Gelsenkirchen) zeigt, führen Stressphasen von mehr als acht Wochen zu einer Zunahme chronischer Erschöpfung - einem Frühindikator für Burnout -, rund 40% der Befragten wiesen deutliche Anzeichen dafür auf. Etwa 30% hatten zudem Probleme damit, sich zu erholen.

Zu den häufigsten Ursachen psychischer Belastungen in den untersuchten IT-Projekten zählen permanenter Zeitdruck, nicht geplanter Zusatzaufwand, Arbeitsunterbrechungen und Lernrestriktionen, die, verschärft durch restriktive Zeitvorgaben und Abgabetermine, zu ausufernden Arbeitszeiten beitrugen. "Man kann insofern bei diesen Projekten von einer gleichzeitigen Verdichtung und zeitlichen Ausdehnung der Arbeit sprechen", so Arbeitsforscher.

Burnout wird verstanden als ein chronischer Prozess des Erschöpfens der eigenen körperlichen und seelischen Reserven. Er ist gekennzeichnet vom Gefühl, durch die Arbeit ausgelaugt und ausgebrannt zu sein. Die Symptome von Burnout umfassen dabei Gefühle exzessiver Müdigkeit und Energielosigkeit, eine erhöhte "Dünnhäutigkeit" und Ungeduld in Belastungssituationen, Demoralisierung, Gleichgültigkeit und Zynismus.

In Projektgruppen zeigte sich, dass es vor allem dort zu einer Manifestierung von Belastungen kam, wo den Mitarbeitern keine wesentlichen Handlungs- bzw. Verhandlungsmöglichkeiten zur Verfügung standen, um eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen zu erzielen. Die in den Projekten vorhandenen Ressourcen wie freie Zeiteinteilung, gute Zusammenarbeit unter Kollegen oder interessante Aufgaben reichten offensichtlich nicht aus, um die Vielzahl widersprüchlicher Anforderungen, mit denen die Projektmitarbeiter konfrontiert werden, angemessen bewältigen zu können.

Zudem beschränkt sich die Teilhabe an Entscheidungen in den Projekten überwiegend auf einen engen Kreis von Themen: Arbeitszeit- und Urlaubsplanung, Auswahl von Arbeitsmitteln und -methoden sowie Einarbeitung neuer Kollegen. Die Mehrheit der Projektmitarbeiter bleibt von der Gestaltung der Rahmenbedingungen und des Ressourceneinsatzes weitgehend ausgeschlossen.

Regelmäßige Erholungspausen bei der Arbeit - also etwa mehrere über den Tag verteilte Pausen und ein konsequentes Freihalten der Wochenenden - sind zur Stress-Prävention deutlich wirksamer als Angebote von Blockurlaubszeiten oder Sabbaticals, zeigen die Untersuchungen.

Von besonderer Bedeutung für einen vorbeugenden Umgang mit Belastungsrisiken ist das Management, das für solche Fragen eine entsprechende Sensibilität oft erst entwickeln muss, beispielsweise durch Schulungen der Führungskräfte. Eine Problemsensibilisierung ist allerdings auch für viele der Projektbeschäftigten selbst notwendig.

Aber auch die Traditionelle Chinesische Medizin bietet Lösungen zur Behandlung von Störungen des Gesamtorganismus ein, die zu Schlafstörungen, Erschöpfung oder Burn-Out führen. Als pathogene Faktoren bei Schlafstörung gelten hier:

1. Überanstrengung, Sorge
2. Überarbeitung
3. Zorn
4. Ängstlichkeit der Gallenblase
5. Unregelmäßiges Essen
6. Geburt
7. Resthitze

Folgende Krankheitsbilder verursachen eine Schlafstörung, einmal Füllemuster und einmal Leeremuster. Zu den Füllemustern gehören:

1. Emporloderndes Leberfeuer
2. Emporloderndes Herzfeuer
3. Schleimhitze bedrängt den Geist
4. Resthitze im Zwerchfell

Leere Muster, die aus Sicht der chinesischen Medizin Schlafstörungen verursachen sind:

1. Herz und Milzblut-Mangel
2. Herz-Yin-Mangel
3. Herz und Niere harmonieren nicht
4. Herz- und Gallenblasenschwäche
5. Leber-Yin-Mangel

Beim lodernden Herzfeuer ist die übermäßige Sorge, Nachdenklichkeit die Ursache für das Syndrom. Es kommt zu nächtlichem Erwachen, Unruhezuständen, Albträumen als Begleitsymptome bitterer Mundgeschmack, Zungenulcera, Durst auf. Die Zunge ist rot mit Punkten, die Zungenspitze ist gerötet, der Belag meist gelb und der Puls seitenförmig.

Beim lodernden Leberfeuer ist die Ursache Ärger oder Frustration über einen langen Zeitraum, auch bei jungen Patienten. Der Schlaf ist unruhig. Es gibt ebenfalls Albträume oft boshaften Inhaltes, einen unruhigen Schlaf. Als Begleitsymptome gelten Unruhezustände, Gereiztheit, Kopfschmerzen, Schwindel, Durst, bitterer Mundgeschmack, dunklerer Urin und Obstipation. Die Zunge ist rot, der Belag schmierig gelb. Der Puls ist schnell und überflutend.

Weitere Informationen:
Dr. med. A. Kürten, Leiter des Zentrums für Traditionelle Chinesische und Integrative Medizin am St. Hedwig-Krankenhaus Berlin