08.05.2007 - Impfungen auch bei Allergikern möglich

Bei Allergien gegen Inhaltsstoffe achten!

In der täglichen Praxis wird der Arzt oftmals mit dem Problem der Impfung von Patienten mit Allergien konfrontiert. Dabei bestehen bei den Patienten bzw. deren Erziehungsberechtigten in vielen Fällen diffuse Ängste, die meist mit einer grundsätzlichen Skepsis gegenüber Impfungen gepaart sind. Vor einer Impfung sollte hier bei der Aufklärung sorgfältig differenziert werden, ob es sich bei zu impfenden Person um einen Allergiker oder  tatsächlich um einen Patienten handelt, der eine der nur selten vorkommenden Allergien gegen einen Inhaltsstoff eines Impfstoff aufweist. Meist handelt es sich bei den Allergikern um Patienten mit Erkrankungen aus dem atopischen Formenkreis (Neurodermitis, allergisches Asthma).

In den letzten Jahren wird eine stetige Zunahme der Inzidenz von Patienten mit Allergien beobachtet. Die Ursachen hierfür sind unklar und am ehesten multifaktoriell bedingt. Allergien manifestieren sich bereits im Kleinkindes- und Jugendlichenalter. Daher bestehen oftmals für die in diesem Lebensabschnitt von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfungen elterliche wie auch ärztliche Vorbehalte. Generell gilt jedoch, das Schutzimpfungen bei allen Personen mit allergischen Erkrankungen möglich und indiziert sind.

Tatsächliche bzw. echte allergische Reaktionen auf Impfstoffe sind sehr selten und kommen mit einer Häufigkeit von 1 auf 450.000 Impfungen vor. Bei anamnestischen Angaben über angebliche allergische Reaktionen nach früher durchgeführten Impfungen bedarf es der Vorsicht vor der wiederholten Anwendung des gleichen Impfstoffs. Allerdings lassen sich oftmals die geschilderten Beschwerden nicht objektivieren, so dass eine tatsächlich stattgefundene allergische Reaktion doch eher als unwahrscheinlich anzusehen ist. Eine Nachbeobachtung der Impflinge für 30 bis 60 Minuten nach erfolgter Impfung ist in diesen Fällen sinnvoll. Typische allergische Reaktionen sind Urtikaria, Glottisödem sowie eine Anaphylaxie.

Allergien gegen Inhaltsstoffe von Vakzinen sind sehr selten. Dazu gehören insbesondere Allergien gegen in manchen Impfstoffen enthaltenen diversen Antibiotika. Hierbei sind insbesondere Neomycin, Streptomycin und Gentamicin von Bedeutung. Da Penicilline bei der Impfstoff-Herstellung nicht verwendet werden dürfen, sind Impfungen bei bekannter Allergie gegen Penicilline bzw. Cephalosporne jederzeit möglich und unbedenklich.

Auch sind Allergien gegen in Impfstoffen enthaltenen Hilfsstoffe bekannt. Dazu gehören insbesondere Thiomersal, eine quecksilberhaltige Verbindung, die als Stabilisator oder Konservierungsmittel noch bei einigen Totimpfstoffen beinhaltet ist. In älteren Impfstoffen finden sich noch Spuren von Phenol, welches in seltenen Fällen allergische Reaktionen verursachen kann. Die heute in Impfstoffen zugesetzten Adjuvanzien, wie Aluminiumsalze, Monophospholipid oder MF59, wirken dagegen nicht allergisierend.
In Zweifelsfällen empfiehlt sich die Impfung eines Allergikers unter Überwachung in der Praxis oder Klinik.

In diesen Fällen kann es durchaus sinnvoll sein dem Impfling einen intravenösen Zugang zu legen, um im Bedarfsfall schnell eine antiallergische Therapie verabreichen zu können. Eine Testung des Impflings bei Verdacht auf Allergie gegen Impfstoffinhaltsstoffe ist zwar  möglich, jedoch sehr aufwendig. In einigen Impfstoffen finden sich Spuren von Hühnereiweiß. Hierzu gehören Impfstoffe gegen Gelbfieber, Influenza, Masern, Mumps, Frühsommer-Meningoenzephalitis und Tollwut. Trotz eventuell bestehender Hühnereiweißallergie kann eine Impfung meist problemlos durchgeführt werden, da sich die Allergie des Patienten meist nur gegen das Ovalbumin des Hühnereis richtet, welches in Impfstoffen nur in extrem geringen Mengen enthalten ist. Nur beim Gelbfieber-Impfstoff ist Vorsicht geboten, da sich hier höhere Hühnereiweißkonzentrationen finden.

Bei Patienten unter einer Hyposensibilisierungstherapie (zum Beispiel Bienengift, Wespengift) sollten während der Steigerungsphase keine reguläre Impfungen durchgeführt werden. Während der Erhaltungstherapie sollten Termine für Impfungen zwischen die in vierwöchigen Abstand erfolgenden Hyposensibilisierungsinjektionen gelegt werden. Ideal für Impfungen ist die Einhaltung eines zweiwöchigen Abstanden vor und nach der Verabreichung einer Hyposensibilisierung (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).

© Medizinische Enzyklopädie 2010