Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) weist in einer aktuellen Meldung auf eine Zunahme von Erkrankungszahlen an Syphilis (Lues) in den USA hin. Während im Jahr 2000 mit 2,1 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner die seit dem Beginn der Erfassung im Jahr 1941die niedrigste jemals gemessene Inzidenz beobachtet wurde, kam es bis 2004 zu einem stetigen Anstieg bis auf 2,7/100.000. Von der Zunahme der Erkrankungen waren fast ausschließlich schwarze, nicht-hispanische Männer betroffen. Bei dieser Population betrug die Inzidenz 9,0/100.000. Bei Hispaniern wie auch Angehörigen der indianischen Bevölkerung betrug die Inzidenz jeweils 3,2/100.000.
Im Vergleich dazu waren weiße Amerikaner mit einer Syphilis-Inzidenz von 1,6/100.000 am wenigsten betroffen. Eine Überprüfung der sexuellen Orientierung ergab, dass hauptsächlich homosexuelle Männer ("MSM" – Men who have sex with men) von dieser Zunahme betroffen waren. Insgesamt wurden im Jahr 2004 in den USA 7.980 Syphilis-Fälle gemeldet, von denen 84% bei Männern auftraten. Im Vergleich hierzu betrug die Inzidenz bei Frauen im Jahr 2004 nur 0,8/100.000. Bei der Beurteilung der Zahlen muss von einem gewissen Anteil an nicht-gemeldeten Fällen, sowie Personen, bei denen die Erkrankung nicht diagnostiziert wurde, ausgegangen werden.
25.03.2006 - Syphilis: Auffällige Zunahme von Erkrankungen in den USA
Rückkehr einer alten Lustseuche durch das Internet!
Die Zunahme der Syphilis bei homosexuellen schwarzen Männern war zudem mit einer hohen Rate an HIV-Infektionen begleitet, was auf ein hochrisikohaftes Sexualverhalten hinweist. Zudem fand sich eine Korrelation der Erkrankungen mit der Verwendung von Methamphetaminen. Als interessanter Nebenbefund zeigte sich bei der Auswertung der Fälle, dass ein beträchtlicher Anteil der betroffenen Homosexuellen ihre Partner in Internet-Chat-Rooms kennengelernt hatte. Diese Erkenntnis muss für zukünftige Präventionsstrategien berücksichtigt werden, dass heisst eine internet-basierte Prävention von sexuell übertragbaren Erkrankungen (STD) muss forciert werden.
Ob eine ähnliche neue internet-basierte Infektionsproblematik auch in Deutschland von Bedeutung ist, ist derzeit noch nicht bekannt. Allerdings lassen die zunehmende Popularität des Internet-Chats sowie Internet-Partnervermittlungen befürchten, dass auch in Deutschland dieses Phänomen wohl bald auftreten wird. Daher sollte rechtzeitig an Konzepten gearbeitet werden, wie eine internet-basierte STD-Prävention entwickelt werden kann.
Nach dem Infektionsschutzgesetz §7 Abs. 3 besteht für die durch Erregernachweis oder Serologie diagnostizierte akute Syphilis nach dem durch das den Befund erhebende Labor eine nicht-namentliche Meldepflicht. Somit besteht für Gesundheitsämter keine Möglichkeit für regelhafte, fallbezogene Maßnahmen, wie insbesondere die aktive Suche nach Kontaktpersonen. Dies dürfte sicherlich einer der Hauptgründe für den auch in Deutschland beobachteten Anstieg der Syphilis-Fälle in Risikogruppen sein (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).
© Medizinische Enzyklopädie 2010