17.03.2006 - Impfung gegen Gürtelrose vor der Zulassung

Neues Prophylaxe- und Therapiekonzept

Mit der Verfügbarkeit eines attenuierten Varizella-Lebendimpfstoffs für die Impfung von über 60-Jährigen zur Prävention der Gürtelrose ist in Kürze zu rechnen. Damit steht erstmals eine effiziente Möglichkeit zur Verhinderung einer Reaktivierung dieser Virusinfektion bei Senioren zur Verfügung. Neben den akuten Beschwerden klagen die Patienten mit Gürtelrose oftmals über die zum Teil lang andauernden postherpetischen Neuralgien.

Die Gürtelrose (Herpes zoster) wird durch die Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus (VZV) verursacht. Meist sind hiervon ältere Menschen betroffen, deren zelluläre Immunität gegen VZV über die Jahre abgenommen hat. Die Primärinfektion mit VZV verursacht die Windpocken (Varizellen). Nach erfolgter Infektion persistiert das Virus in den Ganglien. Reaktivierungen des Erregers führen zur Gürtelrose. Das Auftreten von Gürtelrose ist bei älteren Menschen in manchen Fällen auch als paraneoplastisches Syndrom zu werten. Mit zunehmender Lebenserwartung ist mit einer steigenden Zahl von Gürtelrose zu rechnen, somit auch von hierdurch verursachten Komplikationen.

Studien haben gezeigt, dass durch die VZV-Impfung älterer Menschen die zelluläre Immunität gegen diesen Erreger geboostert werden kann. Die VZV-Impfung ist in vielen Industrieländern bereits in den Impfkalendar für Kleinkinder aufgenommen. Langfristig wird somit die Möglichkeit einer Wildvirusexposition für ältere Menschen genommen, so dass eine natürliche Boosterung unterbleibt. Demgegenüber kommt es zum allmählichen Absinken der zellulären Immunität und somit zur Gefahr einer VZV-Reaktivierung.

In einer randomisierten, plazebokontrollierten Doppelblindstudie mit 38.546 Erwachsenen im Alter von >60 Jahren wurde die Wirksamkeit der Verabreichung einer Dosis des VZV-Impfstoffs (vorgesehener Handelsname: Zostavaxâ ) hinsichtlich der Inzidenz von Zoster untersucht. Primärer Endpunkt der Studie waren die Krankheitslast durch Zoster innerhalb eines halben Jahres nach Auftreten des Exanthems. Diese Variable wurde durch die Inzidenz, den Schweregrad und die Dauer der mit der Erkrankung verbundenen Schmerzen und Symptome beeinflusst. Sekundärer Endpunkt war die Inzidenz von postherpetischer Neuralgie. Die Auswertung der Studie ergab eine Verringerung der Inzidenz von Zoster um 51,3%, der Krankheitslast um 61,1% und der Inzidenz der postherpetischen Neuralgie um 66,5%. Die Verträglichkeit der Impfstoffs war sehr gut. Es wurden lediglich die üblichen geringgradigen lokalen und systemischen Reaktionen beobachtet.

Die bisherige Therapie des Zosters erfolgt spezifisch sowie symptomatisch. Für die spezifische Theapie stehen mehrere Virustatika (Aciclovir, Brivudin, Famciclovir oder Valaciclovir) zur Verfügung. Daneben werden in Abhängigkeit von der Schwere der Schmerzen Analgetika verabreicht. Weitere symptomatische Therapieoptionen umfassen Antikonvulsiva, Antidepressiva, Neuroleptika sowie eine Lokaltherapie mit transkutaner elektrischer Nervenstimulation oder Capsaicin-haltigen Therapeutika.

Durch die Einführung des Zoster-Impfstoffs könnten die insbesondere im höheren Lebensalter häufiger beobachteten Komplikationen eines Zosters reduziert werden. Die Impfung gegen Zoster würde somit zur Verbesserung der Lebensqualität des älteren Menschen beitragen. Die Zulassung des Zoster-Impfstoffs wurde sowohl bereits in Europa (EMEA) als auch in den USA (FDA) beantragt und wird voraussichtlich in Kürze erfolgen (Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg).

© Medizinische Enzyklopädie 2010